Unterneustadt: Freunde führen das Café im Kurbad Jungborn

Beliebter Treff schon kurz nach der Neueröffnung: Seit Anfang Mai kann man auf der Terrasse des Kurbades Jungborn an der Drahtbrücke wieder Kaffee mit Blick auf die Fulda trinken. Foto:  Zgoll

Kassel. Seit das Café im historischen Kurbad Jungborn an der Drahtbrücke wieder geöffnet hat, kommen Spaziergänger, Bummler und Radler in Scharen.

Was sie anzieht, ist ein neuer Charme des Projekthaften, Improvisierten und Unkommerziellen in den fantasievoll eingerichteten Räumen, zu denen auch ein kleines Bademuseum gehört. Zu Monatsbeginn hat ein fünfköpfiges Betreiberkollektiv die Bewirtschaftung übernommen und führt das Café als Experiment des selbstbestimmten Arbeitens und Gestaltens im Team.

„Die Resonanz ist großartig, die Leute finden es toll“, freut sich Malte Lantzsch vom Café-Kollektiv und erzählt von der turbulenten Vor-Eröffnungs-Zeit: „In den beiden Wochen vor dem 2. Mai haben wir praktisch auch hier geschlafen.“ Die Möbel, allesamt Einzelstücke, wurden aufbereitet oder eigens gebaut – so wie die Bank-Podeste aus Transportpaletten, die wie Logenplätze auf der Terrasse einen Blick auf die Fulda ermöglichen.

Mitmachen statt bedienen

Drinnen gibt es jetzt eine kleine Veranstaltungsbühne, wo Lesungen, Konzerte und ähnliches stattfinden sollen. Nebenan zischt eine stattliche Bar-Espressomschine hinter dem Tresen, wo Getränke, Snacks und Kuchen – auch vegan – in Selbstbedienung ausgegeben werden. „Das machen wir ganz bewusst“, sagt Lantzsch: „Wir wollen die Menschen hier nicht bloß bedienen, sondern sie als Teil unseres Projekts einbeziehen.“ Allerdings erleichtert der Tresen-Verkauf auch einiges ganz praktisch, denn unter den Café-Kollektivisten hat kaum einer Erfahrungen aus der Gastronomie.

„Die Abläufe müssen sich erst noch einspielen“, sagt Mitstreiterin Susanne Kirchner, die sich etwas auskennt. Dafür sind alle von dem Traum beseelt, neben ihren Broterwerbs-Jobs oder dem Studium ein gemeinsames Projekt mit kreativen Ideen voran zu bringen. Einzelne haben gute Kontakte zu regionalen Kommunen wie jenen in Kaufungen und Escherode, deren Gebäck oder Gemüse sich auch auf der Café-Speisekarte wiederfinden.

Als die Fünf im Vorjahr erfuhren, dass der Förderverein Kulturdenkmal Kurbad Jungborn für das Café neue Pächter sucht, haben sie sich gemeinsam beworben und nach dem vertraglichen Zuschlag ihr Netzwerk mobilisiert: Freunde und Angehörige liehen Startkapital, ein angehender Produktdesigner begleitete die Einrichtungsplanungen, eine befreundete Schreinerin den Möbelbau fürs Café.

An das Gruppenprojekt docken sich immer weitere Akteure an: Zuletzt richteten Claudia Tobisch und Oliver Ortmann mit ihrem Kochservice „Einfach essen“ im Café einen Fischsuppen-Abend aus, für den sich 30 Mitesser vorab angemeldet hatten. Eine Siebdruck-Werkstatt (29. Mai) und ein Flohmarkt (31. Mai) gehören zu den weiteren geplanten Aktivitäten im Kurbad-Café.

Öffnungszeiten Café und Bademuseum: Mittwoch bis Samstag 15 – 20, Sonntag 14 – 18 Uhr www.kollektivcafe-kurbad.org

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