Investor wirft der Stadt Hinhaltetaktik vor

Hausboote an der Fulda: Investor will Liegeplatz fertigbauen

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Öko-Hausboote in Planung: Mit dieser Skizze wirbt Initiator Hans-Georg Grone für sein Projekt nahe dem Kurbad Jungborn (rechts mit Booten) . Kritiker bemängelten dazu, dass die sechs Meter hohen Schwimmkörper im Maßstab viel zu klein dargestellt seien.

Kassel/Unterneustadt. Nur halb fertig ist nach wie vor der umstrittene Bootsliegeplatz am Unterneustädter Zollmauerpark, wo ein Privatmann zwei Öko-Hausboote ans Fuldaufer legen will.

Nach achtmonatigem Stillstand wirft Initiator Hans-Georg Grone der Stadtverwaltung vor, den Weiterbau des Liegeplatzes per Verzögerungstaktik zu blockieren. „Die setzen offenbar darauf, dass mir die Luft und das Geld ausgehen“, kritisiert Grone. Das Verhalten der Stadt sei unzulässig, da er vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt eine rechtsgültige Genehmigung für das Vorhaben habe.

Als Grone im vergangenen Mai zwei mächtige Stahlpfähle in den Ufergrund senken ließ, hatte es viel öffentliches Aufsehen gegeben. Kritiker monierten, der prominente Platz am Fluss dürfe nicht für ein Privatvorhaben anheimgegeben werden. Auch die Stadt sieht das Vorhaben kritisch. Stadtbaurat Christof Nolda äußerte damals Bedauern, dass das Rathaus nichts gegen die von einer anderen Behörde erteilte Genehmigung machen könne.

Demnach hat Grone die Erlaubnis, auf 40 Meter Uferbreite vier Pfähle zu setzen. Die Stadt ist insoweit betroffen, als sie organisieren muss, wie die Arbeiter durch den städtischen Zollmauerpark hindurch die Baustelle erreichen können.

Nachdem damals die halbe Arbeit erledigt war, setzten schwere Regenfälle ein, die die Böden wochenlang aufweichten. Um Schäden im Park zu vermeiden, hatte das Umwelt- und Gartenamt eine vorläufige Bauunterbrechung verfügt.

Als alles wieder trocken war, habe das Amt zunächst einen Bauablaufplan angefordert, sagt Grone. Diese Unterlagen lägen der Stadt nun seit Anfang September 2014 vor. „Erst nach Wochen und mehreren Anrufen habe ich überhaupt eine Eingangsbestätigung erhalten.“ Auf regelmäßige Nachfragen, wann er nun weiterbauen könne, heiße es nur, dass die Sache in Bearbeitung sei oder dass es aus Urlaubs- und Krankheitsgründen länger dauere.

Hans-Georg Grone

Grone sieht dahinter „eine Hinhaltetaktik, die mich richtig Geld kostet“. Er sei in der Vertragspflicht gegenüber der beauftragen Baufirma, die ihm seit Oktober täglichKosten dafür berechne, dass Baumaschinen in Kassel zur Verfügung gehalten werden. Dass die Prüfung nun bereits viereinhalb Monate dauern solle, sei auch abgesehen von der Kostenfrage völlig inakzeptabel, kritisiert Grone. Um seine Ansprüche durchzusetzen, könne er allenfalls vor dem Verwaltungsgericht klagen. Bis zu einer Entscheidung aber könnten Jahre vergehen. „Genau darauf spekuliert offenbar die Stadt“, glaubt Grone.

Das Rathaus macht andere Gründe geltend, warum es so lange dauert: Anfang Dezember habe das Regierungspräsidium als vorgesetzte Naturschutzbehörde die Gültigkeit von Grones Baugenehmigung in Frage gestellt, weil Fragen zum Naturschutzrecht ungeklärt seien, sagte Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich: „Die Stadt wird nun zur weiteren Klärung des Verfahrens kurzfristig auf den Investor zugehen.“

Hintergrund

D as plant der Investor

Für das Unterneustädter Fuldaufer plant Hans-Georg Grone keine herkömmlichen Hausboote, sondern zwei schwimmende Technologieträger, auf denen er umwelttechnische Neuerungen zeigen und vermarkten will. Wohnen können soll man an Bord aber auch. Die Wasserfahrzeuge sollen auf der Fulda mit eigenem Elektro-Hybridantrieb mobil sein, falls der Standort gewechselt werden muss. Für das Passieren von Brücken sollen die oberen Kabinendecken hydraulisch absenkbar sein. Leitungsverbindungen zum Ufer werden laut Grone nicht benötigt, da Turbinenstrom selbst erzeugt werde und Abwässer an Bord geklärt oder gebunkert würden. Der Diplomingenieur rechnet mit Investitionskosten von 1,2 Millionen Euro. Die Kaufunger Firma Stahlbau Lamparter solle die 20 mal 6 mal 6 Meter großen Schwimmkörper konstruieren. Das erste Boot solle nach heutiger Planung Ende 2016 ans Fuldaufer gelegt werden, sagte Grone.

Von Axel Schwarz

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