Die "Nordwind" ist beschädigt und verwittert

Holzschiff soll wieder auf der Fulda bei Kassel fahren

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So schön soll sie wieder werden: Die „Nordwind“ nach der jüngsten Generalüberholung zwischen 1992 und 1994.

Kassel. Früher war die „Nordwind“, ein hochseetaugliches Holzschiff aus Marinebeständen, Attraktion beim Zissel und bei Rundfahrten vom Kasseler Hafen aus. Das hat sich geändert.

Derzeit ist der 56 Jahre alte Schiffsoldtimer in keinem guten Zustand.

Von ihrem Liegeplatz im Kasseler Hafen aus schipperte die Pinasse bis vor einigen Jahren mit bis zu 34 Gästen an Bord auf der Fulda, und Kasseler Marine-Reservisten sind mit der hochseetauglichen „Nordwind“ gar zu Lehrgängen bis an die Küste gereist.

An solche Abenteuer auf dem Wasser ist schon seit vielen Monaten nicht zu denken. Beschädigt und verwittert schlummert die 56 Jahre alte „Nordwind“ auf einem Anhänger neben dem Hafenbecken. Der hölzerne Heckspiegel ist auf Wasserlinie eingedrückt – „vermutlich durch Eisgang im Winter“, sagt Jürgen Lange, 1. Vorsitzender der Marine- und Reservistenkameradschaft Kassel (MRK), der die „Nordwind“ 1992 vom Deutschen Marinebund überlassen wurde.

Löcher im Heck: Die Schäden entstanden wohl durch winterliches Eis im Hafenbecken.

So hatte die Pinasse längere Zeit im Wasser gelegen. Eingedrungenes Nass hat Spanten und andere Holzteile im Schiffsbauch mürbe werden lassen. Die Maschine, die Ruderanlage sowie die Technik im Steuerstand mit seinem schönen Holz-Ausbau sind aber noch gut in Schuss. Nun soll der Schiffs-Oldtimer wieder flott gemacht werden – eine große Aufgabe für die Marinekameraden, deren Mitglieder größtenteils längst im Rentenalter sind.

Sie hoffen, für ihr Projekt Förderer und tatkräftige, handwerklich geschickte Helfer zu gewinnen, die beim Mitmachen auch Interessantes über Hochseeschiff-Technik erfahren können. „Erst wollten wir das Schiff abgeben, aber es gehört einfach zu Kassel und auf die Fulda“, sagt Vorsitzender Lange.

Mindestens ein Jahr werde die Restaurierung dauern, schätzt Joachim Alex, der die Arbeiten koordiniert. Der 74-jährige Oberbootsmann der Reserve bringt als gelernter Nutzfahrzeugbauer und Kfz-Mechanikermeister viel Technikwissen mit; so hat er dem Sechs-Zylinder-Schiffsdiesel bereits eine gründliche Überholung verpasst.

Sie wollen das Hochseeboot für Kassel bewahren: Otto Grabow (links) und Jürgen Lange vom Vorstand der Marinekameradschaft Kassel.

Schon in nächster Zeit soll die „Nordwind“ vom Hafen auf ein Firmengelände in Ihringshausen umziehen, das die Vereins-Aktiven und ihre Helfer als Werft nutzen dürfen. Neben viel Eigenleistung könne die Marinekameradschaft vorerst nur Beitragsgeld und Spenden aus dem Kreis ihrer rund 60 Mitglieder in die Waagschale werfen, sagt Jürgen Lange. Der Verein begeht im Sommer sein 125-jähriges Bestehen – eine Ausfahrt auf ihrer geliebten „Nordwind“ wird den Mitgliedern und Gästen zu diesem großen Anlass nicht geboten werden können.

In ein, zwei Jahren aber soll das Hochseeschiff wieder so schick und stolz über die Fulda tuckern wie vor 26 Jahren, als die „Nordwind“ nach Kassel kam – vermittelt durch den Deutschen Marinebund in Kiel. Auch dort hofft man, dass das Restaurierungsprojekt gelingt: Ein fahrtüchtiges Marineboot auf der Fulda sei eine Attraktion und eine Visitenkarte des maritimen Verbandes im nordhessischen Binnenland, sagt Bundesgeschäftsführer Alexander Hub, ein gebürtiger Kasseler.

Die Pinasse „Nordwind“

Die 1962 gebaute Pinasse „Nordwind“ war bei der Bundesmarine als Beiboot des Versorgungsschiffes „Saar“ im Einsatz. Dabei wurde das knapp 10 Meter lange und 2,60 Meter breite Motorfahrzeug für den Pendeldienst zwischen Mutterschiff und Ufer verwendet, konnte aber auch bestimmte Schleppaufgaben übernehmen. 

Die hochseetüchtige Pinasse hat eine 85-PS-Maschine und Platz für eine dreiköpfige Besatzung sowie bis zu 34 Passagiere. 

Bis vor einiger Zeit eine Attraktion auf der Fulda: Die Pinasse auf Rundfahrt im Kasseler Hafen. Das Bild entstand 1998 bei einer Jubiläumsfeier des Yacht-Clubs Kassel. 

Nachdem die „Saar“ 1991 beim 1. Minensuchgeschwader außer Dienst gestellt worden war, kam die Pinasse einige Zeit später durch Vermittlung des Deutschen Marinebundes nach Kassel und erhielt dort den Namen „Nordwind“. Taufpatin war Irma Lewandowski, die Frau des früheren Kasseler Oberbürgermeisters Georg Lewandowski.

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