Street-Art-Kunstwerk ist über 20 Meter groß

Über 20 Meter groß: Riesen-Graffito ziert Speicherbau am Kasseler Hafen

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Sechs Tage Arbeit an der Speicherwand: Dustin Schenk (links) von Kolorcubes und Street-Art-Künstler Sainer.

Auf einer Wandfläche des Speichergebäudes am Fuldahafen in Kassel ist ein spektakuläres Graffito entstanden. Der polnische Street-Art-Star Sainer hat das Motiv in sechs Tagen gestaltet.

Das über 20 Meter hohe Bildnis einer schönen jungen Frau, beinahe fotorealistisch im Stil von Graphic Novels oder Tuschezeichnungen gemalt, ist als Landmarke weithin sichtbar. In nur 24 Stunden hatte das Kasseler Riesenwandbild bereits auf Instagram über 13 000 Likes aus aller Welt gesammelt.

Das liegt daran, dass der Schöpfer ein international renommierter Star der Street-Art-Szene ist. Der 31-jährige Sainer (bürgerlich: Przemek Blejzyk) lebt im polnischen Gdynia, er zeigt seine Arbeiten in Galerien und auf Gebäudewänden von Lissabon bis Los Angeles. „Sainer sucht sich die Wände, die er macht, inzwischen sehr genau aus“, sagt Dustin Schenk vom Kasseler Verein Kolorcubes, der solche Kunst im Stadtraum vermittelt, realisiert und fördert. Umso erfreuter sei der Verein, den prominenten Polen für diesen besonderen Standort gewonnen zu haben.

Keine feste Motiv-Vorlage

Sainer selbst kam nicht mit einer festen Motivvorlage nach Kassel. „Ich bringe zwar eine Grundidee mit, passe sie dann aber vor Ort an“, erläuterte er. Das heißt: Er wählt Farben aus und erstellt auf der Wandfläche unterschiedliche Skizzen für Figur, Hintergrundszenerien und weitere Elemente, die dann während der Arbeit am Gesamtbild ineinanderfließen.

Hingucker auf dem Hafengelände: Die porträtierte junge Frau gibt es wirklich, sie heißt Alicja und ist eine Bekannte des Künstlers.

Gemalt hat er vom Fahrkorb eines Hubsteigers aus, den er nach Bedarf selbst manövrieren konnte. Die junge Frau, die nun vom Hafen-Speicher übers südwestliche Kassel blickt, gibt es übrigens wirklich: Sie heißt Alicja und lebt in Sainers Heimatstadt Gdynia, verriet der 31-Jährige.

Sainers faszinierende Kunst hat so gar nichts mit dem zu tun, was sich Außenstehende landläufig unter Graffiti vorstellen. Keine Spraydosen kamen am Hafen zum Einsatz, kryptische Schriftfolgen oder knallige Farborgien sucht man vergebens. Sainers Riesenbild ist allein mit Farbrollen und Pinseln entstanden. Gerade die farbliche Zurückhaltung in Verbindung mit der schieren Größe sorgt für eine intensive Wirkung.

Nicht Graffiti, sondern Murals

Dustin Schenk spricht auch nicht von Graffiti, sondern von Murals, wenn er Sainers Arbeiten beschreibt. Die Fassaden-Kunstform des Muralismo ist um die 1920er-Jahre in Mexiko entstanden, sie ist in Lateinamerika und im Südwesten der USA sehr verbreitet. Dort zeigen die sehr bunten Wandszenerien meist sozialkritische, historische und revolutionäre Themen. Sainer hingegen knüpft an die Sehgewohnheiten und Symbole eines zeitgenössischen jungen Szenepublikums an.

Ermöglicht und gefördert hat das Kunstwerk die am Hafen ansässige Kalksteinbruchfirma Transkal, die auch Eigentümerin des Speichergebäudes ist. Neben diversen gewerblichen Mietern gibt es auf dem Gelände auch Band-Übungsräume sowie ein kleines Schifffahrtsmuseum. „Wir wollen das Gebäude am Leben erhalten“, sagt Transkal-Geschäftsführerin Claudia Luckau. Die Entstehung des Wandbilds sei spannend zu beobachten gewesen, das Ergebnis sei „superschön geworden“.

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