Am Platz der Deutschen Einheit

Zwangsversteigerung von Glashäusern in Kassel überraschend abgesagt

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Um diese Gebäude geht es: In dem linken der Glashäuser am Großen Kreisel wird per Vertrag mit der Stadt Kassel ein kommunales Flüchtlingsheim betrieben. 

Kurz vor dem Bietertermin wurde die Zwangsversteigerung eines Flüchtlingsheims und eines Geschäftshauses in Kassel überraschend abgeblasen.

Dabei geht es auch um Mieteinnahmen von monatlich über 80.000 Euro. Die Hängepartie um die beiden Glasgebäude am Platz der Deutschen Einheit geht weiter: Für Mittwoch war beim Amtsgericht Kassel die Zwangsversteigerung dieser Grundstücke angesetzt; zum Verkehrswert von elf Millionen Euro. Doch 24 Stunden zuvor wurde der öffentliche Bietertermin aufgehoben. Ob das Zwangsversteigerungsverfahren irgendwann fortgesetzt wird, ist derzeit offen.

Ein möglicher Eigentümerwechsel der Liegenschaft hätte besonders die Stadt Kassel interessiert. Sie betreibt im Haus Leipziger Straße 35/37 eine Flüchtlingsunterkunft. Laut einem Vertrag, der auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise geschlossen wurde und der noch bis 2022 läuft, haben die Betreiber jeden Monat rund 83.000 Euro Miete von der Stadt zu erwarten. Das würde grundsätzlich weiter gelten, falls jemand anderes die Immobilie ersteigert.

Zwangsversteigerung in Kassel abgesagt: Gebäudeeigentümer steckt in finanziellen Schwierigkeiten

Der Mann, der derzeit laut Grundbuch Eigentümer der Flächen und Gebäude ist, steckt dem gerichtlichen Aufhebungsbeschluss zufolge in finanziellen Schwierigkeiten. Dokumente, die der HNA vorliegen, legen nahe, dass er bei den Geschäften mit Flüchtlingswohnraum am Großen Kreisel als Strohmann privater Geldgeber fungiert. Diese lassen sich als Grundbuch-Gläubiger die Mieteinnahmen per Abtretungserklärung direkt von der Stadt Kassel überweisen.

Zur Zwangsversteigerung kommen sollte es nun, weil der grundbuchmäßige Eigentümer im Rechtsstreit mit einem anderen Gläubiger wegen eines Immobiliengeschäfts in Ostwestfalen steht. Der Mann hatte dort 2016 ein leerstehendes Hotel gekauft, offenbar um dort ebenfalls Flüchtlinge unterzubringen, jedoch niemals seine Zahlungs- und Unterhaltungspflichten erfüllt. Um an dieses Geld zu kommen, will der Gläubiger die Glashäuser in Kassel versteigern lassen.

In dem Rechtsstreit beruft sich der Schuldner mit anwaltlicher Hilfe darauf, er sei bei Abschluss des Kaufvertrags wegen einer „krankhaften Störung der Geistestätigkeit“ nicht geschäftsfähig gewesen und somit nicht haftbar zu machen. Deswegen hat das Gericht im September 2018 ein Sachverständigengutachten beauftragt. Dieses solle zunächst abgewartet und gewürdigt werden, heißt es in der Begründung, warum der Zwangsversteigerungstermin ausgesetzt wurde.

Offen bleibt bis auf Weiteres, was es für die Verträge mit der Stadt Kassel bedeuten würde, falls der Mann mit seinem Plädoyer auf Geschäftsunfähigkeit Erfolg hätte.

Lesen Sie auch: Dubiose Geschäfte: Glashäuser am Kreisel werden zwangsversteigert

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