Kasseler Industriegeschichte: Seit 1895 eine Hafenstadt 

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Stolze Fuldaschiffer: Zehn Jahre nach der Eröffnung des Hafens entstand diese Aufnahme. Im Hintergrund sind zahlreiche Frachtschiffe und die 1936 abgebrannten Speicherhallen zu sehen.

Kassel. Hier legen zwar keine Kreuzfahrtschiffe an, die Zeit der großen Lastkähne scheint auch vorbei - und trotzdem ist Kassel seit 120 Jahren eine Hafenstadt.

Über die Fulda und die Weser kann man die Nordsee und theoretisch jede andere Hafenstadt der Welt erreichen.

Lexikonwissen:

Der Kasseler Hafen im Regiowiki

Früher erreichten die großen Lastkähne Kassel in umgekehrter Richtung. Sie brachten tonnenweise Getreide, Jute und Maschinen. Auf dem Rückweg nahmen sie Basaltsteine und Schotter mit. Der Kasseler Hafen war über Jahrzehnte ein florierender Umschlagplatz. Die Voraussetzungen dafür wurden vor 120 Jahren geschaffen. Als der Hafen am 1. August 1895 mit einem großen Wasserfestzug eröffnet wurde, war das ein Volksfest. Die Bremer Schleppschifffahrts-Gesellschaft hatte die Planungen und den Bau entscheidend vorangetrieben. Die Bremer Kaufleute wollten sich weitere Märkte erschließen und setzten damals schon auf die zentrale Lage Kassels.

Zwischen Hann. Münden und Kassel musste ein Höhenunterschied von 17 Metern überwunden werden. Sieben Staustufen waren nötig, um die Fulda durchgängig befahrbar zu machen. Die Etappen: Hann. Münden, Bonaforth, Wilhelmshausen, Speele, Kragenhof, Spiekershausen.

In den ersten Jahren erlebte der Kasseler Hafen einen regelrechten Boom. Im Jahr 1905 erreichte der Güterumschlag mit 78.000 Tonnen pro Jahr einen vorläufigen Höhepunkt. Der Platz zum Laden und Löschen reichte nicht mehr aus, deshalb wurde die Ufermauer von 113,5 Meter auf 155 Meter verlängert. Auch die Lagerhäuser wuchsen. Es entstand eine ganze Reihe von ihnen. Ein Großbrand im Jahr 1936 war dafür verantwortlich, dass von diesen Lagerhäusern heute nichts mehr zu sehen ist. Eine zweite Blütezeit erlebte der Hafen nach dem Zweiten Weltkrieg. Es gab Pläne für einen Ausbau der Fulda und insbesondere für eine Erweiterung der Schleusen. Bis zum Jahr 1963 stieg der Warenumschlag ständig an. Damals waren es 100.000 Tonnen. In den folgenden Jahren ging es für den Hafen aber rapide bergab. Die Pläne zum Fulda-Ausbau waren längst in der Schublade verschwunden. Immer mehr Güter wurden zunächst auf der Schiene und später auf der Straße transportiert.

1977 kam das Aus für den Frachtverkehr auf der Fulda bis Kassel. Kurz nach den Feiern zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 1995 stand der Hafen zum Verkauf. Heute betreibt ihn der Kasseler Yacht Club, der 60 Liegeplätze für Sportboote auf dem Areal zur Verfügung hat. Die größte Sorge gilt der Stadtschleuse, die dringend saniert werden müsste. Auch das Gelände entlang der ehemaligen Speichergebäude wird genutzt. Hier hat die Kalksteinbruchgesellschaft Transkal ihren Sitz. Neben Handwerkern gibt es eine Immobilienfirma, ein Büro der Wasserschutzpolizei und viel Platz für Musiker, die dort Proberäume haben. In den ehemaligen Speichergebäuden hat seit kurzem das ehrenamtlich betriebene Museum der Fuldaschifffahrt seine Ausstellungsflächen.

Der Kasseler Hafen im Wandel der Zeit

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