Stadt spricht sich für Brachlegung aus

Fackelteich-Kleingärten in Kassel: Sanierung könnte bis zu 54 Millionen Euro kosten

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Alles müsste weg: Unser Luftbild zeigt einen Teil der Kleingartenanlage Fackelteich. Sämtliche Bauten und sämtlicher Bewuchs müssten bei Aufgabe der Anlage und Brachlegung der Fläche abgeräumt werden.

Die Schadstoffe im Boden der Kasseler Kleingartenanlage Fackelteich werden deutlich höhere Kosten verursachen als gedacht. Auch die Stadt spricht sich nun für eine Brachlegung aus.

Für eine wie auch immer geartete Sanierung des mit Blei und Kohlenwasserstoffen verunreinigten Geländes muss nach neuester Kostenschätzung mit zweistelligen Millionenbeträgen gerechnet werden. Allein die Aufgabe der seit 2016 als Altlast eingestuften Anlage in der Unterneustadt wird – inklusive Sicherung des Geländes, Entschädigung der Kleingärtner und Umzug des Vereins – 16 Millionen Euro kosten.

Für diese Brachlegung war zuvor mit Kosten von acht Millionen gerechnet worden. Verdoppelt hat sich nach genauerer Schätzung auch der Preis für die ebenfalls ins Auge gefasste andere Sanierungsvariante. Dabei soll auf zwei Dritteln des Geländes der Boden bis in zwei Meter Tiefe ausgehoben werden. Auf dem Restgelände soll das belastete Material aufgefüllt werden. Die dafür geschätzten Kosten: 54 Millionen Euro.

Bezahlen werden die Sanierung die Stadt Kassel und das Land Hessen. Die Stadt hat auf dem Gelände etwa von 1910 bis 1930 eine Müllkippe betrieben, gilt damit als Verursacher. Das Land ist Eigentümer der mehr als 185.000 Quadratmeter großen Fläche. Mit 395 Parzellen war der Kleingartenverein Fackelteich einer der größten Nordhessens.

Für die Brachlegung, die billigste Variante, spricht sich nach dem Projektbeirat nun auch die Stadt aus. Eine geeignete und vom Verein akzeptierte Ersatzfläche ist aber für die Kleingärtner noch nicht gefunden. Die Suche gehe weiter, sagt Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Benötigt wird Platz für rund 200 Parzellen, Freiflächen in anderen Anlagen reichten dafür nicht aus.

Nolda appelliert an die Stadtpolitik, per Beschluss die Richtung für die Sanierung vorzugeben, um dann mit dem Land über die Details sprechen zu können. „Wir brauchen eine Entscheidung.“

Wegen des mit Blei und Kohlenwasserstoffen belasteten Bodens gilt die Anlage des Kleingartenvereins (KGV) Fackelteich seit Sommer 2016 als Altlast. In einer Machbarkeitsstudie wurden mehrere Varianten zur Sanierung untersucht. Der Projektbeirat hat sich nun einstimmig für Variante 4 ausgesprochen, also für die Brachlegung des verunreinigten Geländes in der Unterneustadt und den Umzug der Kleingärtner auf eine andere Fläche im Stadtgebiet. 

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Fackelteich-Sanierung

Woher stammt eigentlich die Bodenverunreinigung?

Das Gelände ist von der Stadt Kassel etwa ab 1910 und bis in die 1930-er Jahre als Müll- und Schuttkippe genutzt worden. Zudem wurden dort im Zweiten Weltkrieg viele Bomben abgeworfen. Die Schadstoffbelastung war lange bekannt, hielt sich jedoch stets in den zulässigen Grenzen. Bei Untersuchungen im Dezember 2015 wurden dann aber bis zu vierfach überhöhte Werte für Blei und bis zu achtfach überhöhte Werte für Kohlenwasserstoffe festgestellt. Als Gründe dafür, dass nun die Grenzwerte überschritten wurden, wurde auf genauere Messmethoden und verschärfte Grenzwerte verwiesen. Seither gilt die Kleingartenanlage als Altlast.

Welche Folgen hat die Einstufung der Anlage als Altlast für die Kleingärtner?

Wegen der Grenzwertüberschreitungen ist das Gärtnern auf dem Fackelteich-Gelände seither nicht gänzlich verboten, aber mit Einschränkungen verbunden. Gemüse, Salat und Erdbeeren zum Beispiel sollten nur noch in Hochbeeten angebaut werden. Der direkte Kontakt mit dem Boden ist zu vermeiden. Kinder sollten keinesfalls Boden in den Mund nehmen, heißt es etwa in den Empfehlungen des Regierungspräsidiums und Gesundheitsamtes.

Was soll aus dem verunreinigten Gelände werden?

Der Beschluss der Kasseler Stadtverordneten dazu steht noch aus. Der Projektbeirat, dem Vertreter des Stadtteils, der Stadt, des Landes sowie des Kleingartenvereins und der Kleingartenverbände angehören, hat die Aufgabe beziehungsweise Brachlegung der Fläche empfohlen. Das heißt: Das Gelände würde von allen Bauten/Hütten und allem Bewuchs befreit, mit etwas Erde überdeckt und womöglich umzäunt. Die Schadstoffe würden bei dieser „Sanierung“ im Boden bleiben.

Was wird dann aus dem Kleingartenverein?

Wird die Brachlegung beschlossen, müssten die Kleingärtner die Fläche verlassen und auf ein anderes Gelände umziehen. Die angemieteten Parzellen würden ihnen gekündigt, dafür stünden ihnen Ausgleichszahlungen zu. Der Wert der Parzellen wird derzeit ermittelt. Insgesamt geht man von einer Entschädigungssumme in Höhe von vier Millionen Euro aus.

Welche Ersatzfläche kommt für die Gärtner in Frage?

Die Zahl der Fackelteich-Kleingärtner ist wegen der Probleme bereits von knapp 400 Mitglieder auf deutlich unter 300 gesunken. Wohin ihre Reise geht, ist völlig offen. Gesucht wird eine Ersatzfläche, die Platz für rund 200 Parzellen bietet, nahe des bisherigen Geländes liegt und im Eigentum von Stadt oder Land ist. Bei Erwerb eines Grundstücks würden sich die Kosten für die Sanierungsvariante 4 – geschätzt auf 16 Millionen Euro – weiter erhöhen. 

Bislang ist aber noch keine Fläche gefunden, die für die Ansiedlung geeignet wäre beziehungsweise von dem Verein akzeptiert würde. Die Suche soll weitergehen. Wird ein Gelände gefunden, könnte der Verein nach Erstellung einer neuen Anlage dort hinziehen. Parallel könnte die verunreinigte Fläche des KGV brachgelegt und gesichert werden. Für diese Art der Sanierung wird mit einem Zeitraum von rund zwei Jahren gerechnet.

Und wer trägt schließlich die Kosten der Sanierung?

Die Kosten der Fackelteich-Sanierung werden sich die Stadt Kassel als Verursacher der Bodenverunreinigung und das Land Hessen als Eigentümer der Fläche teilen.

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