Adventszeit in der freien Natur

So bereiten sich die Kinder im Kasseler Natur-Kindergarten auf Weihnachten vor

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Kinder der „Waschbärenbande“ schmücken ihr Freiluft-Gelände: Vorn von links Melina, Betül, Mohammed und Aila, hintere Reihe: Lias, Johnny, Raik und Nicklas. 

In der Kasseler Unterneustadt erleben die Kindergartenkinder der "Waschbärenbande die Adventszeit jeden Tag in der freien Natur. Momentan bereiten sie sich auf Weihnachten vor.

Es ist frisch am Morgen auf dem Wiesengelände nahe dem Fuldaufer. Doch die Kinder in ihren Anoraks und Matschhosen sind bereits auf Betriebstemperatur: Ein paar von ihnen toben in einer überdachten Kuhle voller Rindenmulch, andere wärmen sich kurz auf in einem Jurtenzelt, in dessen Mitte ein Feuerkessel knistert. Die fünfjährige Aila findet es spannender, die umliegenden Hecken nach Vogelnestern abzusuchen.

Das gefällt ihr überhaupt am besten am naturnahen Alltag im Freiluft-Kindergarten „Waschbärenbande“: dass es rund um das Gelände „ganz viele Tiere“ gibt. Singvögel und Hasen, Gänse und Katzen habe sie schon getroffen, zählt Aila auf. Mit ihren Spielkameraden verbringt sie fünf Tage pro Woche rund ums Jahr in der freien Natur. Dass sich in der Winterzeit manche Tiere anders verhalten, wissen die Kinder auch.

Im Natur-Kindergarten gibt's Kinderpunsch mit Orangensaft

Davon ist die Rede in einem Lied, das Erzieherin Helen Schrempf kurze Zeit später mit den Kindern singt. Es geht um Max, den Igel. Der liebt seinen Winterschlaf, muss aber deswegen leider immer die Weihnachtsfeier der Tiere im Wald verpassen. Gesungen wird aber erst, sobald alle Kinder ihren Mund leergemümmelt haben.

Zur Frühstückspause waren nämlich die Spekulatius sehr begehrt, die es heute ausnahmsweise zu den Apfelschnitzen gab. Nicht nur bei den Tieren, auch für die Naturkinder ist der Advent eine besondere Zeit. In der holzbefeuerten Gulaschkanone dampft ein leckerer Kinderpunsch aus Apfel- und Orangensaft.

Natur-Kindergarten besteht seit Frühjahr 2018

Wenn es nicht Advent, sondern Sommer ist, wird dort schon mal ein Eintopf aus dem Gemüse gekocht, das die Kinder mit ihren Betreuerinnen in einer Ecke des 2000 Quadratmeter großen Grundstücks anbauen. „Für die Kinder ist das hier ein Paradies“, sagt Elternvertreterin Sylvia Hildebrandt.

 Dieses Paradies am Rande der Waldauer Wiesen besteht seit Frühjahr 2018. „Den Eröffnungstag haben wir bei minus 15 Grad Celsius gefeiert“, berichtet Kita-Leiterin Constanze Richter. 

Seither werden die Einrichtungen auf dem Wiesengelände, das von einem Anwohner gepachtet wurde, immer weiter ausgebaut, damit die 18 angemeldeten Kinder spielend und bei jedem Wetter die Natur erleben können. 

Im Natur-Kindergarten wird weihnachtlich geschmückt

Nur wenn es mal richtig stürmt, wird beim benachbarten Casseler Kanu-Club Schutz gesucht. Der Naturkindergarten wird von der Stiftung Hessisches Waisenhaus in Kassel getragen, die Betreuungszeiten sind werktags von 7.30 bis 14 Uhr.

Momentan prägt die Vorweihnachtszeit das tägliche Geschehen bei der „Waschbärenbande“. Stolz zeigen die Kinder, wie sie mit Tannenzapfen, Nadelbaumzweigen und Christbaumkugeln die Veranda vor dem großen Bauwagen, der ihnen als Wetterschutz dient, vorweihnachtlich dekoriert haben.

Schmuck aus Kastanien im Natur-Kindergarten

Mit Kastanien, Blättern und anderem, das sie in der Natur finden, basteln sie außerdem kleine Geschenke für ihre Familien und Spielkameraden. Dabei lassen sich die Naturkinder aber nicht in die Karten schauen – es soll schließlich eine Überraschung sein, sagt Erzieherin Schrempf.

Die fünfjährige Aila bastelt auch daheim gern mit Material aus der Natur – etwa mit Blättern, die sie auf eine Schnur auffädelt. Aila freut sich schon darauf, wenn jetzt wieder alles festlich geschmückt wird daheim in der warmen Wohnung. „Wir haben zu Hause eine ganz große Kiste voll mit Weihnachtsschmuck“, erzählt sie.

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