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Nostalgie schippert auf der Fulda: 60 Jahre altes Tretboot wieder im Ahoi Bootsverleih

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Von: Bastian Ludwig

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Beim Belastungstest: Nadine Nierlich und Torsten von Kielpinski (beide Jafka) fuhren Michael Neuner (Well Being Stiftung) und die Auszubildende Elnaz Mohammad Tajnaslbonab für eine erste Runde über die Fulda. Am Ufer warteten von links Jürgen Hartrumpf (Jafka Geschäftsführer), Karsten Völker (Polster 7) und die Auszubildenden Berhant Gür und Justin Sauer.
Beim Belastungstest: Nadine Nierlich und Torsten von Kielpinski (beide Jafka) fuhren Michael Neuner (Well Being Stiftung) und die Auszubildende Elnaz Mohammad Tajnaslbonab für eine erste Runde über die Fulda. Am Ufer warteten von links Jürgen Hartrumpf (Jafka Geschäftsführer), Karsten Völker (Polster 7) und die Auszubildenden Berhant Gür und Justin Sauer. © Bastian Ludwig

Die Aufregung war groß: Nach Hunderten Stunden Arbeit wurde ein mehr als 60 Jahre altes Tretboot, das jahrzehntelang im Schuppen stand, wieder auf der Fulda zu Wasser gelassen.

Kassel - Die Kasseler Well Being Stiftung und Jafka, eine gemeinnützige Gesellschaft für Aus- und Fortbildung, haben das ungewöhnliche Projekt auf dem Gelände des Ahoi Bootsverleihs in der Unterneustadt gemeinsam umgesetzt. Wer Lust hat, kann nun in der „Green Duck“ wieder in die Pedale treten. Zudem warten zwei weitere alte Tretboote auf eine Sanierung.

Es ist nicht irgendein Tretboot, das nun wieder auf der Fulda zu sehen sein wird. Das Barro Pedalo sei 1955 entwickelt worden und das erste robuste Tretboot weltweit gewesen, das in einer seewasserbeständigen Aluminiumlegierung hergestellt wurde, wie Michael Neuner von der Well Being Stiftung erzählt. Doch in den vergangenen Jahrzehnten fristete das Boot gemeinsam mit zwei Artgenossen ein tristes Dasein im Schuppen des Bootsverleihs an der Blücherstraße.

Nach dem Sandstrahlen: Die „Green Duck“ wurde bei der Deutschen Bahn von der Farbe befreit.
Nach dem Sandstrahlen: Die „Green Duck“ wurde bei der Deutschen Bahn von der Farbe befreit. © privat

Vergangenen Sommer war damit Schluss. Auszubildende von Jafka nahmen sich unter Anleitung von Nadine Nierlich und Torsten von Kielpinski (beide Jafka) der aufwendigen Aufarbeitung an. Das 4,20 Meter lange Boot wurde zerlegt und in Werkstätten der Deutschen Bahn gesandstrahlt. Anschließend wurden die zahlreichen Dellen gespachtelt und zum Schluss kam die neue Lackierung. Zudem wurden Kettenantrieb und Lenkung erneuert. Viele Holzteile, die sich nicht mehr restaurieren ließen, wurden in den Jafka-Werkstätten nachgefertigt.

So konnten Jugendliche aus unterschiedlichen Ausbildungsrichtungen in das Projekt involviert werden: Aus der Holzwerkstatt ebenso wie auch angehende Maler und Metallbauer. Der Realitätsbezug sei wichtig für die Ausbildung bei Jafka, sagt Geschäftsführer Jürgen Hartrumpf. Durch reale Aufträge aus der Wirtschaft würden die Jugendlichen – von denen Jafka insgesamt 200 betreut – optimal auf das Berufsleben vorbereitet.

Sie warten noch auf eine Restaurierung: Die Barro-Tretboote wurden ab 1955 gebaut.
Sie warten noch auf eine Restaurierung: Die Barro-Tretboote wurden ab 1955 gebaut. © Bastian Ludwig

Finanziert wurde das Material durch die Well Being Stiftung und den Bootsverleih Ahoi. Unterstützung gab es außerdem von der Firma Polster 7 aus Frielendorf, die die neuen Sitze fertigte. In dem Boot haben zwei Erwachsene und zwei Kinder auf der Rückbank Platz.

Wenn die „Green Duck“ in der nächsten Woche die Tüv-Abnahme besteht, kann sie demnächst beim Ahoi Bootsverleih gegen eine Spende benutzt werden. Die Spenden sollen einem sozialen Zweck zu Gute kommen, sagt Neuner von der Well Being Stiftung.

Zwei weitere historische Aluminiumboote vom Typ „Möwe“ der Firma Barro stehen noch im Lager vom Bootsverleih Ahoi. Neuner kann sich gut vorstellen, dass, sollten sich weitere Spender und Kooperationspartner finden, diese auch noch restauriert werden. (Bastian Ludwig)

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