Pfähle am Ufer erhitzen die Gemüter 

Weiter Rätselraten um Bau eines privaten Bootsliegeplatzes an der Fulda

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Schlauchboot statt Hausboot: An den zwei bereits gesetzten Liegeplatz-Pfählen vor dem Hintergrund der Drahtbrücke haben Unbekannte ein rotes Gummiboot festgemacht. Zwei weitere Pfähle sollen ab nächster Woche in den Ufergrund gesenkt werden.

Unterneustadt. Bei Anwohnern und Stadtteilvertretern in der Unterneustadt herrscht weiterhin Rätselraten um den begonnenen Bau eines Bootsliegeplatzes am Zollmauerpark zwischen der Draht- und der Karl-Branner-Brücke.

Die Arbeiten, hinter denen wie berichtet ein privater Antragsteller steckt, ruhen derzeit und sollen ab kommenden Montag fortgesetzt werden. Ortsvorsteher Joachim Schleißing fordert unterdessen von der Stadt, einen Baustopp zu verhängen und für Aufklärung zu sorgen.

Das Rathaus äußerte sich auch in dieser Woche nicht auf HNA-Anfragen zu dem Projekt und zu Gerüchten, dass die Anlegestelle für ein privates Hausboot geplant sei. Aus städtischen Dienststellen ist inoffiziell zu erfahren, dass mit Hochdruck geprüft werde, welche Rechtsposition die Stadt in dieser Angelegenheit hat. Offenbar wird ein Weg gesucht, wie man aus Genehmigungen, die bereits vor etwa drei Jahren erteilt wurden, wieder herauskommt.

JoachimSchleißing

Darauf angesprochen sagte Ortsvorsteher Schleißing: „Da hat die Abstimmung zwischen den beteiligten Ämtern wohl überhaupt nicht funktioniert.“ Näheres wisse auch der Ortsbeirat nicht. Zu Begehrlichkeiten, Abschnitte des Fuldaufers privat nutzen zu wollen, habe die Stadt „viele Jahre lang eine ganz klare Haltung gehabt“ – nämlich eine ablehnende. Die viel beachtete Wiedergründung der Unterneustadt sei stets ein breit angelegter Planungs- und Beteiligungsprozess gewesen, betonte Schleißing. Diese demokratisch begründete Baugeschichte werde „auf den Kopf gestellt“, wenn nun an prägenden und historisch bedeutsamen Uferabschnitten „fragwürdige“ Privateingriffe zugelassen würden.

Zwei massive und hohe Pfähle wurden bereits ins Ufer vor dem Zollmauerpark gesenkt, Unbekannte haben daran – vielleicht als eine Art Mahnwache – ein rotes Schlauchboot festgemacht. Im Park, der durch den Einsatz schwerer Maschinen erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde, liegen noch zwei weitere Pfähle zum Setzen bereit. Sie sind so dimensioniert, dass an ihrer Reihe ein größeres Fahrgastschiff festmachen könnte.

Klagen über Schäden.

Bei etlichen Stadtteilbewohnern regt sich Unmut über die Aktivitäten der Bauleute. Anwohner Alfons Scheitz sieht sich durch das Vorgehen der Stadt „hintergangen“. Er frage sich, ob die Fulda an dieser Stelle überhaupt auf Kriegsmunition untersucht wurde, bevor die Baufirma Pfähle in den Flussgrund rammte. Dr. Daniela Belhadi beklagt Zerstörungen an der Parkvegetation, die Arbeiten hätten zudem brütende Schwäne vertrieben. „Darf man so im öffentlichen Raum wüten?“, will sie in einem Brief ans Rathaus und ans Regierungspräsidium wissen.

Auskunft will auch der Ortsbeirat haben: Zu dessen nächster Sitzung am 17. Juli „erwarten wir, dass Vertreter der Stadtverwaltung kommen und uns berichten“, sagte Ortsvorsteher Schleißing. Einladen wolle er ebenfalls den privaten Bauherrn des umstrittenen Bootsliegeplatzes.

Von Axel Schwarz

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