Keine Umbenennung

Platz der Deutschen Einheit in Kassel soll erstmal nicht Helmut-Kohl-Platz heißen

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Keine Mehrheit für Umbenennung: Der Platz der Deutschen Einheit soll nach dem Votum des Ortsbeirats Unterneustadt seinen Namen behalten, aber später vielleicht eine Würdigungstafel oder einen Gedenkstein für den Einheitskanzler Helmut Kohl erhalten.

Unterneustadt. Der Platz der Deutschen Einheit wird wohl nicht weiter Gegenstand einer Umbenennungs-Debatte sein. Eine Würdigung für den Einheitskanzler soll es aber dennoch geben.

Im Ortsbeirat Unterneustadt, auf dessen Gebiet der Verkehrsknoten liegt, rückte die CDU jetzt von ihrem Vorstoß ab, den Platz nach dem kürzlich verstorbene Altbundeskanzler Helmut Kohl zu benennen.

Namensvorschläge für Straßen und Plätze liegen grundsätzlich in der Zuständigkeit der Ortsbeiräte. Unter dem Eindruck der Nachricht von Kohls Tod Mitte Juni hatte die Unterneustädter CDU den Vorstoß zu einer Umbenennung des Kreisels gemacht, um Kohls „Leistungen für die Einheit Deutschlands und Europas“ zu würdigen, wie Stadtbezirksverbandschef Thomas Träbing begründete.

Als der Vorschlag nun im Ortsbeirat diskutiert wurde, vertrat eine breite Mehrheit der Stadtteilvertreter die Auffassung, der aktuelle Name „Platz der Deutschen Einheit“ sei von weitergehender Bedeutung als die politische Leistung einer einzelnen Person. Wenn auch Kohl sich zweifellos um die Einheit verdient gemacht habe.

Doch erst „von vielen Mutigen“ sei sie in den letzten Tagen der DDR vollendet worden, argumentierte etwa die grüne Ortsbeirätin Kerstin Linne. Gerhard Böttcher (SPD) wies darauf hin, dass die Benennung des Platzes im Jahr 1958 als Mahnung an die Menschen gedacht gewesen sei, den Einheitsgedanken wach zu halten. Es sei nicht angemessen, dies auf eine einzelne Person zuzuschneiden.

Ganz praktische Kritik übte Zuhörer Günter Wagner an dem „Namens-Ungetüm“, das die CDU für eine Umbenennung vorgeschlagen hatte: Die Bezeichnung „Helmut-Kohl-Platz der Deutschen Einheit“ funktioniere im Alltagsgebrauch nicht. Da müsse man sich schon entscheiden, den Platz umzubenennen oder den bisherigen Namen zu behalten.

Wenn es nicht zu einer Umbenennung komme, werde die CDU „keine Mahnwachen“ abhalten, deutete CDU-Stadtteilvertreter Marcus Leitschuh schon vor der Abstimmung an, dass seine Partei auch mit einer anderen Würdigung Kohls einverstanden wäre. Im Stadtparlament hat die CDU-Fraktion parallel beantragt, dafür zügig eine geeignete Straße, einen Platz oder auch ein öffentliches Gebäude im Stadtgebiet zu finden. Andererseits: Auf den Platz der Deutschen Einheit „gehört der Mann irgendwie hin“, meinte Ortsvorsteher Joachim Schleißing (Grüne). Er formulierte einen Kompromissvorschlag, der am Ende mit großer Mehrheit verabschiedet wurde: Wenn der Große Kreisel irgendwann in den nächsten Jahren neu gestaltet wird, soll dort eine Tafel, ein Gedenkstein oder Ähnliches aufgestellt werden, um an Kohls Verdienste um die deutsche Vereinigung zu erinnern.

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