Umbaupläne werden konkreter

Platz der deutschen Einheit: Stadt will Kreuzung statt Kreisel

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Maroder Unfallschwerpunkt: Mit 70 000 Autos am Tag ist der Platz der Deutschen Einheit einer der am stärksten belasteten Knotenpunkte. Die Polizei zählt jährlich 125 Unfälle.

Kassel. Die Umbaupläne für den Platz der Deutschen Einheit werden konkreter. Aus dem Großen Kreisel in der Unterneustadt könnte eine große Kreuzung werden.

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) und der stellvertretende Leiter des Straßenverkehrsamts, Heiko Lehmkuhl, betonten am Mittwoch im Ausschuss für Stadtentwicklung, dass sie den Umbau des Kreisels zu einer Kreuzung vorantreiben wollen. Grundlage ihrer Entscheidung sind zwei von der Stadt beauftragte Gutachten zur zukünftigen Verkehrssituation am Kreisel.

Noch ist keine politische Entscheidung gefallen, aber nach einem Vergleich dreier Varianten favorisiert das Baudezernat die Kreuzung und den Wegfall der Fußgängerunterführungen (Grafik). Fußgänger und Radfahrer sollen die Kreuzung oberirdisch queren. „Wir erhoffen eine baldige Entscheidung, damit die Planungen starten können“, sagte Lehmkuhl.

Geld für einen Planungsauftrag steht bereits im Haushalt. Nolda ergänzte, dass das Land positive Signale für eine Förderung gegeben habe. Doch zunächst müssen die Stadtverordneten einen Beschluss fassen. Nach den Berechnungen der Gutachter, die den geplanten Wegfall des Autobahnanschlusses Kassel-Ost und die Fertigstellung der A 44 berücksichtigen, würde eine Kreuzung im Vergleich zum Status quo nur zu einem leicht verbesserten Verkehrsfluss führen. Sie wäre mit 10,8 Mio. Euro – die Stadt müsste drei Mio. Euro zahlen, den Rest das Land – günstiger als andere Varianten.

Zu den anderen Optionen zählte zum einen die Erneuerung des Kreisels, der dann aber vollständig mit Ampeln bestückt werden sollte. Diese Variante verfolgt die Stadt nicht weiter. Ein Kreisel lasse sich nicht ohne Weiteres barrierefrei gestalten und sei zudem nicht flexibel genug, um wechselnden Verkehrsströmen gerecht zu werden, sagte Nolda. Er wurde darin von dem anwesenden Gutachter Dr. Lothar Bondzio unterstützt. Kreisel in dieser Größenordnung würden heute auch nicht mehr gebaut.

Weiterhin im Rennen ist der Bau einer Brücke, mit der die B 83 über die Leipziger Straße geführt werden könnte. Ein solcher Umbau würde etwa 21,5 Mio. Euro kosten, der Anteil der Stadt läge bei sechs Mio. Euro. Mit einem solchen Umbau, so die Gutachter, würden die Autos doppelt so schnell über den Knoten kommen wie bislang. Die höheren Kosten und die Probleme mit dem Hochwasserschutz, die durch das Bauwerk in der Flutmulde entstünden, sprächen gegen diese Lösung, sagte Nolda. Zudem werde Kassels Bevölkerung nach Zahlen des Statistischen Landesamtes ab 2025 sinken.

Wann eine Entscheidung fällt, ist unklar. Lehmkuhl sagte aber, die provisorisch erneuerte Asphaltdecke halte nicht mehr viele Winter. Aus CDU und FDP kam bereits Kritik. Die Stadt solle nicht an der falschen Stelle sparen. Wenn es Stau auf den Autobahnen gebe, sei der Kreisel als Ausweichstrecke stark belastet.

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