Anwalt kündigt weiteres Belastungsmaterial an

Sanitäter schlägt gefesselten Mann: Gab es noch mehr Prügel?

Geschäftshaus Leipziger Str. 37 in Kassel am Platz der Deutschen Einheit, von der Stadt Kassel als Flüchtlingsunterkunft angemietet
+
Hier hat sich der Vorfall abgespielt: Das Glashaus links am Großen Kreisel ist von der Stadt Kassel als Flüchtlingsunterkunft angemietet.

Ein Video aus Kassel zeigt, wie ein Sanitäter einen gefesselten Mann schlägt. Der Anwalt des 32-Jährigen sagt, es gebe Indizien für weitere Übergriffe gegen den Wehrlosen.

Kassel – Ein Sanitäter schlägt einen Flüchtling, der wehrlos auf einer Trage fixiert ist, während Polizisten untätig daneben stehen – in dem bundesweit heiß diskutierten Fall aus einer Kasseler Flüchtlingsunterkunft hat der Anwalt des betroffenen Syrers, Adnan Aykac, gegenüber der HNA weiteres Belastungsmaterial angekündigt.

„Uns liegen Hinweise vor, dass mein Mandant während des Einsatzes auch im Rettungswagen geschlagen worden sein könnte“, sagte der Hamburger Jurist. Im Bericht zu dem Einsatz am 8. November 2020 hatte die Polizei mitgeteilt, der betrunkene 32-Jährige habe im Rettungswagen um sich getreten und einen Sanitäter sowie einen Polizisten getroffen. Der sei dadurch aus dem Fahrzeug gestoßen worden.

Aykac sagte, er habe seit Kurzem weiteres Videomaterial aus der Tatnacht vorliegen, das aber noch nicht vollständig gesichtet und bewertet sei. Ob sich der Verdacht weiterer Übergriffe gegen den Gefesselten erhärte, sei noch zu prüfen. Die Polizei äußerte sich dazu am Sonntag (14.3.2021) auf HNA-Anfrage nicht.

Doch wie sieht die Vorgeschichte zu dem Fall aus? Aus dem Überwachungsvideo zeigt die Bild-Zeitung nur eine kurze Sequenz mit dem Faustschlag. Der Anwalt geht dazu nicht ins Detail: Der 32-Jährige habe die Einsatzkräfte angespuckt, „viel mehr sieht man da nicht“. Zudem soll „ein Feuerlöscher zum Einsatz gekommen“ sein.

Was die Reaktion des Sanitäters betrifft, sehe er „keine Anhaltspunkte für Fremdenfeindlichkeit“, stellte Adnan Aykac klar. „Das kann durchaus eine Überreaktion gewesen sein, die Leute haben ja einen schweren Job. Aber entscheidend ist hier das Verhalten der Polizei.“

Er sei „schockiert“, dass der Vorfall zunächst offenbar mit der Erwartung einer Verfahrenseinstellung gehandhabt worden sei – auch der Anwalt des Sanitäters würde diesen Kurs verfolgen, wo „eigentlich Reue und eine Entschuldigung“ geboten wären, sagt Aykac. „Die Sache wäre nie so hochgekocht, wenn die Polizei anders reagiert hätte.“

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten dem Vertuschungsvorwurf des Juristen umgehend widersprochen. Die Attacke des Sanitäters sei von den Beamten in ihrem Einsatzbericht dokumentiert worden, gleich nach dem Vorfall seien Ermittlungen aufgenommen worden, hieß es. Das Verhalten der Polizisten sei unakzeptabel, gegen sie würden disziplinarische Konsequenzen geprüft.

Gegenüber der HNA berichtete der Hamburger Anwalt von einer Flut von Medienanfragen und von zahlreichen Hassmails „aus der rechten Ecke“, die er wegen des Vorfalls in Kassel erhalte. Sein Mandant lebe nach wie vor im Raum Kassel, allerdings seit mehreren Monaten nicht mehr in der Unterkunft am Platz der Deutschen Einheit. Der Jurist schirmt den 32-Jährigen ab: „Ich muss ihn vor dem Medienandrang bewahren, alle wollen ihn natürlich sprechen.“ (Axel Schwarz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.