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Senioren fühlen sich abgeschnitten: Schranke sperrt Alltagshelfer aus

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Von: Axel Schwarz

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Kassel Unterneustadt Mieter in der GWH Wohnanlage an der Wallstraße haben Probleme mit neuer Schranke, die wegen Problemen mit Fremdparkern das Gelände absperrt.
Keine Einfahrt für Pflegedienste und Alltagshelfer: Mit der neuen Schranken-Absperrung der weitläufigen Wohnanlage der GWH an der Wallstraße haben vor allem die vielen älteren Bewohner Probleme. © Axel Schwarz

Eine neue Maßnahme gegen Fremdparker in der GWG-Wohnanlage an der Wallstraße (Unterneustadt) bringt Probleme für Mieter mit sich: Viele fühlen sich von Alltagshelfern abgeschnitten.

Kassel – In innenstadtnahen Bereichen wie der Unterneustadt ist es ein leidiges Problem: Zahlreiche auswärtige Fahrer stellen ihre Autos auf Parkflächen ab, die für Anwohner reserviert sind, um den ganzen Tag kostenfrei parken zu können – so auch auf dem weitläufigen Gelände der GWH-Wohnanlage an der Wallstraße nahe der Stadtschleuse.

Um das Fremdparker-Problem in den Griff zu bekommen, hat die Wohnungsbaugesellschaft jetzt zu technischen Mitteln gegriffen. Nachdem jede der 60 bisher kostenlosen Parkflächen nummeriert und für 25 Euro Monatsmiete an Bewohner vergeben wurde, ist die Zufahrt von der Waisenhausstraße her mit einer Schranke versperrt, die die Berechtigten mit einer Codekarte öffnen können. Von der Salztorstraße gibt es jetzt keine zweite Zufahrt mehr, sie wurde mit großen Steinen blockiert.

Aus Sicht der Bewohner hat das aber keinesfalls zu einer Entspannung der Lage, sondern im Gegenteil zu etlichen neuen Problemen geführt, unter denen vor allem die vielen älteren Bewohner der Anlage zu leiden hätten.

So kann sich Patricia Splitter nicht mehr darauf verlassen, dass ihre 85-jährige Mutter Helga Heicke vom Fahrdienst einer Tagespflege abgeholt wird, wenn Splitter bereits zur Arbeit aufgebrochen ist. „Meine Mutter schafft den Weg zur Schranke nicht allein“, sagt sie: „Ich muss zu Hause sein, um dem Fahrer die Schranke zu öffnen – oder ich muss meine Mutter gleich selber fahren.“

Anwohnerin Claudia Wirth wartet neuerdings häufig vergeblich auf Sendungen von Lieferdiensten. Sie bekomme dann Mails, dass Pakete angeblich nicht zugestellt werden konnten. „Dabei war ich die ganze Zeit zu Hause“, sagt sie. Während Paketboten die Schranke offenbar als Ausrede gegen längere Fußwege nutzen, würden andere Lieferanten und Handwerker ihre Fahrzeuge oft kurzerhand direkt vor der Schranke abstellen – „dann kommt erst mal keiner rein und raus.“

Wer eine größere Anlieferung erwarte, müsse zuvor bei der GWH Bescheid sagen. Dann bleibe die Schranke am betreffenden Tag offen – mit der Folge, dass dann sofort doch wieder Unbefugte auf dem Gelände parken.

Immer wieder gibt es laut den Anwohnern Probleme, wenn Angehörige oder Getränkehändler mit Besorgungen für alte Menschen kämen. Die allgemeine Sorge: Was ist, wenn ein Krankenwagen oder die Feuerwehr kommen muss? Erst an den Weihnachtstagen habe es einen solchen Notfall gegeben, berichtet Dagmar Scharkopf: „Da war die Schranke zum Glück zufällig offen.“

Die Bewohner würden sich wünschen, dass das Fremdparker-Problem anders gelöst wird. „Am besten wären direkt auf den Parkflächen umklappbare Pfosten, für die die Mieter jeweils einen Schlüssel haben“, sagt Patricia Splitter. So könne die Zufahrt auf das Gelände frei bleiben.

Mit so einer Lösung kann sich die GWH laut dem zuständigen Geschäftsstellenleiter Henry Jäger aber wenig anfreunden. Solche Klappbügel gingen erfahrungsgemäß ständig kaputt, sie würden angefahren und dann klemmen oder im Winter vereisen. Die Anfälligkeit und der Reparaturaufwand seien immens. „Damit wären die Leute auch nicht besser dran.“

Jäger verweist darauf, dass die Sperrung der Parkflächen für Unbefugte „auf Wunsch unserer Mieter“ veranlasst worden sei, nachdem es viele Beschwerden über Fremdparker gegeben habe. Per Rundschreiben habe die GWH dann zeitig über die geplante Schranken-Lösung informiert. Einwände habe es daraufhin nicht gegeben.

In einem Punkt könne er die Anwohner beruhigen, so Jäger: Rettungs- und andere Einsatzwagen seien „so ausgestattet, dass sie trotz Schranke auf das Gelände fahren können“. Solche Bedingungen würden auch an vielen anderen Orten in Kassel bestehen.

Und was die anderen Kritikpunkte der Bewohner betrifft: „Wir werden uns das anschauen, spezielle Probleme abfragen und dafür Einzellösungen finden“, stellte der GWH-Geschäftsstellenleiter in Aussicht. Zum Beispiel könnten Schranken-Zweitkarten an Betreuer von alten Menschen ausgegeben werden. (Axel Schwarz)

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