Interview mit Alexander Lorch von der Wasserschutzpolizei

Viele kennen die Regeln nicht: Über die Gefahren des Stand-up-Paddelns

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Sind begeistert: Margita Fischer und Andrea Clever (im Hintergrund) beide aus Espenau machen auf der Fulda den Stand-Up-Paddling-Kurs von Trainer Harry Kögl vom Verein Kanu-Sport-Kassel mit.

Kassel. Stand-up-Paddeln erfreut sich auch in Kassel immer größerer Beliebtheit. Vielen sind allerdings die Verkehrsregeln unbekannt. 

In großer Zahl fahren mittlerweile viele Sportler gerade in den Morgen- und Abendstunden mit ihren Brettern auf der Fulda. Alexander Lorch von der Wasserschutzpolizei spricht im Interview über die Regeln auf einer Bundeswasserstraße und warum Schwimmer und Stand-up-Paddler zum Problem werden können.

Herr Lorch, fahren viele Stand-up-Paddler auf ihren Boards, ohne sich vorher ausreichend zu informieren?

Alexander Lorch: Das ist in der Tat so. Vielen Hobbysportlern ist nicht bewusst, dass die Fulda eine Bundeswasserstraße ist und deshalb auf dem Fluss Verkehrsregeln gelten. Auffällig war es zum Beispiel während des Zissels. Da sind die Paddler bei den Wasserski-Shows in die Sperrstrecken gefahren, obwohl die mit rot-weiß-roten Schildern abgesperrt waren.

Welche Verkehrsregeln gilt es beim Stand-Up-Paddeln auf der Fulda zu beachten?

Lorch: Stand-up-Paddel-Boards gelten in der Verkehrsordnung der Bundeswasserstraßen als Fahrzeuge. Für diese muskelbetriebenen Kleinfahrzeuge gelten Ausweichpflichten. Die Boards werden genauso behandelt wie Ruder- oder Paddelboote. Damit gelten auch diese Vorschriften, die die Beleuchtung betreffen. Bei nächtlichem Betrieb ist eine Beleuchtung verpflichtend – ein weißes Rundum-Licht ist ausreichend. Ebenso gilt auch auf dem Stand-up-Paddel-Boards die 0,5 Promillegrenze.

Was droht dem, der sich nicht daran hält?

Lorch: Wer sein Boot in der Dunkelheit nicht beleuchtet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einer Geldbuße von bis zu 55 Euro rechnen. Gleiches gilt fürs Fahren unter Alkoholeinfluss. Hier drohen Bußgelder von bis zu 350 Euro.

Wie sieht es aus mit der Kennzeichnung?

Lorch: Da genießen Stand-up-Paddel-Boards und Surfbretter aktuell noch einen Vorteil. Nämlich, dass sie keine Kennzeichnung brauchen – im Gegensatz zu anderen Booten. Der Nachteil liegt darin, dass man im Fall eines Unfalls nicht nachvollziehen kann, wem das Board zuzuordnen ist.

Was unterscheidet ein Stand-up-Paddel-Board von einer Luftmatratze?

Lorch: Eine Luftmatratze ist im Gegensatz zu den Boards eine Schwimmhilfe. Das ist im Einzelfall nicht ganz einfach, wenn man auf Boards liegt und mit den Armen paddelt, ist es eine Schwimmhilfe. Wenn man draufsteht und ein Paddel in der Hand hat, ist es ein Wasserfahrzeug.

Was passiert, wenn ein Stand-up-Paddel-Board auf ein Boot trifft?

Lorch: Da hängt es dann davon ab, wie manövrierfähig die Boote untereinander sind. Motorboote müssen den Stand-up-Paddel-Boards, aber auch Paddel- und Ruderbooten ausweichen. Bei zwei Paddelbooten muss jedes seinen Kurs nach Steuerboard, also nach rechts ausrichten, damit es nicht zum Zusammenstoß kommt. Segelbooten allerdings müssen die Paddler – also auch die Stand-up-Paddel-Boards – ausweichen, weil die vom Wind abhängig und deshalb schwerer zu steuern sind. Immer Vorfahrt hat die Berufsschifffahrt – also Fahrgastschiffe. Bei gleichen Booten gilt: Wenn Boote aufeinander zufahren, nach rechts ausweichen. Wenn sich die Kurse kreuzen, dann rechts vor links.

Wo darf man mit den Stand-up-Paddel-Boards einsteigen?

Lorch:Grundsätzlich kann man überall da ins Wasser gehen, wo es nicht verboten ist. Verboten ist es auf gesperrten Streckenabschnitten – an Wehren beispielsweise. Die rot-weiß-roten allgemeinen Sperrzeichen verbieten an diesen Stellen das Befahren für alle Fahrzeuge. Auch auf privaten Grundstücken ist das Einsetzen verboten oder an Ufern, die dadurch beschädigt würden. An Steganlagen, die nicht öffentlich sind, muss geklärt werden, ob ein Benutzen möglich ist.

Für wen sind Stand-up-Paddel-Boards und Schwimmer ein Problem?

Lorch:Für die Rudervereine werden Schwimmer und Stand-up-Paddel-Boards zum Problem, weil die oft sehr langsam und schwerfällig unterwegs sind und damit zum Hindernis beim Training werden.

In diesem Jahr wird die Fulda extrem stark von Schwimmern genutzt. Die Rudervereine können auch nicht ausweichen, weil sie an ihre Bootshäuser gebunden sind. Schwimmer glauben, dass die Boote einfach um sie herumfahren können, aber so ist es eben nicht.

Zur Person: Alexander Lorch (53) ist Polizeihauptkommissar und Leiter der Wasserschutzpolizei Kassel. Bei der Wasserschutzpolizei ist er seit 1987. Lorch lebt in Fuldatal.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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