Aus der Stadtgeschichte

Willi-Seidel-Haus war Jugend-Treff der Kasseler

Tanzvergnügen vermutlich Ende der 1950er-Jahre: Das Haus der Jugend war ein beliebter Treffpunkt.

Kassel. Vor 60 Jahren wurde das Haus der Jugend, das heutige Willi-Seidel-Haus, eröffnet. Generationen von Kasselern haben hier viele Stunden ihrer Jugend verbracht. Viele Lebensgeschichten, wie die von Gerhard und Erika Böttcher, sind mit dem Haus verbunden.

Gerhard Böttcher war 14 Jahre alt, als er 1955 das erste Mal insHaus der Jugend an der Fulda kam. Damals wusste er noch nicht, dass er hier einmal seine spätere Frau Erika kennenlernen würde. Inzwischen sind die Beiden seit 49 Jahren verheiratet, haben zwei Kinder und drei Enkelkinder.

„Es müssen damals Dutzende gewesen sein, die im Haus der Jugend zusammenfanden“, sagt Gerhard Böttcher, „ob die alle geheiratet haben, weiß ich natürlich nicht.“ Das Haus der Jugend war damals für viele junge Leute der Lebensmittelpunkt. Es gab verschiedene Clubs, an jedem Wochentag einen. Wenn man dazu gehörte, war man schon etwas Besonderes, erinnert sich der 72-Jährige. Die Clubangehörigen hatten die Hausgewalt an „ihrem“ Tag, sorgten für Organisation und Ordnung. Man traf sich zum Spielen, zum Sport oder zum Tanzen.

Gerhard Böttcher gehörte auch dem Jugendfilmclub, dem Vorläufer des Kommunalen Kinos, und dem deutsch-amerikanischen Freundschaftsclub an. Bei einem der Feste mit Amerikanern und Deutschen im Jahr 1961 traf der junge Mann, der damals noch an der Weserspitze wohnte, seine spätere Frau Erika, die eigentlich im Anne-Frank-Heim in Rothenditmold zuhause war.

Gemeinsam erlebten sie hier große Feste, Tanzvergnügen, Jugendbälle und große Karnevalsfeiern, bei denen eine große Rutsche vom zweiten Stock bis ins Parterre aufgebaut wurde. Den Gastronomen der Stadt war das rege Treiben an der Fulda ein Dorn im Auge, sagt Böttcher, der das Haus später als langjähriger Ortsvorsteher der Unterneustadt begleitete. Dort sei übrigens auch die legendäre Riverboatshuffle auf dem Dampfer Elsa entstanden. Und die bekannte Rock and Roll-Band „Acht Töne“ wurde hier gegründet. Man traf sich eben im Haus der Jugend „Es gab ja damals noch keine Disco“, sagt Erika Böttcher.

Von Martina Heise-Thonicke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.