Verdacht der Strafvereitelung

Unterschlupf für Mörder: Ermittlungen gegen 23-jährigen Kasseler

Grausiger Fund am Elsterflutbecken in Leipzig: Im November 2011 fand ein Pilzesammler Teile einer Leiche am Wasser. Der mutmaßliche Mörder wurde im April 2012 in der Wohnung eines Kasselers festgenommen. Archivfoto: Leipziger Volkszeitung/nh

Kassel/Leipzig. Hat ein 23-Jähriger aus Kassel wissentlich einem gesuchten Mörder Unterschlupf geboten? Die Leipziger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den jungen Mann aus dem Stadtteil Wesertor wegen des Verdachts der Strafvereitelung.

In seiner Wohnung war im April ein 23-Jähriger festgenommen worden, der in Leipzig einen jungen Mann getötet und die Leiche zerstückelt haben soll.

Aussage verweigert

Gegen den mutmaßlichen Mörder Benjamin H. läuft derzeit ein Prozess am Leipziger Landgericht. Die Anklage lautet auf Vergewaltigung, schwere Körperverletzung, Mord und Störung der Totenruhe. Der Kasseler, in dessen Wohnung der damals polizeilich gesuchte Benjamin H. gefasst worden war, war vor wenigen Tagen als Zeuge nach Leipzig geladen. Er verweigerte die Aussage, da er sich sonst in dem gegen ihn laufenden Verfahren wegen Strafvereitelung selbst belasten könnte.

Auf freiem Fuß

Ob es gegen den 23-jährigen Kasseler, der auf freiem Fuß ist, tatsächlich zu einer Anklage kommt, sei noch offen, sagte Ricardo Schulz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig, auf Anfrage der HNA. Der Tatbestand der Strafvereitelung setze voraus, dass eine Person absichtlich verhindere, dass ein Täter bestraft wird. Wenn man einen Täter versteckt oder Fluchthilfe leistet, kann das der Fall sein.

Wie lange sich der mit Haftbefehl gesuchte Benjamin H., nach dem seit März 2012 öffentlich gefahndet wurde, schon in Kassel aufhielt, ist nicht bekannt. Untergetaucht war der mutmaßliche Mörder bereits Ende 2011. Schon Anfang 2012 war der 23-jährige Kasseler während der Fahndung nach Benjamin H. überprüft worden. Die Polizei wusste, dass er ein Bekannter des Tatverdächtigen war. Offenbar hatten sich die beiden jungen Männer im Internet kennengelernt. Damals gab es aber anscheinend keine Hinweise, dass sich der mutmaßliche Mörder in Kassel aufhielt. Am 12. April wurde Benjamin H. dann von einem Spezialeinsatzkommando in der Wohnung im Wesertor festgenommen. Der 23-jährige Kasseler war zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause.

Nach unbestätigten Medienberichten hatten die Ermittler bei der Festnahme in Kassel auch ein Diktiergerät gefunden, auf dem Benjamin H. Abläufe seiner grausamen Tat schildert.

Ans Licht gekommen war der Fall im November vorigen Jahres, als Leichenteile im Elsterflutbecken in Leipzig gefunden wurden. Mit einer DNA-Analyse klärte die Polizei die Identität des Toten: Jonathan H. (23) aus Leipzig war ein Manga-Fan, er begeisterte sich für japanische Comics. Als Tatverdächtigen ermittelte die Polizei Benjamin H., der zum engeren Umfeld des Opfers gehörte. (rud)

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