Rückhalt für Bergpark-Gastronomie

Unterschriftenaktion für Erhalt des Schloss-Cafés - MHK-Chef bleibt stumm

Sie will mit ihrem Mann weiterkämpfen: Schloss-Café-Pächterin Astrid El Ahl mit den Unterschriftenlisten für den Erhalt der jetzigen Café-Leitung. Fotos: Ludwig

Kassel. Der Kaffeeklatsch im Schloss-Café kreist momentan nur um ein Thema: Der zu Ende September drohende Rauswurf der Pächter Astrid und Mahmoud El Ahl, die den Betrieb seit 37 Jahren führen. Und über den Schuldigen waren sich die Gäste gestern im Café auch einig.

Der Verpächter, die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), die derzeit im Rechtsstreit mit den El Ahls liegt.

Viele langjährige Gäste befürchten, dass man ihnen ein familiär geführtes Café wegnehmen will, um eine unpersönliche Systemgastronomie zu eröffnen.

Der jüngste Vorfall löst bei den Café-Besuchern nur Kopfschütteln aus. „Total unmöglich“, findet Marianne Liedtke. Die Kasselerin spielt damit darauf an, dass Bergparkbesucher von der MHK falsch informiert wurden. Im Besucherzentrum wurde ihnen tagelang die Auskunft erteilt, das Schlosscafé habe dauerhaft geschlossen (HNA berichtete).

Die MHK sprach auf HNA-Anfrage von einer einzelnen, falsch informierten Mitarbeiterin. Heute nun entschuldigte sich die MHK-Pressesprecherin Natascha Callebaut dafür: „Das ist definitiv sehr unglücklich gelaufen. Nach unserem Umgang mit den Pächtern möchten wir unser Bedauern zum Ausdruck bringen.“ Eine persönliche Entschuldigung bei den El Ahls sollte es aber nicht geben. Grund: Der MHK-Chef Prof. Bernd Küster sei, wie auch seine Vertreter, nicht im Haus.

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Auch für telefonische Nachfragen zum Verhalten der MHK gegenüber den langjährigen Pächtern stand Küster am Donnerstag nicht zur Verfügung. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Direktor zur kritischen Themen nicht zu Wort meldet oder diese herunterspielt. Zuletzt etwa beim Autochaos im Bergpark.

Die beiden Café-Besucherinnen Ingrid Walter und Helga Lannatowitz fragen sich, was die Hintergründe dafür sind, dass die MHK nach so vielen Jahrzehnten ihre Pächter loswerden will. Sicherlich stünden schon andere Gastronomen in den Startlöchern.

Viele Gäste erinnern sich noch, wie die MHK Ende 2007 das Restaurant „Zum Ägypter“ im Fridericianum, das ebenfalls von den El Ahls betrieben wurde, geschlossen hatte. Damals lautete die Begründung, Haustechnik solle in den Räumen eingebaut werden. Wie sich herausstellte, wurde der Raum nur als Lager genutzt.

Diesmal lautet die Begründung, man habe sich nicht auf ein gastronomisches Konzept einigen können. Das kann Ingrid Peter, eine der Stammgäste, nicht verstehen: „Das normale Volk will das Schloss-Café und keine Gastronomie mit anonymer Bedienung.“

So wie Peter denken viele und deshalb haben bereits Hunderte auf einer Unterschriftenliste für den Erhalt der jetzigen Café-Leitung unterzeichnet. Solidarität erfahren die El Ahls aber nicht nur von den Gästen. Auch die Mitarbeiter halten ihnen die Stange - trotz der unsicheren Situation.

Hintergrund: Bis Dienstag fällt eine Entscheidung

Die El Ahls und die MHK führen derzeit einen Rechtsstreit um die Gültigkeit ihres Pachtvertrages. Aus Sicht der MHK ist dieser Ende 2013 abgelaufen. Die El Ahls berufen sich auf anderslautende Absprachen in der Vergangenheit. In erster Instanz waren die El Ahls vor dem Landgericht unterlegen. Daraufhin hatten sie Berufung eingelegt. Bis Dienstag will das Oberlandesgericht entscheiden, ob die El Ahls ab Oktober zwangsgeräumt werden dürfen oder nicht. (bal)

Von Bastian Ludwig

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