Ex-Chef der Zwehrener Handballer war bereits verurteilt worden

Untreue-Vorwurf in Zwehren: Jetzt ein Millionen-Schaden?

Kassel. Der Skandal um den früheren Vorsitzenden des Kasseler Handballvereins HSG Zwehren, Mario D., weitet sich aus: Der Kasseler Rechtsanwalt Thorsten Kulle beziffert den Schaden, den der Versicherungsvertreter D. bei seinen Kunden angerichtet haben soll, auf mittlerweile über eine Million Euro.

Kulle vertritt nun 24 Geschädigte, die inzwischen Anzeige gegen Mario D. erstattet haben. Vor gut einer Woche lag die Schadenssumme noch bei 700 000 Euro, Thorsten Kulle vertrat zwölf Opfer.

Die Dunkelziffer der Geschädigten könnte noch größer sein. Thorsten Kulle vermutet, dass sich weitere Opfer andere Anwälte gesucht haben. Wieder andere trauten sich offenbar nicht, juristische Hilfe zu suchen. Ihnen scheint es peinlich zu sein, dass sie übers Ohr gehauen wurden.

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700.000 Euro Schaden: Ermittlungen gegen Ex-Vereinschef

Die Ermittlungen der Kasseler Staatsanwaltschaft gegen Mario D. wegen Untreue laufen auf Hochtouren. „Wir sind mittendrin“, sagte gestern Staatsanwalt Dr. Götz Wied. Der 39-Jährige soll Kunden, darunter auch Vereinsmitglieder, bei Versicherungsverträgen, Baufinanzierungen und Anlagen um ihr Geld gebracht haben.

Bei Kapitalanlagen soll Mario D. Fantasie-Zinssätze bis zu sieben Prozent versprochen haben. Das ihm anvertraute Geld habe er aber nicht angelegt und den Kunden gefälschte Kontoauszüge präsentiert. Unterdessen wurde bekannt, dass Mario D. auch in Dortmund einschlägig von sich reden machte. Die Dortmunder Staatsanwaltschaft bestätigte HNA-Informationen, wonach es gegen Mario D. vor etwa zwölf Jahren auch dort ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gab. Das Verfahren endete mit einer Strafe für Mario D.

Die Vollstreckung der Strafe sei inzwischen abgeschlossen, heißt es bei der Dortmunder Staatsanwaltschaft: „Für uns ist die Sache seit 2005 erledigt.“ Aus Datenschutzgründen dürfe man daher nichts Näheres sagen.

Hintergrund: Nicht immer im Führungszeugnis

Den Handballern der HSG Zwehren konnte Mario D. trotz seiner Strafe in Dortmund möglicherweise eine weiße Weste präsentieren - denn nicht jede Stafe muss in einem Führungszeugnis vermerkt sein. Nur Vorstrafen über 90 Tagessätze bei Geldstrafen oder über drei Monate Gefängnis werden im Führungszeugnis vermerkt.

Und das auch nicht für immer: Je nach Straftat werden die Strafen aus dem Strafregister nach einer bestimmten Frist gelöscht. Bei Diebstahl beträgt diese sogenannte Tilgungsfrist zum Beispiel fünf Jahre. Danach erscheint die Verurteilung - außer im internen Justizcomputer - nirgendwo mehr.

Von Frank Thonicke

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