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Sexismus-Vorwürfe gegen „Layla“: Auch in Kassel spaltet der Ballermann-Hit die Gemüter

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Von: Matthias Lohr

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Hier wurde „Layla“ gespielt: Beim Landestag der Jungen Union Anfang Juni in Baunatal begrüßte der hessische Vorsitzende Sebastian Sommer (links) erst Ministerpräsident Boris Rhein. Am Ende klatschte der Parteinachwuchs zu dem Ballermann-Hit.
Hier wurde „Layla“ gespielt: Beim Landestag der Jungen Union Anfang Juni in Baunatal begrüßte der hessische Vorsitzende Sebastian Sommer (links) erst Ministerpräsident Boris Rhein. Am Ende klatschte der Parteinachwuchs zu dem Ballermann-Hit. © Andreas Fischer

Auf einem Volksfest in Würzburg soll der Song „Layla“ nicht gespielt werden. Bei der Jungen Union Kassel versteht man den Sexismus-Vorwurf nicht.

Kassel – Für das Volksfest, das deutschlandweit derzeit die größten Schlagzeilen macht, hat Maximilian Schäfer keine Zeit. Der Vorsitzende der Jungen Union Kassel studiert in Würzburg Jura. Weil demnächst vier wichtige Klausuren anstehen, war der 19-Jährige nur einmal kurz auf dem Kiliani-Volksfest, über das gerade auch außerhalb Frankens viele reden.

Auf der zweiwöchigen Party darf der unter Sexismus-Verdacht stehende Ballermann-Hit „Layla“ nicht gespielt werden. Die Stadt hatte den Festzeltbetreiber darum gebeten. Auch auf der anstehenden Kirmes in Düsseldorf soll das Lied von DJ Robin und Schürze nicht zur Aufführung kommen, wie der veranstaltende Schützenverein St. Sebastianus entschied.

JU Kassel über „Layla“: „Sexistisch ist das Lied nicht“

In dem Stück heißt es: „Ich hab’ nen Puff und meine Puffmama heißt Layla. Sie ist schöner, jünger, geiler (...) Die schöne Layla, die geile Layla. Das Luder Layla, unsre Layla.“ Für einen Ballermann-Hit keine ungewöhnlichen Zeilen. Der Kasseler Nachwuchspolitiker Schäfer kann die Aufregung daher nicht verstehen: „Die Geschmäcker sind verschieden, aber sexistisch ist das Lied nicht.“

In der Jungen Union ist der Song längst ein Hit. Anfang Juni wurde er zum Abschluss des Landestags in der Baunataler Stadthalle gespielt. Der Landesvorsitzende Sebastian Sommer stand dazu mit vielen anderen Mitgliedern klatschend auf der Bühne. Es folgte ein Shitstorm im Netz.

Nun ist die Aufregung größer. Für viele ist das Würzburger Verbot Zensur. Schäfer findet, dass mit der Entscheidung eine Grenze überschritten worden sei. Bei anderen Liedern wie dem „Donaulied“, in dem ein Mann ein schlafendes Mädchen vergewaltigt, sei ein Verbot berechtigt. Aber mit dem „Layla“-Bann „schreckt man einen großen Teil der Bevölkerung ab. Das Lied steht auf Platz eins der Charts.“

Grüne Jugend in Kassel versteht „Layla“-Verbot

Dagegen hat die Grüne Jugend Verständnis für die Entscheidung aus Würzburg. „Auf städtischen Festen sollte man darauf achten, dass keine sexistischen Lieder gespielt werden“, sagt Clara Bühl: „Das ist keine Zensur.“

Auch bei heimischen Festveranstaltern wird über die Debatte diskutiert, in die sich sogar Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) eingeschaltet hat mit dem Hinweis, dass ein behördliches Verbot zu viel sei. Sönke van der Werf von der Wehlheider Kirmes gesteht, dass er über das Thema nachgedacht habe: „Wir müssen das intern klären.“ Van der Werf gibt zu bedenken, dass es vor allem im Hip-Hop noch viel explizitere Texte gibt: „Ich weiß nicht, wo man anfangen und aufhören soll.“

Bei der Stadt Kassel wollte man sich zu dem Fall gar nicht äußern. Auch vom Zissel gab es noch kein Statement. Man müsse sich noch mit Kassel Marketing abstimmen. (Matthias Lohr)

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