Neues Pils für Gaststätten mit Verspätung

„Ur Casseler Actienbier“ soll im August auf den Markt kommen

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Wollen ein neues Bier auf den Markt bringen: Sven Gabriel (von links), Peter Braun und Peter Hochhuth wollen ab August das Premium-Pils verkaufen.

Kassel. Im August soll es nun so weit sein: Die Gastronomen Peter Hochhuth und Sven Gabriel sowie Peter Braun (früher Martini-Brauerei) wollen ein neues Bier in Kassel auf den Markt bringen.

Zwar wird das „Ur Casseler Actienbier“ in Holzminden gebraut, soll aber durch Etikett, Namen und Aufmachung an eine Tradition in Kassel anknüpfen. „Wir erinnern an die Hessische Actien-Brauerei Wehlheiden, die es dort bis 1912 gab“, sagt Braun.

Das mild-würzige Premium-Pils werde nach einem alten regionalen Rezept gebraut. Für das Etikett wurde ein Gemälde des Malers Ernst Metz aus dem Jahr 1956 ausgesucht, auf dem das im Jahr 1811 abgebrannte Landgrafenschloss in Kassel zu sehen ist.

Klage vor Landgericht

Eigentlich hatte das Trio das Bier bereits im Mai dieses Jahres auf den Markt bringen wollen. Doch dann gab es einige Probleme: Ein ehemaliger Mitstreiter des Trios beanspruchte die Idee für das Bier-Projekt für sich und die Einbecker (Martini) Brauerei sprach von einem „klassischen Fall von Verbrauchertäuschung“, da das Bier nicht in Kassel gebraut werde. Die Einbecker Brauerei hatte deshalb Widerspruch gegen die Markeneintragung von „Ur Casseler Actienbier“ eingelegt.

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Da das Deutsche Patent- und Markenamt seinen Sitz in München hat, sei dort der Streitfall kürzlich verhandelt worden, sagt Rechtsanwalt Volker Lehmann, der die drei Bier-Unternehmer vertritt. Zwar habe es noch kein Urteil vor dem Landgericht München gegeben, aber die Abweisung der Klage sei nach der mündlichen Verhandlung unausweichlich. Einbecker habe argumentiert, dass „Ur Casseler Actienbier“ ihre Marke „Kasseler“ verletzte und die Verbraucher verwirre, da es nicht in Kassel gebraut werde.

Der Brauort Holzminden stehe aber auf der Rückseite des Etiketts. Zudem gebe es heutzutage viele Beispiele dafür, dass das Bier an einem anderen Ort gebraut werde: Einbecker praktiziere das selbst mit den Marken „Göttinger“ und „Nörten Hardenberger“.

Die Marken „Kasseler“ und „Ur Casseler Actienbier“ seien darüber hinaus nicht verwechslungsfähig. Städtenamen als sogenannte geografische Herkunftsangaben müssten stets frei verwendbar bleiben, habe das Gericht ausgeführt.

Bei der Einbecker Brauerei will man sich zu dem „laufenden Verfahren“ nicht äußern. Hochhuth, Braun und Gabriel sind indes sicher, dass sie vor Gericht gewinnen werden und bereiten deshalb alles für den Verkauf des Flaschenbiers (30 Flaschen pro Kiste) vor. Sie wollen in erster Linie vertragsfreie Gaststätten beliefern, sagt Braun. 20 Gastronomen aus Kassel hätten bereits Interesse bekundet.

Privatkunden könnten das Premium-Pils, das laut Braun im „hochpreisigen Segment“ (13 bis 14 Euro pro Kiste) angesiedelt ist, in den neuen Geschäftsräumen an der Philippistraße 8 in Rothenditmold bestellen. Kontakt: Tel. 05 61/47 49 89 21.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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