Vermutlich per Schiff angekommen

Uralte Henschel-Loks sind auf Kuba im Einsatz

Kassel. 8000 Kilometer von der ehemaligen Kesselschmiede in Rothenditmold entfernt hat  Andreas Weber auf Kuba zwei alte, aber fahrtüchtige Lokomotiven aus der Heimat entdeckt.

"Die ältere wurde 1913 gebaut, die andere 1920“, sagt Weber. Der 41-Jährige Kasseler Fotograf hat die Zeugnisse der heimischen Industriegeschichte natürlich fotografiert. Eine Reise in die Vergangenheit sei das gewesen, schöner als jedes Museum.

Zum Einsatz kamen die Lokomotiven ursprünglich für den Transport von Zuckerrohr. Dass sie bis heute in Betrieb sind, ist eine kubanische Besonderheit. Hier gibt es auch auffallend viele alte Autos. Das hängt mit der Mangelwirtschaft nach der Revolution im Jahr 1959 und den erst in jüngster Zeit gelockerten Wirtschaftssanktionen der USA zusammen.

Die Aufschrift an einer der alten Henschellokomotiven gibt einen Hinweis auf die Strecke, auf der sie zum Einsatz kam. „Australia“ ist ein Dorf 150 Kilometer östlich von Kubas

Lexikonwissen:

Henschel im Regiowiki

Hauptstadt Havanna und ein Zentrum des Zuckerrohranbaus. In den Unterlagen des Henschelarchivs gibt es mehrere Eintragungen über Lieferungen nach Kuba. Unter anderem wurde 1913 eine neue Lok für die Compania Central Mercedes verschifft. Zwölf Jahre später bestellte die gleiche Compania einen Ersatzkessel.

„Es ist sehr außergewöhnlich, dass so alte Lokomotiven heute noch fahren“, sagt Peter Zander, der sich um das riesge Archiv von Henschel kümmert. Unter dem Dach des ehrenamtlich betriebenen Henschel-Museums findet man Unterlagen über gut 600 verschiedene Typen, die beim zwischenzeitlich größten Lokomotivbauer Europas hergestellt wurden. Peter Zander hat sich die Fotos aus Kuba angesehen. Das seien Universallokomotiven für den Gütertransport, unter anderem erkennbar an den vielen kleinen Rädern. Auf den könne man größere Lasten verteilen, die schnelleren Loks für Personenzüge hätten größere Räder. Nach Brasilien und Argentinien seien deutlich mehr von diesen Lokomotiven geliefert worden als nach Kuba.

Henschel-Loks auf Kuba

Archiv-Video: Der Drache von Henschel

Je nach Spurbreite sind die Loks entweder vom 1872 gebauten Unterstadtbahnhof Richtung Hamburg und Bremerhaven gefahren. Oder sie wurden in Einzelteilen nach Hann. Münden gebracht und von dort mit Frachtern über die Weser transportiert. In Mittel- oder Südamerika per Schiff angekommen, wurden die schweren Loks dann von Mitarbeitern des Henschel-Kundendienstes zusammengebaut. So war das wohl auch vor gut 100 Jahren in Kuba. Ein wenig stolz sei er schon, dass die Lokomotiven aus Kassel so lange gehalten hätten, sagt Peter Zander.

Rubriklistenbild: © Weber

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.