22-Jähriger wegen gemeinschaftlichen Diebstahls zu Bewährungsstrafe verurteilt

Die Uroma wurde zum Opfer

Kassel. „Unterm Strich bleibt ein wahnsinniger Vertrauensverlust“, sagte Richter Jan Pree gestern am Ende einer Verhandlung vor dem Kasseler Amtsgericht. Im vergangenen Jahr war eine heute 87-jährige Dame in ihrer eigenen Wohnung in Kassel mindestens vier Mal bestohlen worden.

Und zwar von ihrer Urenkelin und deren Freund, der wegen gemeinschaftlichen Diebstahls auf der Anklagebank des Amtsgerichts saß. Der 22-Jährige behauptete: „Ich habe nichts davon begangen.“ Die Anzeige gegen ihn sei ein Racheakt seiner Ex-Freundin nach der Trennung im vergangenen Jahr, ihre Angaben seien „erstunken und erlogen“.

Sie war von ihrer Uroma ebenfalls angezeigt worden, die Anzeige ist dann aber wieder zurückgenommen worden. Als Zeugin sagte sie gestern im Gerichtssaal, ihr Ex-Freund sei spielsüchtig und fast jeden Tag in der Spielhalle gewesen. Weil er selbst nicht arbeitete, habe er ständig Geld von ihr verlangt. „Er setzte mich unter Druck und schlug mich, am Ende fast jeden Tag“, berichtete sie vor Gericht. Hin und wieder habe er gar mit einem Messer vor ihr gestanden. „Wir hatten Streit, aber ich habe sie nicht geschlagen“, beteuerte der Angeklagte. Gespielt habe er nur ab und zu, „ein oder zwei Mal pro Woche“.

„Druck war groß“

Doch seine Ex-Freundin sagte etwas anderes: Der Druck auf sie sei so groß gewesen, dass sie auf die Idee kam, den Schmuck ihrer Uroma zu stehlen und dann in einem Geschäft, das Gold ankaufte, zu versetzen.

„Ich habe doch nicht geahnt, dass die beiden nur gekommen waren, um mich zu bestehlen.“

87-jähriges OpFer

Die beiden besuchten die alte Dame mehrfach, einer von ihnen lenkte sie ab, der andere bediente sich im Wohn- oder Schlafzimmer. Ketten, Armbänder und Ringe - aus Gold und mit Edelsteinen besetzt - wechselten so den Besitzer. „Ich habe doch nicht geahnt, dass die beiden nur gekommen waren, um mich zu bestehlen“, sagte die 87-Jährige vor Gericht. Etwa 11 000 Euro sei ihr Schmuck wert gewesen. Die beiden Diebe erzielten lediglich 1000 Euro dafür.

Die Ex-Freundin des Angeklagten gab ihm außerdem nach eigenen Angaben etwa 4000 bis 5000 Euro, von ihrem Lohn und aus einem Bausparvertrag. Zeitweise habe sie nicht gewusst, wie sie ihre Miete bezahlen soll und sich in Schulden gestürzt. „Jetzt versuche ich, mein Konto wieder auszugleichen.“

Richter Pree sagt, die 22-Jährige habe „glaubhaft geschildert“, was vorgefallen sei. Die Version des Angeklagten, dass ein Racheakt stattgefunden habe, fand Pree hingegen nicht nachvollziehbar.

Sein Urteil am Ende der Verhandlung vor dem Amtsgericht: sechs Monate, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden.

Außerdem muss der 22-jährige Angeklagte innerhalb eines halben Jahres 180 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten, und ein Bewährungshelfer wird ihm auf die Finger schauen.

Von Ralf Pasch

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