Die Ausstellung „Messel on Tour“ ist ab Donnerstag im Naturkundemuseum zu sehen

Urpferdchen im Ottoneum

So haben sie damals gelebt: Tierpräparatorin Babett Kleinschmidt mit einem Tapir (groß) und den Urpferdchen.

Kassel. Bereits vor sechs Jahren hat sich Museumsleiter Dr. Kai Füldner für diese Ausstellung beworben. Jetzt ist sie endlich in Kassel. „Messel on Tour“ heißt die spektakuläre Präsentation von Fossilien, die ab Donnerstag im Naturkundemuseum zu sehen ist.

Der Versicherungswert der Funde aus der Grube in der Nähe von Darmstadt stellt alles in den Schatten, was bisher im Ottoneum gezeigt wurde. Mit 13 Millionen Euro sind die 125 Originale aus der Zeit von vor 47 Millionen Jahren taxiert. Der wissenschaftliche Wert lässt sich nicht beziffern.

47 Millionen Jahre im Blick: Museumsdirektor Dr. Kai Füldner (45) vor der Vitrine mit dem größeren der beiden Urpferdchen aus der Grube Messel. 125 Exponate sind im Naturkundemuseum zu sehen. Fotos:  Herzog

Die Grube Messel ist ein stillgelegter Tagebau, in dem bis 1971 Ölschiefer abgebaut wurde. Vor Millionen von Jahren befand sich dort ein sehr tiefer See, dessen Wasser und Uferbereich Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren waren. Auch von solchen, die man nicht unbedingt in dieser Gegend vermuten würde. Eines der größten Fundstücke ist der Kopf eines Krokodils, das sechs Meter lang war und ein gefährlicher Räuber gewesen sein muss. Der versteinerte Schädel mit den kräftigen Kiefern spricht jedenfalls dafür.

„Der Erhaltungszustand der Fossilien aus der Grube Messel ist außergewöhnlich“, sagt Dr. Kai Füldner. Bei einigen Tieren sei sogar der Mageninhalt noch zu erkennen.

Schlangen und Riesenameise

Zu den Stars der Ausstellung gehören die beiden Urpferdchen, deren Skelette in Vitrinen gezeigt werden. Sie wurden kaum größer als 60 Zentimeter und waren gut an das Leben im Urwald rund um den See angepasst. Fische, Schildkröten, eine Art Fischotter (der ist auf dem Plakat der Ausstellung zu sehen), Schlangen, Riesenameisen, Vögel: All das zeigt die Ausstellung. Auch ein kompletter Tapir, von dem man weiß, dass er auch in unserer Gegend vorgekommen ist. Im Braunkohleabbau in Borken wurde ein Stück Unterkiefer von diesem Tier gefunden.

„Das ist die beste und umfangreichste Messel-Ausstellung, die es gibt“, sagt Füldner. Er hofft darauf, dass wieder zahlreiche Besucher kommen. Bei der Sonderausstellung zur Evolution des Menschen waren es 50 000. „Und das“, sagt Füldner, „obwohl es seit Ostern zehn Sonntage mit Superwetter am Stück gab.“ Für Museumsbesuche sind das eigentlich denkbar schlechte Voraussetzungen. Im Ottoneum nicht unbedingt.

Ausstellung „Messel on Tour“, eine Leihgabe des Landesmuseums Darmstadt, im Naturkundemuseum Ottoneum, Steinweg 2, vom 9. Juni bis zum 27. November.

Eintritt: Erwachsene 3,50 Euro, ermäßigt (6 bis 16 Jahre) 2 Euro, Schulklassen 1 Euro pro Person. Es werden Führungen und Workshops angeboten.

www. naturkundemuseum-kassel.de

Von Thomas Siemon

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