Gericht: MEG-Chefs müssen 3,4 Millionen Euro zahlen - Neuer Prozess gegen Göker

Kassel. Die Schlinge zieht sich immer mehr zu: Führungskräfte des pleitegegangenen Versicherungsvermittlers MEG müssen jetzt nach Beschlüssen des Kasseler Landgerichts 3,4 Millionen Euro zahlen. Die Summe will eine Krankenversicherung zurück haben.

Sie hatte das Geld als Provisionen vorgestreckt.

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Wie es beim Landgericht heißt, richteten sich die Forderungen gegen sechs ehemalige MEGler. Darunter auch der frühere Boss Mehmet Göker. Auch gegen ihn soll es eine Milionenforderung der Krankenversicherung geben.

Anders als bei seinen drei Mitarbeitern gibt es aber bisher gegen Göker noch kein Urteil. Das Verfahren laufe weiter, so der Sprecher des Landgerichts, Dr. Jürgen Kitzinger.

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Wie jetzt bekannt wurde, hatte die 7. Kammer des Landgerichts bereits im Dezember so genannte Teilversäumnisurteile gegen die drei MEG-Mitarbeiter erlassen. Versäumnisurteile gibt es dann, wenn eine Partei vor Gericht nicht erscheint. Die Urteile, so D. Kitzinger, seien inzwischen rechtskräftig. Zwei ehemalige MEGler wurden zur Zahlung von je einer Million Euro verurteilt, ein weiterer muss 1,4 Millionen zahlen.

Um wen es sich bei den Verurteilten handelt, wollte Kitzinger aus Datenschutzgründen nicht sagen. Nur den Namen Göker dürfe man nennen, weil es um eine Person der Zeitgeschichte handele.

Mehmet E. Göker - einst schillernder Unternehmer

2003 gründet Mehmet Erkan Göker den Versicherungsmakler MEG als Ein-Mann-Betrieb. 2006 wird sie zur Aktiengesellschaft.  © Archiv
Der Sitz des Unternehmens ist in der Falderbaumstraße. © Archiv
Die Mannschaft um Göker ist guter Dinge und die ersten Jahre sollen ihr Recht geben. © Archiv
Sechs Jahre später - im Frühjahr 2009 - feiert er mit dem britischen Casting-Star Paul Potts. © Archiv
Im September 2009 die Wende des pompösen Versicherungsvermittlers MEG AG: Er wird übernommen vom Finanzdienstleister Aragon AG.  © Archiv
Im Oktober dann ein weiterer Schritt Richtung Ende: Die MEG AG meldet Insolvenz an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue und Insolvenzverschleppung. © Archiv
Es ist vorbei, in der Firmenzentrale gehen im November 2009  die Lichter aus. Zu diesem Zeitpunkt ist Göker kaum noch in Kassel anzutreffen. © Archiv
Das Inventar wird versteigert: der private Frisiersalon zum Beispiel. © Archiv
Ob Göker schon an das nahende Aus dachte, als er Paul Potts traf?  © Archiv
Der Auftritt fand im Rahmen der Ehrung der besten MEG-Verkäufer statt. Dafür wurde die Kasseler Stadthalle angemietet. © Archiv
Den gemeinsamen Auftritt ließ sich Göker vor den jubelnden Mitarbeitern nicht nehmen. © Archiv
Göker trat auch als Sponsor von regionalen Sportvereinen auf. © Archiv
Die Göttinger BG wurde in MEG umgetauft. © Archiv
Göker präsentierte das neue Trikot. © Archiv
Auch beim VfB Süsterfeld floss das Geld mit Göker. Nun kämpft der Fussballclub ums Überleben. © Archiv
Auch beim KSV Hessen Kassel wollte er sich engagieren, zog dann aber zurück - es habe "beleidigende Vorwürfe" gegeben... © Archiv
Das sagte er bei der Mitgliederversammlung im Juni 2008... © Archiv
Für die Vereinsverantwortlichen kam dies überraschend. © Archiv
Eine weitere Leidenschaft: schnelle, luxuriöse Autos. © Archiv
Zudem: Gesehen werden wie hier bei einem Boxkampf. © Archiv
Doch für Furore sorgte vor allem sein schneller Aufstieg in der Versicherungsbranche. © Archiv
Über seine Pläne für Kassel und den Sport sprach er mit HNA-Redakteuren.  © Archiv
Vielen Vorwürfen trat Göker entgegen. © Archiv
Der Anfang vom Ende: Im September 2007 findet eine Razzia bei MEG statt. Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Beitragsvorenthaltung. Göker kommt gerade aus dem Kurzurlaub... © Archiv
noch in Shorts und Flipflops. Später akzeptiert der MEG-Chef eine Geldstrafe von 720.000 Euro. © Archiv
Den Rolls Royce verkauft er später. © Archiv
Auch die Zahl der Porsches und Ferraris hat sich in Kassel nach der MEG-Pleite minimiert.  © Archiv
Bilder aus alten Tagen: Entschlossen... © Archiv
...und visionär. So sah sich Göker gerne.  © Archiv
Und das feierte er regelmäßig im Marth. © Archiv
Das blieb von der MEG: Alkoholika, © Archiv
das Motto Gökers "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum." © Archiv
...Firmenbroschüren,... © Archiv
... Sakkos,... © Archiv
...Manschettenknöpfe. © Archiv
Die Auktion ist längst beendet. Die 200 Gläubiger der MEG-Pleite warten noch auf ihr Geld. © Archiv
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Im März 2010 musste sich Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Angeklagt war er wegen Beleidigung und Bedrohung. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Er gab an, ehemalige Mitarbeiter beleidigt zu haben. Bedroht aber habe er niemanden. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Göker wurde zu einer Geldstrafe von 2500 Euro verurteilt. © HNA/Herzog

Mehmet Göker war bereits im Dezember dazu verurteilt worden, an die Allianz-Krankenversicherung 125.000 Euro zu zahlen. Dagegen ist jetzt beim Oberlandesgericht Frankfurt Berufung eingegangen (Az. 15 U 29/10). Wie es weitergeht, ob es zu einer Verhandlung kommt oder nicht, steht noch nicht fest.

In Kassel wird sich Mehmet Göker am 25. Februar vor Gericht verantworten müssen. Dann verhandelt die 7. Zivilkammer des Landgerichts in einem weiteren Fall darüber, ob er erhaltene Provisionen an eine Krankenversicherung zurückzahlen muss.

Von Frank Thonicke

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