Urteil nach Bombendrohung

Urteil nach Bombendrohung: Stadt verlangt keinen Schadenersatz

Kassel. „Für mich hat es sich sehr bedrohlich angehört. Ich habe umgehend meinen Vorgesetzten verständigt und dann haben wir die Polizei alarmiert“, sagte eine 54-jährige Mitarbeiterin des Kasseler Rathauses am Mittwoch vor dem Amtsgericht.

Die Frau, die im Service-Center des Rathauses arbeitet, nahm am 18. Oktober 2011 um 9.32 Uhr den ersten Drohanruf des 51-jährigen Mannes entgegen. „Ich habe eine Bombe gelegt, die geht in einer halben Stunde hoch“, habe der anoyme Anrufer gesagt und aufgelegt.

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Die Telefonistin erklärte, dass sie etwa einmal im Monat einen Anruf erhalte, bei dem ihr als städtischer Mitarbeiter gedroht werde. Aber in den meisten Fällen merke sie sofort, dass die Anrufer es mit ihrer Drohung nicht ernst meinten. Anders habe sie es am 18. Oktober empfunden. „Ich habe richtig Angst bekommen.“

Bilder: Rathaus nach Bombendrohung evakuiert

Rathaus Kassel nach Bombendrohung evakuiert

Die Polizei ließ das Rathaus aber erst evakuieren, nachdem um 9.51 Uhr der zweite Anruf eingegangen war. Da hatte der Mann angekündigt, dass in 20 Minuten die Bombe hochgehe.

Nach der Evakuierung: Dr. Joachim Benedix (rechts), Leiter des städtischen Personal- und Organisationsamtes, informierte die Rathaus-Mitarbeiter am 18. Oktober 2011 über die Dauer des Einsatzes. Archivfoto:  Herzog

350 Menschen, Mitarbeiter und Kunden, mussten vor einem Jahr das Rathaus nach der Bombendrohung verlassen. Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch spricht dennoch von keinem besonders großen Einsatz. Neben drei bis vier Streifen war noch ein Sprengstoffspürhund im Einsatz, der nach der Bombe suchte. Jungnitsch sagt, dass man durch Hinweise aus dem Umfeld der Exfreundin dem Tatverdächtigen schnell auf die Spur gekommen sei.

Nachdem der Täter gefasst war, hatte die Stadt Kassel angekündigt, zu prüfen, ob man von ihm Schadenersatz fordern könne. Davon hat man nun Abstand genommen.

Nach einer Bewertung durch das städtische Rechtsamt sei das nur möglich, wenn es nachweisbare finanzielle Schäden zu beanstanden gäbe, sagt Sprecher Sascha Stiebing auf Anfrage der HNA. „Aufgrund der Evakuierung des Rathauses für rund zwei Stunden während der Kernarbeitszeit sind aber keine zusätzlichen Personal- und/oder Sachkosten entstanden.“ (use)

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