Verteidigung kündigt Revision an

Urteil im Savasci-Prozess: Lebenslang für Bruder

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Erleichterung nach dem Urteil: Yaren Savasci, Tochter der getöteten Mehtap Savasci, und ihre Rechtsanwältin.

Kassel. Im Prozess um den Mord an der Kasselerin Mehtap Savasci ist der 51-jährige Bruder des Opfers zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Der  Artikel wurde aktualisiert um 16.35 Uhr

Nachdem der Vorsitzende Richter Volker Mütze das Urteil verkündet hatte, gab es vereinzelt Applaus unter den 70 Zuschauern im Gerichtssaal.

Es gebe für die Sechste Strafkammer des Kasseler Landgerichts keine Zweifel, dass der 51-Jährige seine Schwester am 7. Oktober 2014 zunächst in Kassel entführt, bei Felsberg mit zwei Schüssen ins Herz getötet und anschließend in einem Kleingarten in Wiesbaden verscharrt hat, so der Vorsitzende.

Yaren Savasci, die 19-jährige Tochter des Mordopfers, reagierte erleichtert auf den Schuldspruch. Ihr Onkel habe bekommen, was er verdient habe. „Ich fühle mich so, als hätte ich einen großen Krieg gewonnen“, sagte die 19-Jährige gegenüber den Kamerateams. Der Angeklagte und seine Angehörigen nahmen das Urteil ohne größere äußere Gefühlsregung auf.

Das Gericht sei anhand einer Vielzahl von Bausteinen zu dem Ergebnis gekommen, dass der 51-Jährige seine Schwester aus niedrigen Beweggründen ermordet habe, sagte Mütze. Das Motiv: Die Schwester habe nicht mehr seinen Vorstellungen von Familie entsprochen. Er sei mit der Lebensweise von Mehtap, die auch einen Geliebten hatte, nicht einverstanden gewesen.

Verurteilt: Der 51-jährige Bruder von Mehtap Savasci.

Der Streit sei am 4. Oktober vergangenen Jahres eskaliert, nachdem Mehtap Savasci sich geweigert habe, das Bayram-Fest gemeinsam mit ihrer Familie zu feiern. Nachdem seine Schwester ihm gesagt habe, sie habe keinen Bruder mehr, habe sich der Angeklagte dazu entschlossen, sie zu töten. Er sei durch ihre Aussagen in seiner Ehre als älterer Bruder und Kümmerer in der Familie verletzt worden, sagte Mütze. Er habe geplant, seine „Schwester zu eliminieren, um seine gekränkte Ehre wieder herzustellen“. Der Bruder sei dabei „kühl, rational und gezielt planerisch“ vorgegangen.

Urteil im Savasci-Prozess

Dafür, dass eine dritte Person dem Angeklagten bei dem Mord geholfen habe, gebe es keinerlei Anhaltspunkte, sagte der Richter. Er bezog sich damit auf die Argumentation der Verteidigung, dass es keine Beweise dafür gebe, dass der Angeklagte seine Schwester selbst erschossen habe. Strafverteidiger Sven Schoeller kündigte an, Revision gegen das Urteil beim Bundesgerichtshof einzulegen.

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