Versuchte räuberischer Erpressung

„Der Abschaum der Gesellschaft“: Urteil wegen Drohung mit Hells Angels

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Kassel. Weil sie einem heute 25-Jährigen mit dem Motorradclub Hells Angels gedroht hatten, wurden gestern ein 31-jähriger und ein 26-jähriger Kasseler vom Landgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Damit reduzierten die Richter in der Berufungsverhandlung das Strafmaß aus der ersten Instanz. Es blieb aber bei der Verurteilung wegen versuchter räuberischer Erpressung. Vor Gericht standen die jungen Männer, weil sie im November 2011 von dem 25-Jährigen 10 000 Euro gefordert hatten. Wenn er ihnen das Geld nicht gäbe, dann würden die Hells Angels kommen und ihm Finger oder Beine abschneiden, drohten sie. Das Opfer bezahlte nicht, sondern wandte sich an die Polizei. Dass es eine leere Drohung gewesen war, erfuhr der Bedrohte erst später.

Gestern konnte man im Raum E119 des Kasseler Landgerichts beobachten, was aus vermeintlichen Freundschaften werden kann. Da saßen ein 26-jähriger und 31-jähriger Kasseler wegen versuchter räuberischer Erpressung auf der Anklagebank und hatten sich so gar nichts Freundliches mehr zu sagen.

Vor allem der 26-Jährige war bemüht, in der Berufungsverhandlung die Schuld auf seinen Sitznachbarn zu schieben. Mit diesem war er 2011 noch so eng befreundet gewesen, dass er mit ihm 10.000 Euro erpressen wollte. Das Opfer: Ein alter Schulfreund aus gutem Hause, mit dem sich der 26-Jährige ab und zu zum Kiffen und Filme schauen traf.

Dem damals 23-jährigen Opfer, das mit dem 26-Jährigen Täter einst zur Schule gegangen war, drohten sie mit den Hells Angels. Als sie am 29. November 2011 vor dessen Wohnung in Rothenditmold standen, forderten sie das Geld – „leihweise“. Wenn er es ihnen nicht bis zum nächsten Vormittag besorge, würden die Hells Angels kommen und ihm die Finger oder Beine abschneiden. Und er spiele doch gern Computer, da brauche er doch seine Finger.

Wofür sie das Geld brauchten, dazu machten die Angeklagten unterschiedliche Angaben: Während sie dem Opfer damals erzählten, sie müssten Drogenschulden bei den Hells Angels begleichen, ging es offenbar nur um ein Autogeschäft. Mit diesem wollte der 31-Jährige seine finanziellen Probleme lösen. Der 26-Jährige stellte es so dar, als habe er dem Älteren dabei nur helfen wollen. „Ey was soll die Scheiße. Ich wollte helfen – und jetzt sitz ich hier“, sagte der aufbrausende 26-Jährige. Die Drohung mit den Hells Angels sei nicht auf seinem Mist gewachsen. Der 31-Jährige sei „Abschaum der Gesellschaft“ und „ein großer Schauspieler“.

„Ich habe dann im Internet gegoogelt und gesehen, dass die Hells Angels nicht so unprofessionell vorgehen und Dritte schicken.“

Das Opfer nahm die Drohung jedenfalls ernst und ging zur Polizei. Ich hatte Angst, sagte der schüchtern wirkende Mann vor Gericht. Auch deshalb, weil nach der Drohung etwa 80 Anrufe und etliche SMS des 26-Jährigen folgten, in denen ihm weiter Druck gemacht wurde. Erst Tage später wurde dem Opfer klar, dass an der Drohung nichts dran ist: „Ich habe dann mal im Internet gegoogelt und gesehen, dass die Hells Angels nicht so unprofessionell vorgehen und Dritte schicken.“

Am Ende ließen der Vorsitzende Richter Liebermann und die Schöffen Milde walten. Sie reduzierten die Strafen aus der erstinstanzlichen Entscheidung des Amtsgerichts. So wurde der wegen Betrugs vorbestrafte 31-Jährige statt zwei Jahre ohne Bewährung zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Der 26-Jährige erhielt ein Jahr auf Bewährung. Beide müssen zudem 200 Sozialstunden leisten und bekommen einen Bewährungshelfer.

Von Bastian Ludwig

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