US-Künstlerin verziert Außenfassade des Amtsgerichts

Kassel. Kunst an der Fassade des Kasseler Amtsgericht: Verwunderte Autofahrer und Spaziergänger hielten jetzt vor der Justizbehörde an der Frankfurter Straße inne, um das Spektakel mit anzusehen.

Schließlich schien es, als würde wie aus dem Nichts eine Welle von Zahlen über die Fenster des Gerichtsgebäudes rollen.

Die aufsehenerregende Performance ist ein Kunstwerk der amerikanischen Künstlerin Deborah Adams Doering. Sie ist die Initiatorin des Kunstprojektes „Just us at work - Justice at work“ (Nur wir bei der Arbeit - Gerechtigkeit bei der Arbeit). Ihr Konzept orientiert sich an einem Code aus Nullen und Einsen, die aus verschiedenen Perspektiven eine Welle ergeben. Mit der Hilfe von 24 Lehrlingen gelang die rund zehnminütige Performance. Dabei wurden die Nullen und Einsen aus Papier von Innen an 103 Fenstern des Amtsgerichts befestigt.

Alles hat funktioniert

Zeitlich war alles so koordiniert worden, dass es den Anschein hatte, als fließe eine Zahlenwelle von der einen zur anderen Fassadenseite. „Ich bin glücklich, dass alles so gut funktioniert hat. Vor allem die herzliche Unterstützung von allen Kasselern hat mir sehr geholfen“, freute sich Doering. Seit Beginn der documenta 13 arbeitet sie zusammen mit den Künstlern Veronica Betani und Cebo Mvubu vom südafrikanischen Keiskamma Art Projekt (KAP) im Amtsgericht. Jeden Tag werden dabei Kunstwerke handgefertigt mit einfachen Materialien wie Papier oder Stickgarn in der Behörde erstellt. Ziel sei es, die menschliche Existenz in der modernen Gesellschaft zu hinterfragen. Dabei geht es zu großen Teilen um Gerechtigkeit.

„Wir möchten hier etwas Gutes tun. Ich weiß nicht, ob wir es schaffen, Gerechtigkeit in Südafrika oder irgendwo auf der Welt zu erwirken, aber wir machen zumindest einen Anfang“, erklärt Doering. Die Chicagoerin sieht in ihrem Code-Projekt einen großen Vorteil: „Jeder muss sich damit auseinandersetzen, um die Aussage zu verstehen. Dabei entwickelt jeder eine eigene Erkenntnis“, so Doering.

Bis zum 10. September werden die Künstler noch im Amtsgericht arbeiten und dabei ihre Werke präsentieren. Diese wechseln von Tag zu Tag. Einzig ein bestickter Wandteppich der Größe 2,7x6,4 Meter, das „Manifest 0“, wird ständig ausgestellt.

Von Tobias Kiesling

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