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Bisher unbekannte Fotos in Texas ersteigert: Sie zeigen die Zerstörung von Kassel im Zweiten Weltkrieg

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Von: Thomas Siemon

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Am 22. Oktober 1943 wurde Kassel bei dem schwersten von 40 Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Am 22. Oktober 1943 wurde Kassel bei dem schwersten von 40 Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört. © ARCHIV Ian Spring

Bisher unbekannte Fotos aus Kassel im Zweiten Weltkrieg wurden in den USA versteigert. Sie zeigen die Stadt nach der Bombennacht im Jahr 1943.

Kassel – Am 22. Oktober 1943 wurde Kassel bei dem schwersten von 40 Bombenangriffen zerstört. Jetzt sind bislang unbekannte Farbfotos aufgetaucht, die die Ruinen dokumentieren. Diese Bilder vom zerstörten Kassel sind eine absolute Rarität, ja fast schon eine Sensation. „Die muss ein Profi gemacht haben“, sagt ihr Besitzer, der Ire Ian Spring. Er kann das beurteilen, denn der 37-Jährige verfügt wahrscheinlich über die weltweit größte Sammlung von Farbdias mit Motiven der Kriegszerstörungen.

Mit Fotos aus Kassel die Folgen des Zweiten Weltkriegs dokumentieren

Seine Motivation sei es, die furchtbaren Folgen des Zweiten Weltkriegs zu dokumentieren – als Warnung für die nachfolgenden Generationen. Bilder aus deutschen Städten interessieren ihn auch deshalb besonders, weil er mit einer Deutschen verheiratet ist und mit ihr sowie der dreijährigen Tochter in München lebt. Er arbeitet für eine Firma, die orthopädische Hilfen für Kinder herstellt.

33.000 Dias hat der in der Nähe von Dublin aufgewachsene Ire bereits gesammelt und vor Kurzem seine Sammlung um einen echten Schatz erweitert. „Über einen Freund in Texas habe ich erfahren, dass dort in einem Auktionshaus der Nachlass eines ehemaligen US-Soldaten versteigert wurde“, sagt Ian Spring. Wie sich später herausstellte, war der Mann als Offizier 1945 in Kassel. Dort muss er auf einem Flohmarkt mehrere Kartons voller Dias gekauft und später mit zurück in die USA genommen haben. „Mehr weiß ich leider auch nicht“, sagt der Sammler.

Kriegsfotos aus Kassel in hoher Qualität

Als die Dias bei ihm zu Hause in München ankamen, war er überwältigt von der Qualität. „Das ist wirklich ungewöhnlich, so habe ich das noch nicht gesehen“, sagt er. Über 100 Aufnahmen vom zerstörten Kassel in brillanter Farbqualität, das war viel mehr, als er bei der Auktion erhofft hatte.

Ian Spring wollte diese Bilder nicht nur privat nutzen, sondern sie auch einer größeren Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Er hat im Internet recherchiert und ist auf die HNA-Beiträge zur Kasseler Bombennacht vom 22. Oktober 1943 gestoßen. So kam der Kontakt zustande.

Ian Spring ist davon überzeugt, dass die Aufnahmen von einem deutschen Profifotografen stammen. Denn für Privatpersonen war es damals streng verboten, Fotos der Zerstörung und damit der drohenden Niederlage von Nazideutschland zu machen. Die damals noch teuren und seltenen Agfa-Colorfilme hätten fast ausschließlich offizielle Kriegsfotografen bekommen.

Fotos dokumentieren Zerstörung von Kassel im Zweiten Weltkrieg

Die Bilder des zerstörten Kassel wirken wie eine akribische Dokumentation der Schäden, fast ohne Menschen. „Das ist eiskalt und in bester Qualität fotografiert“, sagt Ian Spring. Bis zum Schluss hatten die Nazis noch vom Endsieg fabuliert. Danach wollte man den Kriegsgegnern die Rechnung präsentieren.

Die Zeit, wann die Fotos gemacht wurden, lässt sich relativ gut eingrenzen. Es muss nach der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 und vor dem Einmarsch der Amerikaner im April 1945 geschehen sein. Die Aufräumarbeiten waren schon weit fortgeschritten. Zudem sind am Rande von einigen Fotos Wehrmachtssoldaten zu sehen. Das alles spricht für die Jahre 1944 und 1945. 75 Jahre später sind diese Fotos wieder aufgetaucht. (Thomas Siemon)

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