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Uschi Glas beeindruckte ihn mit Schönheit: Kasseler erzählt von Begegnungen mit Stars im Hotel Reiss

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Von: Bastian Ludwig

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Zur Uraufführung des Films „Klassenkeile“ 1969 zu Gast in Kassel: Uschi Glas mit ihren Schauspieler-Kollegen Walter Giller (links), Wolfgang Condrus (2. von rechts) und Werner Finck vor dem Hauptbahnhof auf dem Weg zum Hotel Reiss. Archivfotos: Hans-Joachim Baron
Zur Uraufführung des Films „Klassenkeile“ 1969 zu Gast in Kassel: Uschi Glas mit ihren Schauspieler-Kollegen Walter Giller (links), Wolfgang Condrus (2. von rechts) und Werner Finck vor dem Hauptbahnhof auf dem Weg zum Hotel Reiss. Archivfotos: Hans-Joachim Baron © Archivfotos: Hans-Joachim Baron

Im November startet im Stadtmuseum eine Sonderausstellung, die Kassel als Filmstadt beleuchtet. Im Vorfeld stellen wir HNA-Leser vor, die persönliche Erinnerungen an die glanzvolle Kasseler Film- und Kinogeschichte haben.

Kassel – Bodo Slink hat vor gut 50 Jahren im Kasseler Hotel Reiss viele Film- und Fernsehstars abseits des Rampenlichts getroffen und erlebte sie so in ihren stillen Momenten. Der heute 80-jährige Kasseler arbeitete in den 60er-Jahren in dem renommierten Hotel am Hauptbahnhof und bediente in dieser Zeit auch prominente Gäste wie Uschi Glas, Zarah Leander, Freddy Quinn, O.W. Fischer, Walter Giller und Nadja Tiller, Chris Howland, Pierre Brice und den Künstler Christo.

Nachdem der Ostfriese mehrere Stationen in süddeutschen Nobelrestaurants durchlaufen hatte, kam er 1965 nach Kassel. Im Restaurant des Hotels Reiss wurde er als Chef de Rang eingestellt. Als solcher war er der Leitung unterstellt und kümmerte sich in deren Abwesenheit um den reibungslosen Ablauf im Service.

„Das war eine ganz andere Zeit“, sagt Slink. Der Hauptbahnhof habe noch eine wichtige Rolle gespielt, und insofern sei die Lage des Hotels erstklassig gewesen. Allein drei Hausdiener seien damit beauftragt gewesen, das Gepäck der Gäste vom Bahnhof ins Hotel zu bringen.

An seiner alten Wirkungsstätte: Bodo Slink vorm Hotel Reiss, wo er von 1965 bis 1971 arbeitete.
An seiner alten Wirkungsstätte: Bodo Slink vorm Hotel Reiss, wo er von 1965 bis 1971 arbeitete. © Bastian Ludwig

Weil in den Kasseler Kinos der Familie Reiss (Kaskade, Cinema, Gloria etc.) viele Premieren stattfanden, seien die dafür angereisten Filmstars im Hotel des Unternehmens untergebracht worden. „Sie kamen nach den Veranstaltungen zu uns ins Hotel und waren dort plötzlich ohne Publikum. Viel haben sich dann oft lange am Tresen mit dem Empfangschef Joachim Ewers unterhalten. Der war ein echtes Sprachgenie.“ Diese Unterhaltung am Tresen hätten viele offenbar gebraucht, um runterzukommen. Pierre Brice habe etwa gerne lange erzählt. Viele Gäste habe der Empfangschef zu später Stunde in seiner privaten Bar an der Ottostraße bedient.

Gute Erinnerungen hat Slink auch an Zarah Leander, die mehrfach Gast gewesen sei. „Die war einmal drei Tage im Hotel, aber kein einziges Mal im Restaurant. Die war mit ihrem Lebensgefährten fast ausschließlich im Zimmer und hat dort gegessen, getrunken und geschlafen.“

Die Begegnung mit Uschi Glas hat ebenfalls Eindruck bei Slink hinterlassen: „Plötzlich stand sie vor mir und ich dachte: Ist die hübsch!“ O.W. Fischer habe häufig im Restaurant gegessen. Dessen markante österreichische Stimme habe er zuordnen können, ohne ihn zu sehen.

Zur documenta 4 im Jahr 1968 hatte sich Künstler Christo zwei Monate lang im Hotel Reiss einquartiert. „Zur documenta waren alle Zimmer von Künstlern und Publikum belegt – über 100 Tage“, sagt Slink. Christo habe sich unauffällig und ruhig verhalten, aber immer gerne gut gegessen. documenta-Gründer Arnold Bode habe seinerzeit ein Büro schräg gegenüber des Hotels an der Werner-Hilpert-Straße gehabt und sich täglich vom Restaurant mit Mittagessen beliefern lassen.

Die allermeisten prominenten Gäste seien nicht unangenehm aufgefallen. Slink selbst hat stets nur wenige Worte mit den Schauspielern gewechselt. „Das sind einfache Menschen. Die wollen nur ihre Ruhe – zumindest die echten Stars.“

Über Ausnahmen davon hüllt sich Slink diskret in Schweigen. So habe mal ein Prominenter seine Rechnungen aus dem Restaurant nicht bezahlt – aber das sei eine alte Geschichte und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Gleiches gelte für eine Begebenheit mit Politikern. „Das war halt eine andere Zeit.“

Bis 1971 arbeitete er im Hotel Reiss. Anschließend arbeitete er im Hotel Schloss Wilhelmsthal. Von 1978 bis 2002 führte er das Hotel Rothstein an der Heinrich-Schütz-Allee. (Bastian Ludwig)

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