Unbekannte haben Licht(e)wege attackiert

Vandalismus auf Weinberg: Kunst-Installation kurz und klein geschlagen

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Geschockt: Kurator Markus Hutter zeigt die drei Plattformen, wo ursprünglich die Installation des Künstlers Shige Fujishiro zu sehen war. Unbekannte haben in dem bunkerähnlichen Gebäude auf dem Weinberg fast alles kurz und klein geschlagen. 

Kassel. Der Herkules, das Freibad Wilhelmshöhe und jetzt auch noch der Weinberg: Der dritte Fall von Vandalismus wird in dieser Woche bekannt. Unbekannte haben eine Installation der Ausstellung „Licht(e)wege“ auf dem Weinberg zerstört.

Es handelt sich um die Arbeit des japanischen Künstlers Shige Fujishiro aus Hiroshima. Der Versicherungswert der Installation liegt laut Kurator Markus Hutter bei 15.000 Euro.

Die Tat passierte bereits am Samstag, 19. Juli, zwischen 16.45 und 18 Uhr. Die Macher der Ausstellung seien von der Zerstörungswut so geschockt gewesen, dass sie erst jetzt damit an die Öffentlichkeit gehen würden, sagt Hutter. „Wir hatten Angst, dass noch mehr passieren kann.“ Die Polizei sei bislang auch noch nicht informiert worden.

Das Umwelt- und Gartenamt stehe mit den Organisatoren der Ausstellung in engem Kontakt, sagt Sascha Stiebing, Sprecher der Stadt. Die Ausstellungsmacher beziehungsweise der Künstler müssten aber entscheiden, ob Anzeige erstattet wird.

Der Tatort: In dem ehemaligen Gewächshaus auf dem Weinberg war die Installation ausgestellt.

Die Täter hätten ausgerechnet die einzige Arbeit vernichtet, die in einem geschlossenen Raum gezeigt wird, sagt Hutter. Der Künstler Fujishiro hat auf hunderten Sicherheitsnadeln Glasperlen aufgefädelt und daraus eine Installation geschaffen. Diese Objekte seien die kleinteiligsten in der gesamten Ausstellung und trotzdem die mit Abstand arbeitsintensivsten, sagt Hutter.

Die Glas-Stahl-Skulpturen waren in dem ehemaligen Gewächshaus auf dem Weinberg, das heutzutage eher an eine alte Bunkeranlage erinnert, ausgestellt. Die Besucher konnten die Installation nur durch Gitter sehen.

Denn das ruinenhafte Gewächshaus ist einsturzgefährdet, sagt Hutter. Damit man die Installation dort aufstellen konnte, dafür habe man eine Sondererlaubnis eines Statikers bekommen.

Die Täter müssen sich laut Kurator also selbst in Gefahr begeben haben. Über Löcher in der Decke beziehungsweise durch die Fenster müssen sie in den Bau gelangt sein. Dort hätten sie mit einer Dachlatte, die sie zurückgelassen haben, alles kurz und klein geschlagen. Um die 25 Objekte hätten allein an den Decken gehangen. Dort hängt jetzt noch ein einzelner Schmetterling und auf dem Boden steht ein Blumentopf.

Fotos: LICHT(e)WEGE auf dem Weinberg

LICHT(e)WEGE auf dem Weinberg

Der japanische Künstler, der derzeit in Hannover lebt, habe nicht sofort anreisen können, um sich den Schaden ansehen zu können, sagt Hutter. Auch dies sei ein Grund gewesen, den Raum (Tatort) für etwa zwei Wochen zu verhüllen und die Vandalismustat geheim zu halten.

Allerdings hätten immer wieder Besucher der Ausstellung nach der Installation des Japaners gefragt. Aus diesem Grund habe man den Raum wieder sichtbar gemacht. Auf einer Tafel werden die Gäste jetzt über den Vandalismusschaden aufgeklärt.

Nur noch kleines Relikt

Shige Fujishiro hat sich nach der Begutachtung des immensen Schadens dazu entschieden, nur noch ein kleines Relikt, also den Schmetterling und den Blumentopf, seiner ursprünglichen Arbeit zu zeigen.

Die Ausstellung Licht(e)wege auf dem Weinberg ist noch bis zum 24. August, täglich von 20 bis 0.30 Uhr, geöffnet. (use)

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