Der Sohn des legendären Konrad Thurano spielt im Starclub und fand dort Freund fürs Leben

Varieté wahrt Freundschaft

Gesucht und gefunden: Claudio Funke (links) und JohnJohn Thurano waren sich auf Anhieb so sympathisch, dass Funke Thurano einlud, die Spielzeit über sein Gast zu sein. Fotos: Surina

Kassel. „Ein Tisch kann besser sein, als ein Saal mit tausend Leuten“, sagt JohnJohn Thurano nach fünf Jahrzehnten Bühnenerfahrung. Der gebürtige Südafrikaner zeigt im Starclub Jonglagen, wie sie nur einer beherrscht, der von den ganz Großen gelernt hat.

Und das hat er. Sein Vater Konrad Thurano (Jahrgang 1909) war mit 98 Jahren der älteste, aktive Artist der Welt und trat zu dieser Zeit noch in Kassel auf. 54 Jahre lang waren sie gemeinsam unterwegs.

JohnJohn wurde 1946 in Johannesburg geboren, seine Eltern emigrierten 1936 wegen des sich abzeichnenden Naziregimes in Deutschland. In Johannesburg verbrachte er seine Kindheit, während sein Vater und seine Mutter Henriette mit ihren Trapezkünsten die Welt in Staunen versetzten. Bereits mit zwölf Jahren nahm ihn sein Vater mit auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Anfangs zeigte JohnJohn zusammen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Sabine und der Mutter Waghalsiges am Trapez. Als seine Schwester einen dänischen Artisten heiratete, konzentrierte er sich mit seinem Vater auf Balanceakte am Drahtseil – von da an waren sie ein Duo, das sich bis zum Tod des Vaters 2007 nicht mehr trennen sollte.

In den 1960er-Jahren tourten sie von Griechenland über die Türkei nach Syrien und Beirut. Sechs Jahre blieben sie im Nahen Osten, gehörten zur Tischgesellschaft der Scheichs. In Japan zogen sie sich Getas (Holzsandalen) an, und zeigten ihre Kunststücke auf dem Draht. Ob ihm ein Zuhause gefehlt hat? „Nein, meine Eltern waren die Liebe selbst.“ Als 1974 Griechenland Zypern annektieren wollte, sammelte seine Mutter inmitten der Straßenkämpfe Zweige, um für die Familie ein Weihnachtsfest auszurichten. Seine Mutter starb 2004 im Alter von 95 Jahren.

Ins Erzählen sei Thurano auch vor wenigen Wochen auf dem Geburtstag von Starclub-Chef Ohlendorf gekommen, sagt Claudio Funke. Die beiden Männer waren sich auf Anhieb so sympathisch, dass Thurano seither bei Funke und seiner Lebensgefährtin in Kassels Vorderem Westen wohnt. Über seine Zeit in Las Vegas habe er berichtet. Dort verkaufte er 20 Jahre lang europäische Autos an Kunden wie Siegfried und Roy. Dass all die Geschichten über die Zusammenarbeit mit Frank Sinatra, Sammy Davis jr. und Zarah Leander in ein Leben passen, ist unglaublich. Aber eigentlich waren es auch mehrere Leben, in den all das passierte. Allem voran, das seines Vaters. Mit dem er „niemals auch nur eine Show geprobt hat“. Ihm hat JohnJohn jetzt ein Buch gewidmet: „Konrad Thurano. Beruf: Artist“, Stefanie Koch, 246 Seiten, Troste, 17,95 Euro. Ein Buch über Artistik – und die Kunst zu leben.

JohnJohn Thurano ist noch bis 5. Januar im Starclub Kassel mit seiner Tellerbalance zu sehen.

Vorstellung: Donnerstag bis Samstag 20 Uhr, sonntags 19 Uhr. Infos: www.starclub.de

Von Diana Surina

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