Arzt hält Mädchen für Opfer einer falschen Sexualerziehung

Missbrauchsprozess vorm Landgericht: Vater schaute Pornos mit Kleinkind

Kassel/Schwalm-Eder. Fünf Jahre Haft fordert die Staatsanwaltschaft Kassel für einen 51-Jährigen aus dem Schwalm-Eder-Kreis, weil er ein Mädchen in mindestens drei Fällen schwer sexuell missbraucht haben soll.

Das erste Mal vermutlich, als die Kleine sechs Jahre alt war, zuletzt 2011. Kurz danach offenbarte die damals Zwölfjährige den Missbrauch gegenüber einer Familienhelferin.

Die 49-jährige Mutter der heute 16-Jährigen soll ihre Tochter dem Mann zugeführt und die Taten mit dem Handy gefilmt haben. Der gemeinschaftliche und deshalb schwere sexuelle Missbrauch ist für die Staatsanwaltschaft nach der dreitägigen Beweisaufnahme vor der Jugendschutzkammer am Landgericht Kassel erwiesen. Sie forderte für die Angeklagte viereinhalb Jahre Haft ohne Bewährung.

Die Nebenklägerin schloss sich dieser Forderung an, die Verteidiger kommen heute zu Wort. Die Anwältin der jungen Frau plädierte wie der Staatsanwalt unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um die Persönlichkeitsrechte der jungen Frau nicht zu verletzen. Auch sie selbst war am ersten Verhandlungstag zu den Vorgängen befragt worden.

Bei seiner ersten Begegnung 2013 habe er „ein hochgradig gestörtes Mädchen“ kennengelernt, sagte am Donnerstag ein Sachverständiger. Der Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, der in einer Marburger Klinik arbeitete, in der die damals 13-Jährige behandelt wurde, stufte ihre Aussagen als „glaubwürdig“ ein. Durch ein „ hypersexualisiertes Erziehungsmilieu“ könne es wirklich so sein, dass die zu der Zeit Sechsjährige bei der ersten Tat „neugierig“ gewesen sei. Die „Initialzündung“ für das gestörte Verhalten des Kindes sei durch den Vater gesetzt worden, der schon mit dem Kindergartenkind Pornos angeschaut habe. Der Arzt vor Gericht: „Das gehört eigentlich bestraft.“

Gegenüber der Familienhelferin, bei der Polizei, in der Klinik und auch vor Gericht sei die Jugendliche in ihren Kernaussagen konstant geblieben. Sie beschrieb sexuelle Stimulationen am Geschlechtsteil des 51-Jährigen, bestätigte, dass die Mutter „immer dabei“ gewesen sei, sie das Geschehen gefilmt habe und der Angeklagte dabei schlief, oder aber es zumindest „so aussah als ob“. Von einem anderen Sachverständigen wurde die Aussage des Angeklagten, er habe geschlafen und nichts mitbekommen, als Schutzbehauptung gewertet. Auch das Mädchen sei von ihrer Mutter „instruiert“ worden, das darzustellen, sagte der Kinderpsychiater.

Wortreich hatte die 49-Jährige gestern ihre Darstellung erneuert, dass der Angeklagte von nichts gewusst habe, „weil er nicht wach war, er hat nichts mitgekriegt“. Den Missbrauch im September 2009, den sie mit dem Handy filmte, gestand sie aber: „Ich hab’s abgebrochen, weil ich dann dachte: Mit Minderjährigen tut man so was nicht.“ (and)

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