System prüft auf Unregelmäßigkeiten

Kasseler entwickeln Software: Mit "Veli" sollen Senioren länger selbstständig leben

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Länger selbstständig in den eigenen vier Wänden leben: Das soll die Software "Veli" ermöglichen.

Die Kasseler Tim Weiß und Joost Fähser haben Unterstützungs-Software "Veli" für ältere Menschen entwickelt.

"Veli" erkennt, wenn eine Herdplatte länger als gewöhnlich eingeschaltet ist, wenn das Wasser in der Dusche zu lange läuft oder wenn morgens die Kaffeemaschine und der Toaster nicht wie sonst eingeschaltet werden. Veli ist nicht etwa eine Haushaltshilfe, sondern eine Software, die zwei Kasseler, Tim Weiß und Joost Fähser, speziell für ältere Menschen entwickelt haben.

Joost Fähser (26) hat Produktdesign studiert.

„Sie überprüft Energiedaten wie Strom, Wasser und Gas in Haushalten und analysiert diese“, erklärt Weiß. Aus diesen Informationen erstellt die Software ein tägliches Profil für die jeweiligen Wohnungen und prüft, ob es Unregelmäßigkeiten gibt. „Falls es untypische Ausschläge gibt, wird eine Alarmmeldung an das Deutsche Rote Kreuz (DRK) abgesetzt“, erläutert Fähser. Der DRK Kreisverband Kassel-Wolfhagen ist der Kooperationspartner der beiden jungen Männer.

„Veli“ – das bedeutet Beschützer im Arabischen und beschreibt, was die Entwickler mit ihrer Software erreichen wollen: Sie soll eine Ergänzung zu dem roten Knopf sein, den bereits viele ältere Menschen ums Handgelenk tragen und drücken können, falls sie in Not sind.

Tim Weiß (30) hat Umweltingenieurwesen studiert.

„Das Programm ist prinzipiell dazu da, älteren Menschen zu ermöglichen, länger selbstständig und nicht in einem Altersheim zu leben.“ Bis jetzt ist die Software bei Weiß zuhause und einer weiteren Wohnung eingebaut. Die erste Idee zu „Veli“ kam Anfang 2017 auf. Ein Team um Weiß im Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse der Uni wollte herausfinden, welche Schlüsse man noch aus Energiedaten im Haushalt ziehen kann. Damals noch ein Einzelkämpfer war der 30-Jährige dankbar, dass er sieben Monate später auf die Unterstützung von Produktdesigner Fähser setzen konnte.

Seit Anfang 2019 werden die jungen Männer vom Hessen-Ideen-Stipendium unterstützt. „Der Austausch mit den anderen Gründerteams und die Diskussion von ähnlichen Problemen, ist extrem viel wert“, sagt Fähser. Sie sind dankbar für die Chance, sich dank der Förderung ganz ihrem Gründungsvorhaben widmen zu können. „Die Software ist gerade unser Plan A im Leben“, sagt Weiß. Das Risiko, dass das Projekt in der Realität nicht funktioniert und bei den Nutzern nicht ankommt, sei natürlich da. Doch die beiden gehen optimistisch an ihr Projekt heran. „Unser Ziel ist es, in einem Jahr zu gründen, um dann auch davon leben zu können“, erklärt Weiß.

Bis es dazu kommt, gibt es für die zwei jungen Männer noch einiges zu tun. Zunächst einmal muss die Software von der Testphase ins echte Leben. Natürlich soll „Veli“ auch an der Zielgruppe getestet werden. Deswegen wird die Software in den nächsten Monaten an zehn weitere Haushalte angeschlossen.

Die Kontakte zu den potenziellen Kunden wollen Weiß und Fähser mit Hilfe des DRK aufbauen. Sie hoffen, dass die älteren Menschen ihre Daten für die Testläufe zur Verfügung stellen und versichern, dass mit den Informationen sorgfältig umgegangen wird. Verkauft wird die Software dann an das DRK, die es dann den Endkunden zur Verfügung stellen.

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