Heute offizielle Abschiedsfeier

Verabschiedung von Uni-Präsident Postlep: "Wirklich gut gelaufen"

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Prof. Rolf-Dieter Postlep

Kassel. Nach 15 Jahren als Präsident der Uni Kassel wird Prof. Rolf-Dieter Postlep heute mit einem Festakt auf dem Campus, zu dem 700 Gäste erwartet werden, offiziell verabschiedet.

Schluss ist für den 69-Jährigen allerdings erst Ende September. Wir sprachen mit dem scheidenden Präsidenten.

Vor 15 Jahren sind Sie mit denkbar knapper Mehrheit zum Präsidenten gewählt worden. Heute würde man Sie am liebsten gar nicht mehr gehen lassen. Was ist das Geheimnis Ihrer Präsidentschaft?

Rolf-Dieter Postlep: Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich der Vorstellung, die sich viele von einem Uni-Präsidenten machen, nicht entspreche. Ich rede bewusst ziemlich einfach, damit mich jeder versteht. Ich bin offen für jeden, der ernsthaft ein Anliegen hat. Ob Professor, Professorin, Studierende oder Sekretärin - da mache ich keinen Unterschied. Aus meiner Sicht ist das selbstverständlich.

Als Sie anfingen, trug die Uni noch die Gesamthochschule im Namen und hatte 17.000 Studenten. Heute sind es 24.000. Was waren die Gründe für die rasante Entwicklung? 

Postlep: Das Profil der Hochschule mit Themen wie Ökologische Agrarwissenschaften, Regenerative Energien oder Umweltingenieurwesen war und ist zukunftsweisend. Unsere Themen haben gesellschaftliche Relevanz und einen hohen Anwendungsbezug. Das gilt für die Lehrerbildung oder den Bereich Sozialwesen genauso wie für die Kunststoff- und die Gießereitechnik, wo wir mit regionalen Anwendern wie B. Braun und VW zusammenarbeiten. Wir fühlen uns als integraler Bestandteil der Region und haben auch Verantwortung für deren Entwicklung übernommen. So hat sich das Image der Hochschule sukzessive verbessert.

Auch den Ausbau der Hochschule haben Sie vorangetrieben. Wie fühlt es sich an, wenn Sie heute aus Ihrem Fenster die vielen Neubauten auf dem Campus sehen? 

Postlep: (lacht) Ich bin nicht unzufrieden. Oft werde ich nach den Meilensteinen der vergangenen 15 Jahre gefragt. Die gibt es eigentlich nicht. Es ist der gesamte Weg, der gut gelaufen ist. Vieles, was ich mir bei meinem Amtsantritt vorgenommen habe, konnte ich einlösen. In dieser Dynamik hätte ich es mir damals allerdings nicht träumen lassen.

Heute werden Sie verabschiedet, aber es liegen noch drei Monate Arbeit vor Ihnen. Was haben Sie sich noch vorgenommen? 

Postlep: Ich habe noch das volle, reguläre Programm bis zum 30. September. Wir sind mitten in den Verhandlungen mit dem Land über das Bauprogramm Heureka II. Mein Ziel dabei ist, noch die Finanzierung des ersten Bauabschnitts für den Umzug der Naturwissenschaften und für die Sanierung der Kunsthochschule zu regeln. Ich würde mich freuen, wenn die Landesregierung dazu bis September noch eine klare Aussage trifft.

Was sind die größten Herausforderungen bei der weiteren Entwicklung der Uni? 

Postlep: Das Haus ist gut aufgestellt. Die finanzielle Situation in den nächsten fünf Jahren ist gesichert. Die Bauplanung ist klar, es wird darum gehen, die weitere Finanzierung sicherzustellen. Ein Problem aller Hochschulen bleibt, dass zu einem großen Teil temporäre Mittel zur Verfügung gestellt werden. Das macht eine dauerhafte Planung schwierig. Auch beim Einwerben von Forschungsdrittmitteln wird der Wettbewerbsdruck hoch bleiben. Wenn man Forschungsexzellenz vorweisen will, muss man sich auf manche Felder konzentrieren. Gleichzeitig gilt es, für die Lehre möglichst breit aufgestellt zu bleiben. In diesem Spannungsfeld bewegen sich alle Universitäten. Dass wir die neue Uni-Leitung austarieren müssen, das ist dann nicht mehr meine Aufgabe.

Nach dem Präsidentenamt ist für Sie vor dem Präsidentenamt. Sie wechseln direkt im Anschluss an die Spitze der Akademie für Raumforschung und Landesplanung in Hannover. Können Sie es nicht lassen? 

Postlep: Es ist eine neue Herausforderung, auf die ich mich freue. Es macht den Übergang leichter. Die neue Aufgabe ist aber, was Verantwortung, Aufwand und Belastung angeht, nicht annähernd vergleichbar mit der Uni-Präsidentschaft. Ich muss dafür auch nicht nach Hannover ziehen. Inhaltlich werde ich mich mit dem Thema Hochschulen und Regionalentwicklung beschäftigen, da kann ich meine Erfahrungen in Kassel gut einbringen.

Werden Sie also in Kassel bleiben? 

Postlep: Auf jeden Fall! Kassel ist unsere Stadt. Meine Frau und ich kennen hier viele Menschen und fühlen uns richtig wohl. Wenn jemand auf Kassel schimpft, dann werden wir inzwischen sogar richtig giftig.

Und wenn Sie endgültig in den Ruhestand gehen - was kommt dann? 

Postlep: Nicht die berühmte Weltreise (lacht). Ich mache mir darüber ehrlich gesagt keine Gedanken. Es kommen noch so viele Dinge auf mich zu. Ich fühle mich kein bisschen müde.

Zur Person:

Lexikonwissen:

Weitere Informationen zu Rolf-Dieter Postlep gibt es im Regiowiki.

Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep (69) ist seit dem Jahr 2000 Präsident der Uni Kassel. Der gebürtige Wolfsburger machte nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Frankfurt. Dann studierte er Volkswirtschaft in Marburg, wo er auch seine Promotion und Habilitation ablegte. Eine Gastprofessur führte ihn 1992 erstmals nach Kassel. 1994 wurde er Abteilungsleiter am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und nahm parallel einen Lehrauftrag an der Uni Potsdam wahr. 1996 ging er als Leiter des Fachgebietes Allgemeine Wirtschaftspolitik zurück nach Kassel. Rolf-Dieter Postlep ist seit 46 Jahren mit seiner Frau Marion verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. Er ist leidenschaftlicher Fußballfan. Sein Nachfolger als Uni-Präsident wird ab Oktober Prof. Dr. Rainer Finkeldey, der von der Uni Göttingen nach Kassel kommt.

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