Ab 2013 fordert Verwertungsgesellschaft mehr Geld für Musiknutzung – Auch Zissel soll mehr zahlen

Neue Gema-Regeln: Veranstaltern vergeht die Partylaune

Teures Vergnügen: Für Mega-Partys wie das Discofestival in den Messehallen sollen die Veranstalter künftig mehr Gema-Gebühren zahlen. Dies könnte sich auf den Eintritt niederschlagen. Foto: Malmus

Kassel. An den Disco-Kassen könnte es für die Gäste kommendes Jahr teurer werden: Ursache ist die Musikverwertungsgesellschaft Gema, die ihre Gebühren ab Januar 2013 neu ordnet: Für große Veranstaltungen sollen mehr Gebühren fällig werden, für kleine weniger.

Nach dem Widerstand von Disco-Betreibern, Gastronomen und weiterer Veranstalter werden die Pläne zwar derzeit in einem Schiedsstellenverfahren überprüft, die Branche ist aber in Sorge. Reine Konzerte sind von der Reform nicht betroffen.

„Die Gema zieht schon jetzt ’ne Kohle, das ist abnormal“, sagt Rainer Reichert, Chef des Musikparks A7. Für seine Discothek zahle er derzeit 30 000 Euro Gema-Gebühren pro Jahr. Sollten die Gema mit ihren Plänen durchkommen, hätte dies für seine Großraum-Discothek eine Vervielfachung der Gebühr zur Folge. Zudem seien die Kontrollen der Gema-Mitarbeiter verschärft worden: „Wir hatten einen Kontrolleur im A7, der hat im normalen Betrieb mit einem Lasergerät die Tanzfläche vermessen“, sagt Reichert.

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Volksfeste und Diskos fürchten wegen Gema-Kosten um ihre Existenz

Georg Brechtken, Geschäftsführer der Discotheken New York, Soda und Club 22, ist seit 15 Jahren im Geschäft. Zu Beginn habe er wenige Tausend Euro Gebühren im Jahr bezahlt, inzwischen seien es mehrere Zehntausend Euro. „Sollte es nun eine weitere Gebührenerhöhung geben, müssen wir diese auf die Kunden umlegen“, sagt Brechtken. Es könne nicht sein, dass die Gema durch eine weitere Belastung der Gastronomen versuche, die Ausfälle bei den zurückgehenden Tonträger-Verkäufen zu kompensieren. „Uns droht eine Verdreifachung der Gebühr“, sagt Joachim Batke vom Kasseler Musiktheater, der für seine Discothek bislang 10 000 Euro für das Recht bezahlt, öffentlich Musik spielen zu dürfen. Batke setzt seine Hoffnungen auf das Schiedsverfahren.

Neben den Discotheken trifft die Gema-Reform auch die Volksfeste: „Das schwebt wie ein Damoklesschwert über uns“, sagt Karsten Fahlbusch, der für die Finanzen beim Zissel zuständig ist.

Wie andere Volksfeste verhandele der Zissel jedes Jahr eine Pauschale mit der Verwertungsgesellschaft. „Vergangenes Jahr waren es 10 000 Euro, dieses Jahr zahlen wir 11 000 Euro, das sind schon jetzt zehn Prozent unseres Budgets. Mit der Reform droht uns eine Verdoppelung“, sagt Fahlbusch. Sollte es so weit kommen, bedeute dies sicherlich das Aus für das Volksfest. Im Herbst werde mit der Gema über den Zissel 2013 verhandelt.

„Dass es für viele teurer wird, haben wir nie verschwiegen. Für kleine Kneipen etwa wird es aber günstiger“, sagt Peter Hempel, Sprecher der Gema. Ein Grund für die Reform sei, dass für große Veranstaltungen im Vergleich zu kleinen bisher unverhältnismäßig wenig Gebühren erhoben worden seien.

Von Bastian Ludwig

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