Verbindung zu Hells Angels: Türsteher sollen Mann aufgelauert haben 

Drohgebärde auf dem Rücken: Die Kutte der berüchtigten Hells Angels ziert ein Totenkopf mit Flügeln. In Kassel wurden gestern unter strengen Sicherheitsvorkehrungen drei Männer verurteilt, die der Rockergruppe angehören sollen. Foto:  dpa

Kassel. Konflikte im Rotlichtmilieu werden nicht immer in dunklen Hinterzimmern ausgetragen. Vor dem Amtsgericht Kassel ging es am Mittwoch um einen Vorfall, der am helllichten Tag auf dem Parkplatz eines Bergshäuser Möbelmarktes spielte.

Drei Türsteher sollen einem Mann aufgelauert und 8000 Euro gefordert haben. Sie wurden wegen versuchter gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt. Weil zwei von ihnen dem berüchtigten Motorradclub Hells Angels angehören sollen, fand die Verhandlung unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Bei dem Vorfall im September 2009 sollen die Männer das Auto des in Kassel lebenden Opfers zugeparkt und sich bedrohlich vor ihm aufgebaut haben. Hintergrund waren demnach Schulden, die der Vater des Opfers bei dem mutmaßlichen Haupttäter, einem 38-Jährigen aus dem Main-Kinzig-Kreis, gehabt haben soll. Vater wie Sohn sind regionale Rotlichtgrößen. Weil die Angeklagten an den Vater nicht herankamen, versuchten sie ihre Ansprüche beim Sohn geltend zu machen - so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft.

Die Verteidiger sprachen dagegen von einem zufälligen Zusammentreffen auf dem Parkplatz, ohne Gewalt und ohne jede Bedrohung. So habe niemand den 34-Jährigen daran gehindert, sich in den Möbelmarkt zu begeben. Hier hatte er dann die Polizei gerufen. Dieser für „jemanden aus dem Milieu“ eher ungewöhnliche Schritt mache das Opfer umso glaubwürdiger, betonte Staatsanwalt Niels Hauth.

Auch das Gericht hielt die Angaben des Opfers für glaubhaft und ging von einem bewussten Einschüchterungsversuch durch die Angeklagten aus, mit dem Ziel, das Opfer zur Zahlung zu bewegen. „Das waren drei kräftige Männer gegen einen weniger kräftigen“, sagte Richterin Focke mit Blick auf die durchtrainierten Türsteher. Es handele sich aber um einen minderschweren Fall der versuchten räuberischen Erpressung, weil die Bedrohung eher mäßig ausgefallen sei.

Haupttäter droht Gefängnis

Der Haupttäter wurde zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er ist bereits einschlägig vorbelastet, unter anderem wegen einer Strafaktion gegen einen Hells-Angels-Aussteiger. Sollte das gestrige Urteil rechtskräftig werden, drohen ihm weitere zwei Jahre Haft aus dieser Sache, die bislang zur Bewährung ausgesetzt waren.

Die beiden anderen Angeklagten kamen mit Bewährungsstrafen von zehn beziehungsweise zwölf Monaten davon. Als Auflage müssen sie jeweils 1000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. (psü)

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