Verwaltungsgericht gibt Land Hessen recht: Justizvollzugsbeamtin (31) wurde aus Dienst entlassen

Verbotene Liebe im Frauenknast - Beamtin entlassen

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Liebe hinter Gittern: Die Justizvollzugsbeamtin begann mit einer Inhaftierten im Kaufunger Frauengefängnis ein Verhältnis.

Kassel / Kaufungen. Eine 31-jährige Justizvollzugsbeamtin, die im Kaufunger Frauengefängnis ein intimes Verhältnis mit einer Gefangenen hatte, ist aus dem Beamtenverhältnis entlassen worden.

Die Disziplinarkammer des Verwaltungsgerichts Kassel hat am Dienstag einer Klage des Landes Hessen, Dienstherr der Frau, stattgegeben.

Die Disziplinarkammer unter dem Vorsitz von Richter Rolf Seggelke hatte das Verhalten der jungen Frau als „schwerwiegenden Verstoß gegen die Dienst- und Sicherheitsvorschriften für den Justizvollzug“ gewertet. Die Beamtin habe charakterliche Mängel gezeigt, die sie für den Dienst in einer JVA ungeeignet erscheinen ließen.

Die Frau hatte vor Gericht eingeräumt, dass sie im Jahr 2008 ein intimes Verhältnis zu der drogenabhängigen Inhaftierten eingegangen sei. Sie habe sich in einer Ausnahmesituation befunden, ihr damaliger Lebensgefährte habe ihr „psychische und physische Gewalt“ angetan.

Plötzlich habe sie sich in die Strafgefangene, die ihre Nähe gesucht habe, verliebt. „Von einem auf den anderen Tag war sie für mich der tollste Mensch der Welt“, versuchte die Frau ihr Handeln zu erklären. Aus heutiger Sicht könne sie sich ihr Verhalten auch nicht mehr erklären.

Das Verwaltungsgericht lastete der Frau aber nicht nur an, dass sie hinter Gittern ein verbotenes Liebesverhältnis eingegangen ist. Sie habe sich auch nicht korrekt verhalten, als ihre drogenabhängige Freundin mit der Auflage aus Kaufungen entlassen wurde, sich in eine Therapie zu begeben.

Hotel statt Therapie

Obwohl der Justizvollzugsbeamtin bekannt war, dass ihre Freundin umgehend zur Therapie nach Frankfurt sollte, setzten beide in Kassel ihr Verhältnis fort. Sie verbrachten die nächsten Tage gemeinsam in einem Hotel.

Die 31-Jährige erklärte am Dienstag, dass sie damals immerhin die zuständige Rechtspflegerin beim Kasseler Amtsgericht informiert habe, dass die Gefangene die Therapie nicht angetreten habe. Das Gericht habe ihr dann noch eine Woche Frist eingeräumt. Doch auch nach Ablauf der Woche meldete sich die drogenabhängige Frau nicht zur Therapie. Beide Frauen hätten stattdessen die Dinge laufen lassen.

Das ging so lange gut, bis die mittlerweile mit einem Vollstreckungshaftbefehl Gesuchte in der Kasseler Innenstadt erwischt wurde, als sie wieder Drogen kaufen wollte. Die 31-jährige Beamtin, die bereits im März 2009 aus dem Dienst entlassen worden war, erklärte, dass sie gern wieder in einer JVA arbeiten würde.

Diesen Wunsch erfüllte das Gericht nicht. Auch nicht mit Blick auf die privaten Probleme, die die Frau damals gehabt habe. In einem Gefängnis müssten die Sicherheit und die notwendige Distanz der Bediensteten zu den Inhaftierten auch unter solchen Umständen gewährleistet sein. Wenn der Dienstherr der Beamtin nicht mehr uneingeschränkt vertrauen könne, sei die Grundlage für die Fortsetzung des Beamtenverhältnisses nicht mehr gegeben.

Gegen das Urteil ist eine Berufung möglich.

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