Arzneihandel im Stall: Kontrolleure haben Tierärzte im Visier

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Kassel. Wer als Landwirt sein Geld mit Schweine- oder Rindermast verdient, steht meist unter großem Kostendruck. Da versuchen einige, bei den Tierarztkosten zu sparen: Sie treffen illegale Absprachen mit Veterinären, die ihnen auf Vorrat größere Mengen Tierarznei verkaufen.

Damit behandeln die Mäster ihr Vieh dann selbst, ohne dass ein Mediziner die kranken Tiere je gesehen hat. Das aber ist verboten – und bei Tieren, die zum Verzehr bestimmt sind, sogar eine Straftat. Das Tiermedikamenten-Kontrollteam beim Regierungspräsidium (RP) Kassel verfolgt jedes Jahr ein Dutzend Fälle, in die Veterinäre aus der Region verwickelt sind.

Immer wieder fallen in Nordhessen auch so genannte Autobahn-Tierärzte auf – das sind bundesweit tätige Veterinäre, die in großem Stil Mastbetriebe versorgen, ohne die Anwendung der Arznei zu kontrollieren. Das Geschäft ist für beide Seiten lukrativ: Der Bauer spart Behandlungskosten, der Tierarzt, der in diesem Fall eher ein Medikamentenhändler ist, maximiert seinen Profit. Während örtliche Tierärzte oft aus Verständnis für die Lage der Landwirte mehr Medikamente abgäben als zulässig, stecke hinter den Geschäften der Autobahn-Veterinäre nicht selten kriminelle Energie, sagt Dr. Ingo Franz, Leiter des Veterinärdezernats beim RP.

Als jüngster Fall wurde bei der Behörde ein Tierarzt aus Nordrhein-Westfalen auffällig, der mit mindestens drei Mastbetrieben in dieser Region einen schwunghaften Arzneihandel betrieben hat. Bei der Landestierärztekammer Hessen will man von solchen Praktiken keine Kenntnis haben. Kammerpräsident Prof. Alexander Herzog sagte auf Anfrage, ihm seien keine einschlägigen Fälle aus dem Bereich des RP Kassel bekannt. „Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nur abgegeben werden, wenn vorher eine Untersuchung einzelner Tiere oder des Bestandes durchgeführt wurde“, teilte Herzog mit. (asz)

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