Polizei macht Sport- und Entspannungsangebote, um Belegschaft gesund zu halten

Fit bei der Verbrecherjagd

Fitness ist Pflicht: Im Kraftraum der Polizei leitet Polizeihauptkommissar Hans Clobes die Beamten an. Beim Training sind gerade die Polizeioberkommissare Frank Blum (vorn beim Bankdrücken) und Norbert Metzler. Das Bild entstand im Trainingszentrum der Polizei in Baunatal. Foto: Koch /Porträtfotos: Rudolph

Kassel. Ein gesundes Kollegium wünscht sich jeder Arbeitgeber. Bei der Polizei sind Fitness und Leistungsfähigkeit aber besonders wichtig. Schließlich kann es nicht sein, dass ein Polizist nach 100 Metern Verfolgungsjagd außer Puste kommt und den Verbrecher laufen lässt.

„Der Polizeiberuf ist körperlich und psychisch oft belastend“, sagt Bernd Paul, Vizepräsident am Polizeipräsidium Nordhessen. Deshalb gibt es für die 2000 Mitarbeiter seit vier Jahren ein Sport- und Gesundheitsangebot. Es umfasst mittlerweile 16 Sportarten von Badminton über Rudern und Schwimmen bis Walking.

Die Teilnahme ist freiwillig. Dennoch ist Fitness bei der Polizei Pflicht, betont Paul. Auch Kollegen, die überwiegend am Schreibtisch säßen, müssen jederzeit einsatzbereit sein – falls bei schweren Verbrechen eine umfangreiche Sonderkommission nötig ist oder ein Großeinsatz ansteht. Selbst Pressesprecher müssen zum Schießtraining, und auch Ermittler - ebenfalls in erster Linie Kopfarbeiter - müssen Muskeln und Kondition trainieren.

In neuen Revieren würden Fitnessräume inzwischen von vornherein eingebaut, sagt Paul. „Im Revier Ost gibt es im Keller ein Ergometer, Gewichte und andere Trainingsgeräte.“ Die Beamten am Polizeipräsidium in Kassel hätten allerdings keine eigene Sporthalle, sondern nutzten die Anlagen der Bereitschaftspolizei an der Frankfurter Straße. Einige Kurse finden auch in Schulturnhallen statt.

Neben den Sportangeboten gibt es Kurse zur Entspannung und Stressbewältigung. Nach belastenden Aufgaben sei es wichtig, dass die Kollegen den Kopf freikriegen, weiß der Polizeivizepräsident. „Wenn sie fünf Stunden einen Kinderschänder vernommen haben oder einer Mutter eine Todesnachricht überbringen müssen, geht das nicht spurlos an ihnen vorüber.“ Mit einem Grinsen fügt Paul hinzu: „Es kann natürlich auch sein, dass einer seinen Frust abbauen muss, weil er sich über den Chef geärgert hat.“

Ein Großteil der Beamten am Polizeipräsidium arbeitet im Schichtdienst. Das bedeute eine zusätzliche Belastung, sagt Renate Bauer, Gesundheitsmanagerin der nordhessischen Polizei. „Der Tag-Nacht-Rhythmus und auch die Essgewohnheiten kommen durcheinander.“ Tipps zur richtigen Ernährung gehörten daher auch zum Gesundheitsprogramm der Polizei. „Ein Schnitzel bekommt einem um 3 Uhr nachts eben nicht so gut wie am Mittag.“

Ein Schmerbäuchlein können sich am wenigsten die Beamten der Spezialeinheiten leisten. Für sie gehört das Training selbstverständlich zum Arbeitsalltag. „Sie halten sich Tag für Tag fit, damit sie, wenn es beim Einsatz hart auf hart kommt, alles geben können“, sagt Renate Bauer. Aber auch bei anderen Beamten sei es selten, dass jemand völlig aus dem Leim gehe. Darauf zu achten, dass es so weit erst gar nicht kommt, sei auch Aufgabe der Vorgesetzten, sagt Paul, der selbst regelmäßig zehn Kilometer und mehr läuft. Sport ist bei der Polizei auch Chefsache.

Von Katja Rudolph

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