Er soll 200.000 Euro unrechtmäßig einbehalten haben

Verdacht der Untreue: Anklage gegen Kommunalpolitiker Dr. Bernd Hoppe erhoben

Bernd Hoppe

Kassel. Gegen den Kasseler Anwalt und Kommunalpolitiker Dr. Bernd Hoppe (56) hat die Staatsanwaltschaft Kassel Anklage wegen des Verdachts der Untreue erhoben. Außerdem soll er Gebühren erhoben haben, die gar nicht angefallen waren.

Ohne Hoppes Namen zu nennen, bestätigt die Staatsanwaltschaft Kassel gegenüber der HNA, dass Anklage gegen einen selbstständigen Rechtsanwalt aus Kassel erhoben worden ist.

Hoppe, der bei der Oberbürgermeisterwahl im März dieses Jahres als Kandidat der Freien Wähler angetreten war, steht im Verdacht, zwischen März 2012 und September 2015 Geldbeträge, die er als Anwalt bekommen hat, nicht pflichtgemäß verwandt zu haben. Konkret soll er das Geld nicht an Mandanten weitergeleitet haben.

Insgesamt geht es um 200 000 Euro, die Hoppe unrechtmäßig einbehalten haben soll. Das Geld stammt aus drei Mandatsverhältnissen, in denen Hoppe in einer erbrechtlichen Angelegenheit oder als Testamentsvollstrecker tätig geworden war. Außerdem habe er Geld von einer Versicherung gefordert. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer „treuwidrigen Verwendung“.

Darüber hinaus soll Hoppe in einem anderen Mandatsverhältnis eine überhöhte Rechnung an eine Mandantin gestellt haben. Die Rechnung habe eine Verfahrensgebühr und einen Gerichtskostenvorschuss beinhaltet, obwohl dieser gar nicht erhoben worden sein soll. Der Anwalt soll dadurch von der Mandantin unberechtigt rund 6900 Euro kassiert haben.

Die Elfte Strafkammer des Landgerichts Kassel hat bislang über eine Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens noch nicht entschieden. Hoppe gab zu den Anschuldigungen keine Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung ab.

Bis zu fünf Jahre Haft möglich

Dass sich der Kasseler Anwalt und Kommunalpolitiker Dr. Bernd Hoppe auf der Anklagebank des Landgerichts verantworten muss, sollte die elfte Strafkammer die Anklage zulassen, ist auf einen Streit mit Mandanten zurückzuführen. Es geht dabei um viel Geld. Die Staatsanwaltschaft Kassel wirft Hoppe unter anderem Untreue vor.

Es war im Jahr 2012, als Hoppe in Paderborn, wo er auch eine Kanzlei hat, eine Mandantschaft in einem Erbstreit übernahm. Es ging, kurz gesagt, um einen Pflichtteil, um den die Verwandten des Verstorbenen bangten. Die leben in Kanada und konnten sich nicht so richtig um die Sache kümmern. Deshalb beauftragten sie Hoppe – und hörten lange Zeit nichts.

Erst, als sich in Deutschland ein Verwandter um die Angelegenheit kümmerte, kamen lauter Merkwürdigkeiten ans Tageslicht. Offenbar war bereits Geld geflossen – viel Geld. Allerdings nicht nach Kanada, sondern auf das Konto von Anwalt Hoppe.

Die Erbberechtigten wandten sich an die Anwaltskammer. Erst durch ein danach von der Kammer eingeleitetes Ermittlungsverfahren erfuhren sie, dass längst Geld an ihren Anwalt geflossen war. Die Anwaltskammer wurde ebenfalls wegen des merkwürdigen Verhaltens ihres Mitglieds Hoppe eingeschaltet. Die informierte die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main, die für anwaltsgerichtliche Ermittlungsverfahren zuständig ist. Da geht es dann um die Zulassung, also um die berufliche Zukunft des Juristen.

Von der zuständigen Oberstaatsanwältin der Generalstaatsanwaltschaft hatten die Erben im September 2016 erfahren, dass die Ermittlungen gegen Hoppe noch andauern.

Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main erklärte gegenüber der HNA, dass seine Behörde die Namen von Personen, gegen die Ermittlungen geführt werden, grundsätzlich weder nenne noch bestätige. Er gab nur eine allgemeine Auskunft zu berufsgerichtlichen Verfahren.

Gibt es gegen eine Person ein strafrechtliches Verfahren, werde das berufsgerichtliche zunächst ausgesetzt. Dann warte die Generalstaatsanwaltschaft auch das Ergebnis der strafrechtlichen Ermittlungen ab.

Es gebe keine feste Größenordnung dafür, wann ein Anwalt seine Zulassung verliere. Da werde jeder Einzelfall genau überprüft. Es gebe allerdings Richtwerte: Werde ein Anwalt zu einer Freiheitsstrafe über einem Jahr verurteilt, dann werde es schon eng.

Für Untreue kann man laut Strafgesetzbuch (Paragraf 266) mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe verurteilt werden.

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