Anwalt und Kommunalpolitiker aus Kassel

Verdacht der Untreue: Ermittlungen gegen Bernd Hoppe

Bernd Hoppe

Kassel. Gegen den Kasseler Anwalt und Kommunalpolitiker Dr. Bernd Hoppe ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue.

Zudem gibt es gegen den Juristen ein anwaltsgerichtliches Ermittlungsverfahren bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Das geht aus verschiedenen Unterlagen vor, die der HNA vorliegen.

Die Vorwürfe gegen den 56-jährigen Hoppe, der bei der Kasseler Oberbürgermeisterwahl im März als Kandidat der Freien Wähler angetreten war, wiegen schwer. Er soll Geld von zwei Mandanten, das ihm in einer Erbstreitigkeit auf sein Konto überwiesen worden war, über Jahre einbehalten haben. Dabei soll es sich um eine Summe von 140.000 Euro handeln.

Die Angelegenheit beschäftigt auch das Kasseler Landgericht. Am 17. Mai wird es einen ersten Zivilprozess gegen Hoppe geben. Eine seiner Ex-Mandantinnen fordert 70.000 Euro. Ein Termin für die zweite Ex-Mandantin, die ebenfalls 70.000 Euro fordert, steht noch aus.

Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, bestätigt, dass die Behörde in einem Strafverfahren gegen einen Rechtsanwalt aus Kassel wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Laut Wied geht es um die Verwendung von Geldern, die der Betroffene als Vertreter für seine Mandantschaft anlässlich einer Erbstreitigkeit vereinnahmt hat, dann aber nicht weitergeleitet haben soll.

Die HNA hat mehrfach per Telefon und Mail versucht, von Hoppe eine Stellungnahme zu erhalten. Er äußerte sich aber zu den Vorwürfen nicht.

Die Erben haben inzwischen den Paderborner Rechtsanwalt Stefan Kattelmann eingeschaltet. Der ließ, um an das Geld zu kommen, Zwangssicherungshypotheken für zwei Eigentumswohnungen von Hoppe eintragen.

Es begann im Jahr 2012

Es war im Jahr 2012, als der Kasseler Anwalt Dr. Bernd Hoppe in Paderborn eine Mandantschaft in einem Erbstreit übernahm. Hoppe hat auch in Paderborn eine Kanzlei. Es ging, kurz gesagt, um einen Pflichtteil, um den die Verwandten des Verstorbenen bangten. Die leben in Kanada und konnten sich nicht so richtig um die Sache kümmern. Deshalb beauftragten sie Dr. Bernd Hoppe – und hörten lange Zeit nichts. 

Erst, als sich in Deutschland ein Verwandter um die Angelegenheit kümmerte, kamen lauter Merkwürdigkeiten ans Tageslicht. Offenbar war bereits Geld geflossen – viel Geld. Allerdings nicht nach Kanada, sondern auf das Konto von Dr. Bernd Hoppe. Den Erbberechtigten platzte der Kragen. Sie wandten sich an die Anwaltskammer. Erst durch ein danach von der Kammer eingeleitetes Ermittlungsverfahren erfuhren sie, dass längst Geld an ihren Anwalt geflossen war. 

Die Erben schalteten den Paderborner Rechtsanwalt Stefan Kattelmann ein. Der, so sagt er gegenüber der HNA, sprach auch ganz ruhig mit Hoppe über die Angelegenheit. Hoppe habe in diesen Gesprächen letztlich auch nichts bestritten. Hoppe habe versichert, zu zahlen. Bis zum 31. März 2017 wollte er die insgesamt 140.000 Euro plus Zinsen und Kosten überweisen, habe er erklärt, sagt Kattelmann. Hoppe habe aber auch erklärt, dass er sich in einem Prozess verteidigen werde. 

An Geld flossen bisher nur zwei Zahlungen von jeweils 5000 Euro an. Die Anwaltskammer wurde ebenfalls wegen des merkwürdigen Verhaltens ihres Mitglieds Hoppe eingeschaltet. Die informierte die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main, die für anwaltsgerichtliche Ermittlungsverfahren zuständig ist. Da geht es dann um die Zulassung, also um die berufliche Zukunft des Juristen.

Von der zuständigen Oberstaatsanwältin der Generalstaatsanwaltschaft hatten die Erben im September 2016 erfahren, dass die Ermittlungen gegen Hoppe noch andauern. Um doch noch ans Geld zu kommen, beantragte Stefan Kattelmann Zwangssicherungshypotheken auf zwei Eigentumswohnungen von Hoppe. Der begann zwischenzeitlich, die geschuldete Summe mit den zwei Zahlungen abzustottern – verbunden mit Drohungen.

Eine 5000-Euro-Überweisung an die Erben kommentierte Hoppe mit dem Satz: „Ich kann nur nochmals darauf hinweisen, dass eine Veröffentlichung der Angelegenheit die Restzahlung jedenfalls verzögern würde.“ Aus der Öffentlichkeit kann Hoppe die Angelegenheit sowieso nicht mehr heraushalten. Am 17. Mai steht er als Beklagter vor dem Kasseler Landgericht. In einem Zivilprozess muss er sich mit den Erben auseinandersetzen, die nun endlich ihr Geld haben wollen. Die Forderung lautet genau auf zwei Mal 69 468,70 Euro.

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