Firma weist Anschuldigungen zurück

Ver.di-Vorwürfe gegen Spedition Ullrich: Fahrer sollte manipulieren

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Hartes Geschäft: Die Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern sind nicht bei allen Fuhrunternehmen ideal.

Kassel. Die Gewerkschaft Ver.di Nordhessen erhebt Vorwürfe gegen die Spedition Ullrich, die einen Sitz in Kaufungen hat. Mehrere polnische Fahrer der Firma hätten Ver.di berichtet, dass sie gezwungen werden, gegen Lenk- und Ruhezeiten zu verstoßen, sagt Gewerkschaftssekretär Manuel Sauer.

In einem Fall hat ein bis vor Kurzem angestellter Pole Anzeige erstattet, weil er von einem Disponenten der Firma aufgefordert worden sei, den digitalen Fahrtenschreiber mithilfe eines Magneten zu manipulieren. Die Spedition streitet die Vorwürfe ab. Sie habe zur Klärung bereits selbst die Ermittlungsbehörden eingeschaltet.

Mitschnitt mit Handy

Im Mittelpunkt weiterer Untersuchungen steht der Mitschnitt eines Handytelefonats zwischen dem polnischen Fahrer und dem Disponenten. Dieser Mitschnitt liegt der ermittelnden Autobahnpolizei in Magdeburg vor. „Wir werten den Mitschnitt derzeit aus“, sagt der Sprecher der Autobahnpolizei. Da es sich um ein schwebendes Verfahren handele, könne er keine weiteren Angaben machen.

Manuel Sauer

Nach Angaben von Ver.di wurde dem Fahrer gekündigt, weil er sich weigerte, rechtliche Verstöße zu begehen. Die Gewerkschaft, die mit mehreren polnischen Fahrern von Ullrich gesprochen hat, will zudem erfahren haben, dass die Fahrer ihre Wochenendruhezeiten im Lkw verbringen müssen. Dies sei ein Verstoß gegen die EU-Lenk- und Ruhezeitregelung. Eigentlich müsse der Arbeitgeber die Kosten für eine Hotelübernachtung tragen.

Die Spedition selbst will sich vor Abschluss der Ermittlungen nicht ausführlicher zu den Vorwürfen äußern. Ein Unternehmenssprecher wirft der Gewerkschaft „pauschale und unbelegte Behauptungen“ vor.

Vom Amt für Arbeitsschutz, das beim Regierungspräsidium angesiedelt ist, heißt es, dass die ungeklärten Vorgänge von der Spedition auch selbst gemeldet worden sein. „Wir wissen auch von der Anzeige“, sagt Anton Kny, Dezernatsleiter Arbeitsschutz. Derzeit sehe sein Amt keinen Anlass für weitergehende Kontrollen der Spedition.

Prinzipiell gebe es aber die Möglichkeit, das digitale Kontrollgerät mit einem Magneten so zu manipulieren, dass es scheint, als sei der Lkw in einer bestimmten Zeit nicht gefahren, sagt Kny. Dies sei aber noch lange kein Beweis, dass die bei Ullrich der Fall gewesen sei.

Auf eine erste Anfrage bei der Staatsanwaltschaft Kassel teilte diese mit, dass zu dem Fall noch nichts vorliege. Möglicherweise habe die Spedition aber eine andere Ermittlungsbehörde eingeschaltet, da der Hauptsitz in Berlin liege und die Anzeige in Magdeburg gestellt wurde.

Nach Informationen von Ver.di beschäftigt Ullrich mehr als 100 polnische Fahrer. Die Mitarbeiter würden bei Veranstaltungen in Polen gewonnen. Auch gebe es ein Vermittlungsbüro in Fulda.

Von Bastian Ludwig

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