Gewerkschaft wirft Klinikverbund grobe Versäumnisse bei Seniorenwohnanlagen vor

Ver.di lehnt Verkauf ab

Stefanie Roß-Stabernack

Kassel. Schwere Versäumnisse wirft Ver.di Nordhessen der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) im Hinblick auf die Seniorenwohnanlagen (SWA) Kassel vor. Den geplanten Teilverkauf der Altenheime lehnt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ab.

Der Gesundheitskonzern will noch in diesem Jahr 49 Prozent der SWA an einen noch zu findenden Partner aus dem Bereich des Betriebs von Altenpflegeeinrichtungen verkaufen. Der Grund: Der erwartete Verlust der SWA von künftig bis zu einer Million Euro jährlich könnte zur Gefahr für den gesamten Klinikkonzern werden. Ursache der tiefroten Zahlen sind die etwa 25 Prozent höheren Löhne und Gehälter, die bei den SWA im Vergleich zu anderen Alteneinrichtungen gezahlt werden.

Die beiden Seniorenheime Lindenberg und Fasanenhof mit 180 Pflegeplätzen sowie 424 betreuten Seniorenwohnungen hätten über viele Jahre Gewinne erwirtschaftet und sie an das Klinikum Kassel und später an die GNH abgeführt, erklärt Ver.di-Vertrauensfrau Stefanie Roß-Stabernack, Mitarbeiterin der SWA. Statt durch notwendige Investitionen den Standard der Häuser zu verbessern und diese konkurrenzfähig zu halten, seien die Einrichtungen durch Fehlentscheidungen auf der Führungsebene geschwächt und die Verwaltungskosten aufgebläht worden.

Die Beschäftigten sollten nun jahrelange Versäumnisse der Führung ausbaden, kritisiert Roß-Stabernack. Die Bezahlung in den Seniorenwohnanlagen richte sich nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Auch die SWA-Beschäftigten würden seit Jahren bis zu sechs Prozent ihres Einkommens für die Zukunftssicherung der GNH und den Erhalt ihrer Arbeitsplätze abgeben.

Die Kasseler Kommunalpolitiker seien zwar gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Dumpinglöhne, würden sich aber im Fall der SWA ihrer politischen Verantwortung und ihren Gestaltungsmöglichkeiten entziehen. Angesichts der ernsten Situation würden sich auch die Beschäftigten in anderen Unternehmen der GNH fragen, wie es 2016 weitergehe, wenn der Zukunftssicherungsvertrag ausläuft.

Die Forderung nach einem Einkommensverzicht hält auch Ver.di-Sekretär Frank Lange für falsch: „Alle Welt redet davon, den Beruf der Altenpfleger attraktiver zu machen. Mit Lohnkürzungen um 20 oder gar 25 Prozent wird das sicher nicht gelingen.“ Die Arbeit in Pflegeberufen sei schwer und unterbezahlt, gibt Lange zu bedenken: „Viel Dienst und wenig Verdienst.“ (ach) Foto: Koch

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