3000 Menschen bei Kundgebung auf dem Königsplatz

Verdi-Warnstreik: In Kassel streikten so viele wie seit zehn Jahren nicht

Kassel. 3000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes demonstrierten laut Polizei am Dienstag auf dem Kasseler Königsplatz für mehr Lohn. Es dürfte eine der größten Demonstrationen der vergangenen zehn Jahre gewesen sein.

Die Mitarbeiter von kommunalen Betrieben, Kliniken, Polizei, Sparkassen, Schulen und Kitas sowie die Bediensteten des Bundes waren aus Kassel und dem Umland sowie aus den Kreisen Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner gekommen und in einem Sternmarsch zur Kundgebung gezogen (mehr dazu lesen Sie in unserem Streik-Übersichtsartikel).

Aufgerufen hatten dazu neben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auch die GEW, der Deutsche Beamtenbund sowie die Gewerkschaft der Polizei.

Mit dem Warnstreik wollen die Gewerkschaften im Vorfeld der entscheidenden Verhandlungsrunde am kommenden Sonntag und Montag den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Die zentrale Forderung: sechs Prozent mehr Lohn, jedoch mindestens 200 Euro, um vor allem die unteren Lohngruppen besserzustellen. So bezeichnete Verdi-Landeschef Jürgen Bothner die gestrigen Warnstreiks als „letzte Warnung“ und er ließ keinen Zweifel an der Entschlossenheit der Beschäftigten.

„Wir können mehr“, rief er der applaudierenden Menge zu. Bei der Lohnforderung gehe es nicht nur darum, den Abstand zu anderen Branchen zu verkleinern, sondern auch um die Wertschätzung der Arbeit jener, die sich für die Belange der Bürger, für Kranke, Hilfsbedürftige und Kinder einsetzten, die für Sicherheit sorgten und Dreck beseitigten, den andere hinterlassen.

„Eine friedliche Veranstaltung ohne besondere Vorkommnisse“ lautete die Bilanz der Polizei. Durch Ausfall von Bahnen und Bussen und die Sternmärsche sei es zu Behinderungen gekommen. Ein Verkehrschaos sei aber ausgeblieben, betonte ein Polizeisprecher.

Verdi-Streik in Kassel

Verdi-Streik in Kassel: Der Demonstratiosnzug führte aus verschiedenen Richtungen quer durch die Stadt.
Verdi-Streik in Kassel: Der Demonstratiosnzug führte aus verschiedenen Richtungen quer durch die Stadt. © Ditzel
Verdi-Streik in Kassel: Die Demonstranten zogen durch die Kasseler Innenstadt.
Verdi-Streik in Kassel: Die Demonstranten zogen durch die Kasseler Innenstadt. © Ditzel
Die Streikenden legten durch ihren Demonstrationszug den Verkehr in Kassel lahm, hier an der Kreuzung am Altmarkt.
Die Streikenden legten durch ihren Demonstrationszug den Verkehr in Kassel lahm, hier an der Kreuzung am Altmarkt. © Ditzel
Durch den Streik wurden der Bus und Bahnverkehr in Kassel lahmgelegt. Deshaln kam es zu Staus auf den Straßen, hier auf der Wilhelmshöher Allee.
Durch den Streik wurden der Bus und Bahnverkehr in Kassel lahmgelegt. Deshaln kam es zu Staus auf den Straßen, hier auf der Wilhelmshöher Allee. © Ditzel
Leere Haltestellen wegen Streik: Auch am Bahnhof Wilhelmshöhe fuhren keine Busse und Bahnen.
Leere Haltestellen wegen Streik: Auch am Bahnhof Wilhelmshöhe fuhren keine Busse und Bahnen. © Hein
Der Streik in Kassel legte den Bus- und Bahnverkehr in Kassel lahm und sorgte für lange Staus auf den Straßen.
Der Streik in Kassel legte den Bus- und Bahnverkehr in Kassel lahm und sorgte für lange Staus auf den Straßen. © Hein
Ein paar Busse fuhren doch: Betroffen waren nur die Buslinien 10 bis 29. Ab Linie 30 verkehrten die Busse normal.
Ein paar Busse fuhren doch: Betroffen waren nur die Buslinien 10 bis 29. Ab Linie 30 verkehrten die Busse normal. © Hein
Kundgebung am Rathaus: Die Verdi streikte in Kassel
Kundgebung am Rathaus: Die Verdi streikte in Kassel © Menzel
Gestreikt wurde auch im Klinikum Kassel: Die Mitarbeiter wünschen sich bessere Arbeitsbedingungen.
Gestreikt wurde auch im Klinikum Kassel: Die Mitarbeiter wünschen sich bessere Arbeitsbedingungen. © Menzel
Für die Autofahrer ging es während des Streiks in Kassel auf den Straßen nur im Schneckentempo voran.
Für die Autofahrer ging es während des Streiks in Kassel auf den Straßen nur im Schneckentempo voran. © Neu
 © Beutner/Berger
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Verdi-Streik in Kassel
Für die Kundgebung versammelten sich die Streikenden auf dem Königsplatz. © Ditzel
Verdi-Streik in Kassel
Für die jugendlichen Streikenden sprach Florian Schmidt bei der Kundgebung auf dem Königsplatz © Ditzel
Verdi-Streik am 10.04.2018 auf dem Königsplatz in KasselFoto: Hedler
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Verdi-Streik am 10.04.2018 auf dem Königsplatz in KasselFoto: Hedler
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Verdi-Streik am 10.04.2018 auf dem Königsplatz in KasselFoto: Hedler
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Verdi-Streik am 10.04.2018 auf dem Königsplatz in KasselFoto: Hedler
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Verdi-Streik am 10.04.2018 auf dem Königsplatz in KasselFoto: Hedler
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Verdi-Streik am 10.04.2018 auf dem Königsplatz in KasselFoto: Hedler
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Verdi-Streik am 10.04.2018 auf dem Königsplatz in KasselFoto: Hedler
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Verdi-Streik am 10.04.2018 auf dem Königsplatz in KasselFoto: Hedler
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Verdi-Streik am 10.04.2018 auf dem Königsplatz in KasselFoto: Hedler
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Lautstarke Demo für mehr Geld

Die laut Veranstalter 4000 Teilnehmer der Kundgebung aus Anlass der laufenden Tarifrunde für den Öffentlichen Dienst tauchten den Königsplatz am Dienstag in ein Meer roter und weißer Fahnen – den Farben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. „Wir sind es wert“, riefen die Warnstreikenden immer wieder das Motto des schwelenden Tarifkonflikts aus – begleitet von ohrenbetäubenden Trommelwirbeln und Pfeifkonzerten. Zahlreiche Passanten solidarisierten sich spontan mit den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, kommunaler Betriebe, Kitas und Kliniken sowie staatlicher Einrichtungen aus der Region.

Die gute Beteiligung überraschte selbst die Organisatoren, allen voran Verdi-Bezirksgeschäftsführer Axel Gerland. „Das übertrifft unsere Erwartungen bei Weitem“, sagte er und fragte in seiner Begrüßungsrede scherzhaft, „ob wir vielleicht noch mehr hätten fordern sollen?“ Im Vorfeld waren bis zu 2500 Teilnehmer erwartet worden. Wie die anderen Redner bekräftigte auch er die zentrale Forderung der Gewerkschaften nach sechs Prozent mehr Lohn, jedoch mindestens 200 Euro.

Die DGB-Chefin in Nordhessen, Jenny Huschke, schlug in dieselbe Kerbe. „Ihr verdient einen angemessenen Anteil an der aktuellen Megakonjunktur“, rief sie den Warnstreikenden unter Hinweis auf sprudelnde Steuereinnahmen und zu. Der öffentliche Dienst gehöre aufgewertet, sagte sie und wies die Kritik der Arbeitgeber, der Tarifstreit werde auf dem Rücken der Bürger ausgetragen, energisch zurück. „Das ist emotionale Erpressung. Wenn die Arbeitgeber wollen, dass ihr wieder an die Arbeit geht, dann sollen sie ein gescheites Angebot vorlegen“, so Huschke. Städte und Gemeinden, Bund und andere öffentliche Arbeitgeber hätten genügend finanziellen Spielraum.

Und Björn Köhler von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) betonte: „Wir haben einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle verdient. Den lassen wir uns nicht nehmen“. Zuvor hatte Verdi-Landesbezirksleiter Jürgen Bothner die Bundesregierung an den Koalitionsvertrag erinnert, in dem festgeschrieben wurde, den Öffentlichen Dienst attraktiver zu machen, damit er im zunehmenden Wettbewerb mit anderen Branchen bestehen kann. „Liebe Politiker, jetzt haben Sie die Chance, den Lippenbekenntnissen Taten folgen zu lassen“.

Bothner zitierte auch aus einer aktuellen Studie der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC), wonach 2030 bis zu 860.000 Stellen im Öffentlichen Dienst nicht besetzt werden könnten, wenn die Branche nicht attraktiver werde. „Es ist Schluss mit Verzicht und Bescheidenheit. Jetzt sind wir dran“, so Bothner.

Azubi Florian Schmidt, der für die gewerkschaftliche Jugend an Mikrofon ging, wies auf dem Missstand hin, dass junge Menschen in vielen Bereichen – insbesondere in den Heil- und Pflegeberufen – noch für ihre Ausbildung zahlen müssten. „Macht ordentlich Lärm für mehr Geld, vor allem für die, die nichts kriegen“, rief er der Menge zu.

Hier finden sie einen deutschlandweiten Überblick über den Streik am Dienstag.

Rubriklistenbild: © Hedler

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