Fall der gekündigten Betriebsrätin

Ver.di wirft früherem C&A-Arbeitnehmervertreter Verstoß vor

Kassel. Der Fall der gekündigten Betriebsrätin des Kasseler Modehauses C & A bekommt eine neue Dimension. Nun prüft die Gewerkschaft Ver.di rechtliche Schritte gegen den früheren C & A-Betriebsratsvorsitzenden Bernd Krause.

In einem Bericht in der HNA hatte sich der 63-Jährige zu dem Fall geäußert. Ver.di wirft Krause vor, gegen die Verschwiegenheitspflichten von Betriebsräten verstoßen zu haben.

Bernd Krause

„Dass ein ehemaliges Betriebsratsmitglied, welches sich bereits vier Jahre lang im Ruhestand befindet, derart gegen das Betriebsverfassungsgesetz verstößt, ist ein Schlag ins Gesicht für alle engagierten Betriebsräte unserer Region“, erklärte Manuel Sauer, Ver.di-Fachsekretär Handel. In seiner zwölfjährigen Tätigkeit als Gewerkschaftssekretär sei ihm kein vergleichbarer Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflichten bekannt, sagte Sauer. „Dass man einer aufrechten Betriebsrätin, die nunmehr 24 Jahre gute Arbeit im Betrieb in Kassel verrichtet hat, vom Ruhestand aus in den Rücken fällt, ist erschreckend und wird von mir aufs Schärfste verurteilt.“

Er erwarte von Krause, dass er derartige Äußerungen künftig unterlasse. „Gleichwohl gebietet der gewerkschaftliche Anstand, den wir uns als Vertreter der Arbeitnehmerinteressen in Ver.di auferlegt haben, Herrn Krause die Möglichkeit, das Geäußerte zurückzunehmen und sich bei der Betriebsratskollegin zu entschuldigen“, sagte Sauer.

Manuel Sauer

Nach 24 Jahren Tätigkeit im Unternehmen hatte C & A der 56-jährigen Mitarbeiterin im Februar gekündigt, nachdem sie unfreundlich zu einer Kundin gewesen sein soll. Die fristlose Kündigung, der auch der Betriebsrat von C & A zugestimmt hatte, erklärte das Arbeitsgericht Kassel im Juni für unwirksam. Der Kündigung vorausgegangen waren 23 Abmahnungen, die Ver.di in Zusammenhang mit der Betriebsratstätigkeit der 56-Jährigen sieht. Die Vorsitzende Richterin Sandra Langhoff am Arbeitsgericht hatte mitgeteilt, dass die Tätigkeit als Betriebsrätin bei dem Verfahren nur eine untergeordnete Rolle gespielt habe.

Krause hatte der Darstellung von Ver.di widersprochen, wonach die 56-Jährige nicht seit fünf, sondern seit acht Jahren im Betriebsrat war. Zudem berichtete er von Auseinandersetzungen innerhalb des C & A-Betriebsrates zu seiner Amtszeit. Der 56-Jährigen sei damals „querulantisches Verhalten“ vorgeworden worden. (clm)

Rubriklistenbild: © dpa

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