Ex-Volleyball-Nationalspieler Ehrenvorsitzender

Gehörlosen-Sportverein: „Verein ist auch Heimat“

Zwei Säulen des Vereins: Guido Ise (links) führte den Gehörlosen-Sportverein Kassel 16 Jahren lang bis 2008, seit vier Jahren ist Frank Hoffmann Vorsitzender. Foto: Konrad

Kassel. 16 Jahre lang, von 1992 bis 2008, stand Guido Ise an der Spitze des Gehörlosen-Sportvereins (GSV) Kassel. Jetzt wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Seit mehr als 30 Jahren gehört der 51-jährige ehemalige Gehörlosen-Volleyball-Nationalspieler dem Verein an. Vor seinem Amt als Vorsitzender leitete er die Skiabteilung, war Volleyball- und Organisationsleiter.

„Zuerst habe ich Fußball gespielt, dann haben mich Freunde 1979 zum Volleyball überredet“, berichtet er mit einer Mischung aus Gesten und Sprachlauten. Andere Dinge schreibt er auf einen Zettel. Ein Jahr später sei er überraschend für das Nationalteam nominiert worden.

Insgesamt 66 Länderspiele bestritt er, nahm von 1981 bis 1993 viermal an den Gehörlosen-Weltspielen teil, den Olympischen Spielen für Gehörlose. Außerdem war er bei den Gehörlosen-Volleyball-Europameisterschaften in Russland, Polen und Belgien. Trainiert hatte Ise zusammen mit den hörenden Landesliga-Volleyballern des TV Jahn Kassel.

Nach 13 Jahren verabschiedete er sich aus der Nationalmannschaft. „Ich war einfach satt“, sagt er. Seinen Abschied feierte er im Gehörlosen-Clubheim an der Agathofstraße in Bettenhausen mit 36 ehemaligen Team-Kollegen. Ise: „Es war schön, alle Freunde, mit denen ich an vier verschiedenen Weltspielen teilgenommen hatte, wiederzusehen. Es war eine schöne, unvergessliche Zeit.“

Seit vier Jahren gibt Ise seine Erfahrungen auf Landesebene weiter. Als stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Gehörlosen-Sportverbandes ist er für den Aufbau der Gehörlosen-Sportjugend zuständig. Für den Verband engagiert er sich zusätzlich zu seinem Beruf. Der gelernte Zahntechniker arbeitet heute als Fahrer eines Kurierdienstes und ist Laborant für die Pathologie Nordhessen. Ise lebt in Vellmar, ist verheiratet und hat eine 15-jährige Tochter.

Den Sportverein sieht er als eine Art „Heimat der Gehörlosen“. „Wir können ungehindert Sport treiben, frei kommunizieren und müssen uns niemandem anpassen“, sagt er. Ise ist seit seiner Geburt gehörlos. Seit vier Jahren führt Ises Freund Frank Hoffmann den GSV Kassel. „Im Verein sind auch Hörende herzlich willkommen“, sagt er. Hoffmann will neue Mitglieder, vor allem Hörende, für den Verein gewinnen. (mkx)

Von Mirko Konrad

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