Bahn frei für Schwimmer

Vereine dürfen Hallenbäder jetzt wieder nutzen – Freibäder kein Thema

Schwimmtraining unter besonderen Bedingungen: Auebad und Hallenbad Süd stehen Vereinsschwimmern jetzt wieder zur Verfügung. Das Bild zeigt Schwimmer der Leistungsabteilung des Kasseler Schwimmvereins beim Probelauf am Dienstagabend im Auebad.
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Schwimmtraining unter besonderen Bedingungen: Auebad und Hallenbad Süd stehen Vereinsschwimmern jetzt wieder zur Verfügung. Das Bild zeigt Schwimmer der Leistungsabteilung des Kasseler Schwimmvereins beim Probelauf am Dienstagabend im Auebad.

Seit Dienstag dürfen hessische Bäder für Vereinsschwimmer öffnen. Die nutzen in Kassel bereits am ersten Tag die Gelegenheit, nach zehnwöchiger Pause wieder ins Training zu starten.

Mitte Juni will die Landesregierung entscheiden, ob und wann Hallen- und Freibäder auch für die Allgemeinheit öffnen dürfen.

Aus Sicht der Vereinsschwimmer sei es allerhöchste Zeit, wieder ins Wasser zu gehen, sagt Timm Knappe vom Kasseler Schwimmverein. Da es sich bei ihnen um „richtige Hallenbewohner“ handelt, liegt ihr Schwerpunkt auf der Nutzung der Hallenbäder. In Kassel werden Hallenbad Süd und Auebad von fünf Schwimmvereinen, Tauchern, Wasserballern und der Behinderten-Sportgemeinschaft Kassel genutzt. Die Öffnung der Freibäder steht nach HNA-Informationen bislang nicht zur Debatte.

Timm Knappe, hauptberuflich Gymnasiallehrer, koordiniert neben seiner Funktion als Kassenwart auch die Abstimmung zwischen Vereinen und Bäderabteilung der Stadt Kassel. Lag die Erstellung des Hygienekonzepts in der Hand der Städtischen Werke, waren die Vereine aufgefordert, Trainingskonzepte vorzulegen, erläutert Werke-Sprecher Ingo Pijanka die Organisation vorab. Im nächsten Schritt mussten die Konzepte in Einklang gebracht werden. Das sei sicher ein laufender Prozess – zeigten sich eventuelle Schwierigkeiten teils erst in der praktischen Erprobung, merkt Knappe an.

Stichwort Praxis. „Nach zehn Wochen Pause müssen die Schwimmer nun erst einmal wieder ein Gefühl für das Wasser bekommen.“ Für die Leistungssportler, insbesondere für die Schwimmer jenseits des Kindesalters, sei die Pause ein Riesenproblem: Sie wirkt sich auf die Kondition aus, also auf die Streckendauer, während der eine bestimmte Technik gehalten werden kann. Bei Kindern – ausgenommen von der Nutzung sind Seepferdchen-Frischlinge, die Hilfestellung benötigen – gestaltet sich das einfacher, denn ihr Training ist auf Kurzzeitübungen ausgelegt. Immerhin: Der Leistungsgedanke werde aktuell ausgeblendet, sagt Knappe. „Wettkämpfe sind noch nicht in Sicht.“

Einen positiven Nebeneffekt habe die Abstandsregelung, sagt der Koordinator: „Zwei Trainer auf 16 Sportler, bedingt durch die zwangsläufige Verkleinerung der Gruppen, ist Luxus.“ Ein Idealfall, den es im gewohnten Vereinsalltag wegen fehlender Kapazitäten nicht gibt.

Die Erfahrungen mit der Nutzung durch die Vereinsschwimmer sollen dem Land als Entscheidungsgrundlage dienen, wann und wie Bäder auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein können, sagt ein Sprecher des Ministeriums im Gespräch mit der HNA.

Einen Lerneffekt habe der eingeschränkte Betrieb sicher, sagt Werke-Sprecher Ingo Pijanka. Ob die Erfahrungen allerdings dazu befähigen, Argumente für einen öffentlichen Badbetrieb zu finden, stellt er infrage.

Freibäder im Altkreis bereiten sich auf Vereinssport vor

Etwas zurückhaltender als in Kassel gehen die Bäder und Vereine mit der Regelung im Altkreis um. Zudem gibt es keine zentrale Zuständigkeit wie in Kassel. Die meisten Bäder betreiben die Kommunen selbst, nur die in Söhrewald-Wattenbach und Helsa werden von Fördervereinen geführt.

Jede Kommune, die ein Bad betreibt, muss nun die Vorgaben auf die Gegebenheiten vor Ort anpassen und mit den Konzepten der Vereine in Einklang bringen. „Da gibt es eine Fülle von Fragen, die man individuell klären muss“, sagt Michael Steisel, Sprecher der Kreisbürgermeister. Dieser Aufwand müsse dann auch im Verhältnis stehen. Weil die Vereinslandschaft unterschiedlich ist, lohnt sich eine Öffnung für manche Bäder gar nicht. Ein Überblick:

Baunatal: Die Stadt Baunatal bereitet laut einer Sprecherin die Öffnung des Sportbads am Aquapark für den Vereinssport vor. Dort stehen sieben Vereine in den Startlöchern, um wieder trainieren und Schwimmkurse anbieten zu können. Diese Woche sollen Gespräche zwischen Stadt und Vereinen stattfinden, um über die konkrete Umsetzung zu sprechen und die jeweiligen Konzepte abzugleichen. Derzeit wird Wasser ins Becken gelassen und Proben genommen, man rechne mit einer Öffnung für Vereinssport erst ab Mitte Juni.

Lohfelden: In Lohfelden käme eine Öffnung für die DLRG in Betracht, sagt Klaus Günther. Er ist Vorsitzender und gleichzeitig Schwimmmeister des Bads. Der Verein wäre aber auf gutes Wetter angewiesen. Denn nur für das Training die Gasheizung anzuwerfen, sei finanziell untragbar. Auch die Zugangsbeschränkungen machen es dem Verein schwer. Geduscht werden müsste wahrscheinlich draußen an den Kaltduschen. Günther würde gern mit den Jugendlichen trainieren, sorgt sich aber, dass möglicherweise nun mehr in die DLRG eintreten wollen, wenn sie dann ins Freibad dürfen.

Im Lehrbecken der Regenbogenschule zu trainieren, würde sich nicht lohnen, denn mit den Abstandsregeln könnten dort nur rund zwölf Schwimmer ins Becken.

Söhrewald: Das Waldschwimmbad Wattenbach könnte, je nach Wetterlage, sein Becken für den Trainingsbetrieb der DLRG in der zweiten Juniwoche öffnen, sagt David Schließstädt vom Förderverein. Geduscht werden müsste an den Außenduschen. Die Schwimmer müssten bereits umgezogen kommen, ansonsten sei jede zweite Umkleidekabine abgesperrt. Anfragen von anderen Vereinen, etwa dem benachbarten Helsa, habe er noch nicht bekommen.

Fuldatal: Eine Öffnung nur für Vereinssport stehe in Fuldatal nicht im Verhältnis zum Aufwand, sagt Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU). Das Waldschwimmbad könnte frühestens am 20. Juni in Betrieb gehen, weil noch kein Wasser im Becken ist, sagt Martin Knopp vom zuständigen Fachbereich der Gemeinde. Für Vereine, die in den Sommerferien kein Training anbieten, verkürze sich damit die Trainingszeit. Je länger das Bad geschlossen bleibe, desto unattraktiver werde die Öffnung für den Verein.

Vellmar: In Vellmar werde diese Woche im Magistrat über das Thema gesprochen, teilt eine Sprecherin mit. Bis dahin bleiben die Bäder zu.

Niestetal: Auch in Niestetal bleiben die Bäder weiter zu. Das Wichtelbrunnenbad sei sowieso zur Freibadsaison geschlossen, sagt Bürgermeister Marcel Brückmann (SPD). Nur für eine Vereinsgruppe das Naturerlebnisbad, das nicht gechlort wird, zu öffnen, lohne sich nicht. Deshalb wartet die Gemeinde jetzt auf eine Ansage vom Land, wie und wann eine Öffnung für alle möglich sei.

Von Anna Lischper und Valerie Schaub

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