Notwehr in Vellmar

Tödliche Schüsse: Mann stirbt bei Einsatz der Polizei – Ermittlungsverfahren eingestellt

Hier kam es vor einem Jahr zu den tödlichen Schüssen: Nachdem der 66-Jährige die Polizei in Vellmar (Kreis Kassel) mit einem Messer attackiert hatte, schossen diese auf den Mann.
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Hier kam es vor einem Jahr zu den tödlichen Schüssen: Nachdem der 66-Jährige die Polizei in Vellmar (Kreis Kassel) mit einem Messer attackiert hatte, schossen diese auf den Mann.

Im Februar 2020 kam ein Mann im Kreis Kassel durch Schüsse der Polizei ums Leben. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen die Polizisten nun eingestellt.

Kassel/Vellmar – Der Tod eines 66-jährigen Mannes bei einem Polizeieinsatz in Vellmar vor gut einem Jahr wird für die Beamten keine juristischen Konsequenzen haben. Ein Ermittlungsverfahren gegen drei Polizeibeamte wurde jetzt von der Staatsanwaltschaft Kassel eingestellt.

Der 66-jährige Mann war bei dem Einsatz in Nähe des Polizeireviers Nord in Vellmar am 3. Februar erschossen worden. Daraufhin wurde gegen drei an dem Einsatz beteiligte Polizeibeamte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, für das das Polizeipräsidium Mittelhessen und eine Tatortgruppe des Hessischen Landeskriminalamtes zuständig gewesen sind.

Vellmar (Kreis Kassel): Mann bei Polizei-Einsatz erschossen – Ermittlungen eingestellt

Nach Abschluss der Ermittlungen und „gründlicher Prüfung des Ergebnisses“ habe die Staatsanwaltschaft Kassel das gegen die Polizeibeamten gerichtete Verfahren jetzt eingestellt, teilt Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, auf Nachfrage mit.

Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der 66-Jährige die Beamten mit einem Messer attackiert habe. Die Polizisten hätten die Schüsse aus ihrer Dienstwaffe abgegeben, um sich vor dem Messerangriff zu schützen. Unter rechtlichen Gesichtspunkten handele es sich deshalb um Notwehr beziehungsweise Nothilfe (Paragraf 32 Strafgesetzbuch), so Thöne.

Vorfall im Kreis Kassel: Beamte schießen aus Notwehr

Nach Informationen der HNA soll der 66-jährige Mann vor gut einem Jahr nicht nur die Polizisten in einem Streifenwagen mit einem Messer bedroht haben, sondern sich damit auch selbst verletzt haben. Entsprechende Schnittwunden waren bei der Obduktion am Körper des Mannes festgestellt worden.

Der Mann war am 3. Februar gegen 20 Uhr „aufgrund des Verdachts einer Trunkenheitsfahrt mit Alleinunfall und anschließender Unfallflucht“ von Beamten des Reviers Vellmar angehalten und festgenommen worden. Der 66-Jährige soll damals über 1,1 Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Er sollte die Beamten dann zur Blutentnahme auf das Polizeirevier nach Vellmar begleiten.

Tödliche Schüsse bei Einsatz der Polizei in Vellmar: 66-Jähriger stirbt noch vor Ort

Während der Fahrt soll der 66-Jährige, der auf der Rückbank neben einem Polizisten saß, ein Messer aus seiner Kleidung gezogen haben. Dem Beamten soll er damit gedroht haben, ihn abzustechen. Anschließend stoppte der Polizist am Steuer den Streifenwagen, der sich bereits in der Nähe des Polizeireviers befand. Die beiden Beamten verließen das Auto.

Nicht so der 66-Jährige. Er konnte nicht aus dem Fahrzeug steigen, da die Sicherung aktiv war. Er soll sich dann selbst mit dem Messer verletzt und die Scheibe des Fahrzeugs zerstört haben, um die Tür durch das Fenster zu öffnen. Dann soll der 66-Jährige aus dem Streifenwagen gestiegen und auf die Beamten mit dem Messer losgegangen sein.

Von seinem Vorhaben soll der Mann auch nicht abgelassen haben, nachdem ein Polizist auf ihn geschossen hatte. Es folgten weitere Schüsse. Laut Staatsanwaltschaft schossen mehrere Polizeibeamte auf den Mann. Der 66-Jährige wurde dabei so schwer verletzt, dass er vor Ort starb.

Tödliche Schüsse im Kreis Kassel: Polizeipräsident nach Verfahren erleichtert

Nordhessens Polizeipräsident Konrad Stelzenbach zeigt sich erleichtert, dass das von unabhängiger Stelle geführte Verfahren mit diesem Ergebnis nun zu einem Abschluss gekommen sei. „Ein Schusswaffengebrauch, bei dem bedauerlicherweise ein Mensch ums Leben kam, ist für Polizeibeamte an sich schon ein einschneidendes und belastendes Ereignis – denn hinter jeder Uniform steckt letztlich auch ein Mensch.“

Er wünsche den betroffenen Mitarbeitern, dass ihnen diese Entscheidung der Staatsanwaltschaft bei der Verarbeitung der Geschehnisse weiterhelfe. Zudem gelte sein Mitgefühl den Hinterbliebenen des 66-jährigen Mannes. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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